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Männer: Haben die wilden Kerle ausgedient?

Das klassische Männerbild ist überholt – aber das moderne macht es den Männern nicht leicht

Sein langes, volles Haar weht im Wind, während er energischen Schritts Kampf und Abenteuer entgegengeht. Ausgeprägte Muskeln zeichnen sich unter der straffen Haut seiner starken Arme ab, als er sein Schwert greift und mit wütendem Kampfschrei und edlem Gemüt zum Sieg über das Böse schreitet. Wer ist dieser sagenhaft männliche Mann? Es könnte Siegfried oder Lancelot sein, der Skandinavier Beowulf, der biblische Samson oder der griechische Herkules, vielleicht auch Richard Löwenherz oder Zorro – die Liste der literarischen männlichen Superhelden und Weltenretter ist lang und zieht sich durch alle Kulturen und Epochen. Ist dieses Männerbild heute noch aktuell?

Vater mit Kind
Vater und Tochter

Zeit mit der Familie zu verbringen ist Männern heute viel wichtiger als noch vor einigen Jahren. Trotzdem fühlen sie sich unter Druck, die klassische Ernährerrolle zu erfüllen.

Hand aufs Herz – welcher Mann möchte nicht ein bisschen wie Herkules oder Zorro sein? Und welche Frau hätte nicht gern einen Partner an ihrer Seite, den die charmant-wilde Aura eines Lancelot umgibt? Aber nur, wenn er sich neben der Karriere auch um Nachwuchs und Haushalt kümmert. Überhaupt sollte er nicht die erste Geige spielen wollen und als Ansprechpartner in Gefühlsfragen darf er auch nicht patzen. Aber ein Richard Löwenherz, der Elternzeit nimmt und das Klo putzt? Schwer vorstellbar.

Und damit sind wir mitten in der Realität des 21. Jahrhunderts angekommen. Die klassischen männlichen Tugenden – Stärke, Mut, Entschlossenheit – haben kein bisschen ihren Reiz verloren. Aber die Gesellschaft verlangt noch mehr von Männern. Sie sollen den selbstbewussten, modernen Frauen Platz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einräumen und sich auch in klassischen Frauendomänen wie Haushaltsführung und Erziehung beweisen. Sie sollen, so könnte man es sehen, einen Platz an der Sonne aufgeben und sich auf Gebieten hervortun, die traditionell wenig Anerkennung finden. Es gibt aber auch eine andere Betrachtungsweise: Die einer gewaltigen Chance, dass Männer heute mehr denn je die Freiheit haben, so zu leben, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, anstatt sich im engen Rahmen eines Rollenklischees bewegen zu müssen.

 

Neue Männer hat das Land

Männer gehen in die Welt, beschützen und ernähren die Familie, treffen alle wichtigen Entscheidungen – an dieser gesellschaftlichen Regel hat jahrhundertelang kaum jemand gerüttelt, weder in Europa noch in den meisten anderen Kulturen auf der Welt. Sie galt als natürlich, und sie funktionierte. Bis die Aufklärung kam. Ende des 18. Jahrhunderts begannen die ersten Frauen, ihre „natürliche“ Stellung in der Gesellschaft anzuzweifeln. Im 19. Jahrhunderts nahm die Frauenbewegung an Fahrt auf, vor nicht einmal 100 Jahren durften Frauen das erste Mal in Deutschland wählen. Bis heute sind immer mehr gesetzliche und gesellschaftliche Hürden gefallen, die Frauen an Heim und Herd bannen sollten.

Und die Männer? Lange schien niemandem aufzufallen, dass der Aufbruch der Frauen auch am Sockel des Männerideals kratzte. Erst in den siebziger Jahren kamen Männerbewegungen auf, die Männerbild und -rolle hinterfragten.

Seitdem hat sich Einiges getan. Studien zeigen, dass sich Männer mehr denn je im Haushalt beteiligen, immerhin ein Viertel der Väter nimmt Elternzeit in Anspruch, auch Teilzeitbeschäftigungen sind unter Männern etwas beliebter geworden. Parallel dazu haben sich die Einstellungen der Männer verändert: Während die Familie immer wichtiger für sie wird, ist die Berufstätigkeit von Frauen selbst für traditionell denkende Männer mittlerweile ein alter Hut – ganz anders als noch vor 50 Jahren.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, November 2013
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