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Mata Hari - Die nackte Spionin

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Mata Hari am Tag ihrer Festnahme
Mata Hari am Tag ihrer Festnahme, dem 13. Februar 1917.
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Zwei Jahre später wird jedoch die französische Spionageabwehr auf die Agentin aufmerksam. Die Franzosen nehmen Kontakt auf - vermeintlich, um Mata Hari als Doppelspionin zu gewinnen. Das allerdings ist bloß ein Trick. Tatsächlich soll Mata Hari der Spionage für die Deutschen überführt werden. Sie wird verhaftet und muss sich vor Gericht verantworten. Am 24. Juli 1917, fünf Monate nach ihrer Verhaftung, ist die Anklageschrift fertiggestellt und im Pariser Justizpalast beginnt der Prozess. Mehr als 100 Personen sind als Zuhörer gekommen, doch auf Antrag des Staatsanwalts muss der Saal nach der Eröffnung des Verfahrens geräumt werden.

Nach nur eineinhalb Tagen Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit steht das Urteil fest: Auf Spionage und Hochverrat steht die Todesstrafe. Am 15. Oktober wird Mata Hari von einem zwölfköpfigen Erschießungskommando eines französischen Artillerieregiments hingerichtet. Eine Augenbinde hat sie für ihre Exekution abgelehnt. "Ich werde den Soldaten ins Auge blicken", soll sie gesagt haben. "Ich bin stolz auf meine Vergangenheit, und ich war nie eine Spionin, aber ich war Mata Hari."

Gewiefte Agentin oder Bauernopfer?

Mata Hari - auch in den letzten Momenten ihres Lebens eine meisterhafte Blenderin? Tatsächlich legt Mata Hari im Laufe des Prozesses nie ein vollständiges Geständnis ab. Aus heutiger Sicht ist aber unstrittig, dass sie im Auftrag des deutschen Geheimdienstes tätig war. Ob sie dabei kriegsentscheidende Informationen lieferte, das allerdings gilt als fraglich. So geht aus den 1999 vom britischen Geheimdienst freigegebenen Akten hervor, dass Mata Hari bei ihren Verhören hauptsächlich über Klatsch und Tratsch berichtete. Womöglich hatte die an Luxus gewöhnte Frau ihren Auftrag vor allem als bequeme Einnahmequelle gesehen.

Nicht nur die deutsche Kriegspropaganda bezeichnete Mata Hari ihrerzeit als Bauernopfer des französischen Militärs, das in Zeiten der abnehmenden Kriegsbegeisterung einen Sündenbock für die eigenen Niederlagen und Verluste suchte. Inzwischen erscheinen selbst in Frankreich immer mehr Bücher und Filme, die sie eher als tragisches Opfer denn als gewiefte Agentin sehen.

Welche Interpretation der Wahrheit am nächsten kommt, könnte sich noch in diesem Monat zeigen, wenn die französischen Gerichtsakten 100 Jahre nach Mata Haris Tod zum ersten Mal geöffnet werden. Vielleicht aber bleibt die Geschichte der indischen Tänzerin, die eigentlich Niederländerin war, auch für immer eine geheimnisvolle Legende, in der Fakt und Fiktion auf untrennbare Weise miteinander verschwimmen. Vermutlich wäre das wohl ganz in Mata Haris Sinne.

DAL, 24.07.2017
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