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Martin Walser: Tod eines Kritikers

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Das Desaster ist damit perfekt: Eine ernsthafte literaturwissenschaftliche Diskussion ist von vornherein ad absurdum geführt - der Roman, wie auch zum Gutteil der Autor, sind a priori beschädigt. Die Tatsache, das Manuskript eines unveröffentlichten Romans - sei er noch so schlecht, noch so diskutabel - mehr als einen Monat vor dem Erscheinungstermin in einem offenen Brief in der renommierten FAZ abzulehnen, zu verreißen, ja ihn als “Dokument des Hasses“ zu brandmarken, ist ein beispielloser Vorgang in der deutschen Literaturgeschichte.

Walser, der Prophet

Wäre die Tragweite nicht so enorm und die Beschädigungen nicht so tiefschürfend: Man müsste Martin Walser für sein geniales Gespür für die unzähligen Eitelkeiten und Inszenierungen des deutschen Literaturbetriebes anno 2002 rühmen - wenn der Beigeschmack nicht so bitter wäre! Denn auf den Leim gegangen sind sie ihm alle: Das, was sich in den Tagen nach der Schirrmacher-Ablehnung in deutschen Feuilletons als Flächenbrand der Empörung verselbstständigte, hat Walser im Tod eines Kritikers längst vorweggenommen.

Walser antizipiert in seinem Roman dessen Folgen: Schon auf den ersten Seiten, die Schirrmacher nicht entgangen sein können, schildert er, wie sein Alter Ego Hans Lach “in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gerade ungut behandelt, ja sogar richtig beschimpft worden sei, als Populist. Und zwar von einem der Herausgeber persönlich.“ (Martin Walser: Tod eines Kritikers, Suhrkamp Verlag 2002) Tatsächlich schlägt Schirrmacher in seinem Offenen Brief einen ähnlichen Ton an:

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