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Marienkäfer im Badischen

Die Invasion der Asiatischen Marienkäfer

Ich liege auf der Couch und sehe aus dem Fenster. Ein warmer, sonniger Oktobertag ist heute, so, wie ich ihn liebe, den Herbst. Plötzlich sehe ich am Fenster vier Marienkäfer. Sie krabbeln stetig umeinander ...

Diesem Schauspiel sehe ich gerne zu. Kleine süße Glücksbringer, noch dazu vier Stück! Marienkäfer im Oktober – ich kann mich nicht daran erinnern, außer mal einen verirrten, früher so viele gesehen zu haben. Für mich sind sie Frühlingsboten, Sommerkäfer – das einzige Käfergetier, das mich nicht auf die Palme bringt. Schwarz gepunktet, niedlich. Doch diese sind ja teilweise rot gepunktet, auf schwarzem Grund, stelle ich fest, als ich aufstehe und das Treiben am Fenster betrachte. Immer mehr kommen dazu, auch orangefarbene mit schwarzen Punkten, zum Schluss zähle ich zehn Stück, die sich munter sonnen. Lustig, eine ganze Großfamilie, denke ich.
Dann kommt die Pressemeldung: Asiatische Marienkäfer bedrohen deutsche Schmetterlings- und Marienkäferarten. Och neeeeee... Wie ich weiter lese, sind diese Marienkäfer in Trauben unterwegs und suchen derzeit Asyl in warmen Räumen, Garagen, Häusern, um zu überwintern. Diese Sorte wurde als Schädlingsbekämpfer in den Beneluxstaaten eingesetzt, breitet sich nun auch hier in Baden aus und hat nichts mit unserem so genannten "Siebenpunktmarienkäfer" zu tun. Ach menno ... Bedrohung durch Marienkäfer? Ich will das nicht glauben. Dennoch – nach dieser Pressemeldung häufen sich die News. An einer Burgmauer werden sie in Massen gesichtet und an meinem Wohnzimmerfenster sind sie ja auch schon angekommen. Ich werde sie dann doch lieber nicht auf meine Pflanzen setzen, denn Blattläuse werden sie vielleicht nicht mögen und nachher hab ich Herbst auf der Fensterbank, weil die ganzen Blätter weggefressen werden:o) Ach nein, ich hab ja auch keine Blattläuse. Freue ich mich einfach, dass sie mich manchmal an meinem Fenster besuchen und sage leise "Hallo, kleine bunte Freunde!"

von Jess Doenges, Baden-Baden
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