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Merkurtransit: Dunkler Punkt vor der Sonne

Heute haben wir die seltene Chance, einen Planeten sogar bei Tageslicht am Himmel zu sehen. Denn der innerste Planet Merkur wird ab heute Mittag direkt vor der hellen Sonnenscheibe vorüberziehen – es gibt einen Merkurtransit. Im Teleskop oder Fernglas erscheint der Merkur dabei als winziger schwarzer Punkt vor der hellleuchtenden Sonne. Wir erklären, wie man dieses Ereignis am besten beobachtet und wie es zustande kommt.

Merkurtransit vom 9. Mai 2016, 14:24:01 UTC, East Grand Forks, MN
Der Merkur als winziger schwarzer Punkt vor der Sonne

Die Passage eines Planeten vor seinem Stern ist für Astronomen ein wichtiges und enorm hilfreiches Ereignis. In unserem Sonnensystem haben die Transits von Merkur und Venus unter anderem dabei geholfen, den Abstand der Sonne zur Erde genauer zu bestimmen. Heute spüren die Astronomen mithilfe solcher Transits neue Exoplaneten im fernen All auf.

Der Ablauf des Merkurtransits

Heute, am 11. November 2019, können wir eines dieser Transitereignisse am Himmel bestaunen: Der Merkur zieht direkt vor der hellen Sonnenscheibe vorüber – es gibt einen Merkurtransit. Der Planet wird dabei als winziger Punkt von 0,5 Prozent der Sonnengröße sichtbar – nicht mit bloßem Auge, aber mit Teleskopen oder Kameras.

Der erste Kontakt, der Eintritt des Merkur in die Sonnenscheibe, findet dabei um 13:25 Uhr statt, schon zwei Minuten später ist der gesamte Planet als schwarzer Punkt zu sehen. Im Laufe des Nachmittags wandert der Merkur von links unten nach rechts oben über die Sonnenscheibe. Gegen 16:19 Uhr unserer Zeit – kurz vor Sonnenuntergang - passiert er dabei die Mitte der Sonne. Um dies zu sehen, sollte man sich einen Platz mit freiem Blick auf den Südwesthorizont suchen.

Weil die Sonne schon gegen 16:20 Uhr untergeht, können wir von Deutschland aus die zweite Hälfte des Merkurtransits nicht mehr beobachten. Dieser endet gegen 19:02 Uhr, wenn der Merkur den Rand der Sonnenscheibe erreicht. Insgesamt dauert der Merkurtransit fünfeinhalb Stunden. Das scheint zwar langsam, doch der innerste Planet legt in dieser Zeit rund eine Million Kilometer zurück – und dies mit dem beeindruckenden Tempo von 48 Kilometer pro Sekunde.

Ablaufschema des Merkurtransits am 11. November 2019
Ablauf des Merkurtransits am 11. November 2019

Wie beobachtet man den Transit?

Wichtig für die Beobachtung ist der richtige Schutz der Augen. Denn wie bei einer Sonnenfinsternis gilt: Der direkte Blick in die Sonne – ob mit bloßem Auge, durch einen Kamerasucher oder durch ein Fernglas oder Teleskop – kann schwere Augenschäden verursachen. Deshalb sollte man nie ungeschützt versuchen, dieses Ereignis zu verfolgen. Stattdessen empfiehlt es sich, für Teleskop oder Kamera eine spezielle Sonnenfilterfolie zu kaufen und sie vor das Objektiv zu setzen.

Im Gegensatz zur Venus ist der Merkur bei seinem Transit zu klein, um mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Mit einem starken Fernglas oder einem kleineren Teleskop ist der winzige schwarze Punkt aber schon sichtbar. Möchte man eine Kamera nutzen, kann ein Teleobjektiv mit 400 bis 500 Millimetern Brennweite schon ausreichen. Dabei sollte man aus Sicherheitsgründen nicht durch den optischen Sucher schauen.

Livestreams zum Merkurtransit

Einen "Logenplatz" beim Merkurtransit bieten mehrere Livestreams von Sternwarten und großen Teleskopen. Dank ihrer größeren Auflösung ist der Planet bei seiner Wanderung über die Sonnenscheibe gut zu verfolgen. Im Internet gibt es Livestreams zum Merkurtransit unter anderem vom Griffith Observatory, dem Virtual Telescope Project oder der ESA. Eine ungewöhnliche Perspektive bietet zudem der Livestream vom Solar Dynamics Observatory (SDO) der NASA – er zeigt den Transit aus dem Weltraum.

Wie kommt ein Merkurtransit zustande – und wann?

Merkurtransits sind zwar nicht ganz so selten wie die Transits unseres Nachbarplaneten Venus, aber auch sie kommen nur gut ein Dutzend Mal pro Jahrhundert vor. Der Grund: Zwar zieht der Merkur auf seiner Innenbahn etwa alle 108 bis 130 Tage zwischen Erde und Sonne vorbei. Weil die Merkurbahn aber gegenüber der Erdbahn um sieben Grad geneigt ist, wandert der Planet dabei nicht immer genau vor der Sonne vorbei.

Es gibt aber zwei Punkte der Merkurbahn, an denen diese die Ebene der Erdbahn schneidet. Diese Bahnknoten passiert die Erde jedes Jahr am 7. oder 8. Mai und am 10. oder 11. November. Einen für uns sichtbaren Transit gibt es immer dann, wenn der Merkur die Erde zu einer dieser beiden Zeiten überholt. Merkurtransits können daher immer nur im Mai oder November auftreten.

Weil der Merkur im November der Sonne näher ist und daher die Chance auf einen passenden Winkel größer, sind die Novembertransits fast doppelt so häufig wie Maitransits. Dafür dauern sie "nur" fünfeinhalb Stunden, während die Merkurtransits im Mai gut sieben Stunden anhalten. Der letzte in Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit ereignete sich am 9. Mai 2016. Bis zum nächsten jedoch müssen wir noch 13 Jahre warten, denn er wird erst wieder im November 2032 stattfinden.

NPO, 11.11.2019
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