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Metaverse – Leben wir in Zukunft digital?

"Das Metaverse ist die nächste Evolution von sozialen Beziehungen". So wird die neue Technologie auf der Website des Meta-Universums beschrieben. Über VR-Brillen und sogenannte Smart Glasses kann man die erweiterte Realität des Metaverse betreten und mit anderen Menschen Erlebnisse teilen, ohne am gleichen Ort zu sein. Aber was genau wird uns in der virtuellen Parallel-Welt erwarten?

Symbolbild VR-Brille
Vor dem Eintritt ins "Metaverse" steht bis auf weiteres der Erwerb einer VR-Brille an - natürlich einer der richtigen Marke.

Der Begriff "Metaverse" stammt ursprünglich aus dem Science-Fiction-Roman "Snow Crash" des US-Autors Neal Stephenson und ist aus den Wörtern "Meta" und "Universe" zusammengesetztes Kofferwort. Konzepte des Metaverse finden schon lange Anwendung in modernen Videospielen, wo Spieler und Spielerinnen aus der ganzen Welt über ihre Avatare in virtuellen Realitäten miteinander kommunizieren.

Facebook veröffentlichte am 09. Dezember 2021 ein neues Videospiel in einer virtuellen Realität namens Horizon Worlds, das bisher in den USA und in Kanada erhältlich ist. In 2021 wurde Facebook in Meta Platforms unbenannt und Mark Zuckerberg kündigte die Entwicklung eines Metaverse an. Zu den Meta Platforms gehören unter anderem Facebook, Instagram, WhatsApp und Oculus, einer der bekanntesten Hersteller von Virtual-Reality-Technologie.

Virtuelle Realität mit VR-Brillen

Das Metaverse heutzutage jemandem zu erklären, ist vielleicht ein bisschen so wie der Versuch, in den 1980er Jahren jemandem das Internet zu erklären. Denn niemand kann sich wirklich vorstellen, wie genau diese neue Art der Kommunikation aussehen und welche Formen es annehmen wird. Ob sich die Welt in vierzig Jahren erneut so stark verändern wird, wie durch das Internet, bleibt natürlich offen.

Die Eintrittskarte ins Metaverse ist ein Facebook-Account und eine VR-Brille von Oculus, die für etwa 500 Euro zu erstehen ist. Mit der VR-Brille nimmt man die eigene Umgebung nicht mehr wahr und taucht komplett ins Metaverse ein, wo man sich erstmal einen Avatar erstellen darf. Wenn man nach links blickt, dreht auch der Avatar den Kopf nach links. Auch virtuelle Gegenstände kann man greifen und ablegen. Nun kann man sich mit den Avataren von anderen Nutzern zu Arbeitsmeetings treffen, Spaziergänge machen und natürlich virtuell konsumieren. Facebook will uns schließlich nicht nur sozialisieren - wir sollen auch fleißig digitale Produkte kaufen.

Wer ist schon digital?

Das "echte" Metaverse als zusammenhängender Ort existiert in dem Sinne noch nicht, aber es gibt schon Apps, die eine virtuelle Realität darstellen, in der man mit anderen Spielern kommunizieren kann. So hat sich zum Beispiel der Rapper Snoop Dogg seine Villa schon im Metaversum der App "The Sandbox" nachbauen lassen. In der virtuellen Villa sollen in Zukunft exklusive Partys und Konzerte stattfinden können.

Inzwischen hat sogar Kaufland eine virtuelle Insel im erfolgreichen Nintendo-Spiel "Animal Crossing" erstanden. Dort will man erste Erfahrungen im Metaverse sammeln und sich einer jüngeren Zielgruppe nähern. Ob sich Kaufland als Supermarkt-Kette in einer Welt von digitalen Avataren behaupten kann, bleibt aber abzuwarten.

Kleidung – gewebt aus Pixeln

Auch die Modeindustrie ist schon auf den Metaverse-Zug aufgesprungen. Kleidung hat schon lange nicht mehr nur mit Funktion zu tun. Es geht darum gut auszusehen, Status zu zeigen oder sich mit schönen Kleidungsstücken zu belohnen. Dass dafür kein Stoffmaterial benötigt wird, haben Designer längst begriffen. Sie verkaufen inzwischen Kleidung an Influencer, die nur aus Pixeln generiert sind. Die spacig aussehenden Hosen, Jacken und Schuhe werden den Influencern auf ihren Fotos dann digital angezogen, bevor sie die Fotos auf Instagram posten.

Doch das ist ja nur die erste Schicht des digitalen Shopping, denn die Fotos werden schließlich noch von "echten" Menschen angeschaut. Firmen wie H&M, Adidas und Ralph Lauren haben bereits Millionenbeträge für den Erwerb eines Grundstücks in den Spielen des Metaverse ausgegeben, um dort Läden aufzubauen, in denen sie ihre digitale Kleidung anbieten können. Spieler können also ihre Jogginghosen noch zehn weitere Jahre anbehalten und ihren Kleidungskonsum nun an ihren Avataren ausleben. So weit, so umweltfreundlich.

Hast das Metaverse Zukunft?

"Das ist mir zu meta", sagen wir verwirrt nach komplizierten Filmen. Trifft das auch bald auf die neue Kommunikationstechnologie der virtuellen Realität zu?

Es wird berichtet, dass sich die Erfahrungen im Metaverse anfühlen sollen wie echte Erlebnisse und Emotionen wecken, die intensiver sind als bei klassischen Computerspielen. Das ist auf jeden Fall ein toller Anreiz für alle Gamer, aber könnte auch gleichzeitig die Probleme verschärfen, die schon bei "normalen" sozialen Netzwerken auftauchen. Cybermobbing und Übergriffe im Netz können im Metaverse ganz neue, gruselige Formen annehmen. Es gibt schon erste Berichte von Nutzerinnen und Nutzern, die etwa bei "Horizon World" sexuell belästigt oder rassistisch angegriffen wurden.

Frances Haugen, Facebook-Whistleblowerin und Heldin der Datenschutzbeauftragten, äußert sich ebenfalls kritisch zu der neuen Technologie. Die Meta Platforms hätten auf eine ganz neue Art von Daten Zugriff, welche die Werbung, die wir sicherlich im Metaverse zu sehen bekommen, noch stärker personalisieren können.

JFR, 28.01.2022
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