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"Lügenpresse": Kehrt das Vertrauen in die Medien zurück?

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Sprechblasen
Masse an Informationen als Herausforderung: Jeder postet etwas, aber wie trennt man Fakten von Gerüchten und Falschmeldungen?
Alleingelassen

Aber auch wenn das Medienvertrauen zumindest laut Umfragen allmählich zurückzukehren scheint: Viele Menschen fühlten sich dennoch von den Medien entfremdet. Immerhin knapp ein Viertel hat das Gefühl, dass ihnen wichtige Themen nicht ernst genommen werden, gut ein Drittel kritisiert Themen als falsch dargestellt.

Besonders jene Bürger, die unzufrieden mit der Politik und ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation sind, gehörten – zusammen mit AFD-Wählern – zu dieser Gruppe, wie die Mainzer Forscher herausfanden. Politisch Interessierte sowie Wähler der SPD und Grünen stehen dagegen eher auf der Seite der etablierten Medien und fühlen sich von ihnen weitgehend adäquat informiert.

Auch für Journalisten gibt es Regeln

Die Studie brachte noch eine erschreckende Erkenntnis zu Tage. Viele Menschen wissen gar nicht, welchen Regeln und Standards Journalisten unterliegen – vor allem unter den Skeptikern. So glaubten 38 Prozent, dass Journalisten einfach berichten dürfen, was sie wollen und es keine gesetzlichen Schranken gibt. Jeweils elf Prozent dachten dagegen, Journalisten müssten ihre Berichte von Behörden prüfen lassen oder der Staat würde sogar darüber entscheiden, wer in Deutschland Journalist werden darf.

Dass es im Journalismus durchaus ethische und handwerkliche Leitlinien gibt und dass diese in im sogenannte Pressekodex festgeschrieben sind, wissen viele Menschen der Mainzer Studie zufolge offenbar nicht. Zu diesen Regeln gehört unter anderem die Verpflichtung zur Wahrheit, Transparenz, Sorgfalt und der Achtung der Persönlichkeit – um nur einige wenige zu nennen. Etablierte Medien sind zudem verfassungsrechtlich dazu verpflichtet, unabhängig und überparteilich zu berichten. Dies soll ein vielfältiges Programm und Meinungsspektrum sicherstellen.

Nach Ansicht der Forscher könnte das Misstrauen gegenüber den Medien verringert werden, wenn mehr Menschen über diese Regularien Bescheid wüssten. Sie schlagen deshalb vor, den Menschen das journalistische Handwerk verstärkt näher zu bringen – Vertrauen durch Aufklärung.

Natürlich unterlaufen Journalisten trotz dieser Vorgaben manchmal Fehler  - auch Journalisten und Redakteure sind Menschen. Allerdings gibt es auch schwarze Schafe, die sich bewusst nicht an die Regeln halten. Doch dagegen kann man sich wehren: Verstößt ein Medium oder ein Artikel gegen die Vorgaben des Pressekodex, kann man beim Presserat eine Beschwerde einreichen.

Ein weltweites Paradox

Natürlich sind wir nicht allein auf diesem Planeten. Wie steht es also im Rest der Welt um das Medienvertrauen? Laut Edelman Trust Barometer – einer Befragung in 28 Ländern – setzt sich der Trend der Mainzer Studie weltweit fort. Demnach gewinnen Journalisten langsam das Vertrauen der Bevölkerung zurück. Gleichzeitig gelten Medien jedoch als die am wenigsten vertrauenswürdige Institution, noch hinter Unternehmen und gleichauf mit Regierungen.

Ein Paradox? Nein, denn viele Menschen zählen auch soziale Plattformen zu dem breiten Begriff "Medien". Und deren Glaubwürdigkeit nahm, ähnlich wie in Deutschland, langsam ab. Die Stimmen der Experten finden mit gutem Qualitätsjournalismus also auch weltweit wieder mehr Gehör.

YBR, 28.02.2018
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