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"Lügenpresse": Kehrt das Vertrauen in die Medien zurück?

"Lügenpresse", "Fake News", "Alternative Fakten": Diese Begriffe stehen für den Vertrauensverlust mancher Menschen in die etablierten Medien. Zunehmend in die Kritik geraten, wurden Medien in letzter Zeit immer häufiger selbst zum Thema der Berichterstattung. Laut einer Langzeitstudie der Universität Mainz ebbt die "Lügenpresse"-Hysterie jedoch langsam ab. Das Vertrauen in die Medien kehre zurück – zumindest in einige.

Pinocchiofigur mit langer Nase
Ein typischer Journalist? Neben der "Lügenpresse" schaffte es jedenfalls auch die "Pinocchio-Presse" in die Schlagzeilen.
Kurzer Rückblick: Vor zehn Jahren misstrauten nur neun Prozent der Deutschen den Medien in wichtigen Themen, wie damalige Umfragen ergaben. In den letzten Jahren jedoch ist die Presse zunehmend in das Visier vehementer Kritiker und Skeptiker geraten. Fremdenfeindliche Gruppen zogen durch die Straßen und skandierten "Lügenpresse!" und "Volksverräter!", Frauke Petry prägte den Begriff "Pinocchio-Presse".  Und der US-Präsident Donald Trump zieht in seinen Tweets fast schon regelmäßig über Journalisten und etablierte Medien wie CNN oder die Washington Post her.

Was sagen die Umfragen?

Doch wird diese Skepsis von der breiten Masse der Bevölkerung geteilt? 2016 schien es fast so: In Umfragen war der Anteil der Medienskeptiker auf 22 Prozent angestiegen. 19 Prozent waren sogar der Meinung, dass Presse und Medien die Bevölkerung systematisch belügen würden. Der einst gute Ruf selbst seriöser Medien wie Tageszeitungen oder des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hatte offensichtlich stark gelitten.

Wie aber sieht der Trend seither aus? Hat sich die Medienskepsis noch weiter erhöht oder ist sie wieder gesunken? Das haben Christian Schemer und seine Kollegen von der Universität Mainz jetzt ausgewertet. Sie stellten fest: Im Jahr 2017 ist zum ersten Mal wieder ein Rückgang in der Medienskepsis zu beobachten. Nur noch 17 Prozent der 1.200 befragten Bundesbürger äußerten in Umfragen Misstrauen gegenüber den etablierten Medien – fünf Prozent weniger als im Vorjahr. An ein systematisches Belogenwerden durch die Medien glaubten nur noch 13 Prozent. Auch der Behauptung, Politik und Medien würden Hand in Hand gegen die Bevölkerung arbeiten, schenkten weniger Menschen Glauben.

Art des Mediums entscheidend

Doch Medien sind nicht gleich Medien. So genießt die klassische Berichterstattung, wie öffentlich-rechtliches Fernsehen und Tageszeitungen, nach wie vor das Vertrauen von etwa zwei Dritteln der Gesellschaft. Das Internet hat dagegen dramatisch an Glaubwürdigkeit verloren – nur noch zehn von zuvor 24 Prozent vertrauen den Onlineangeboten.

Vor allem die Nachrichten aus sozialen Netzwerken und Videoplattformen, wie Youtube, finden nur bei zwei bis drei Prozent der Befragten ein vorbehaltloses Ohr. Etwa die Hälfte ist bei diesen Quellen jedoch hin- und hergerissen oder weiß keine Antwort – eine Unsicherheit bleibt also bestehen. Doch warum schauen die Leser online immer genauer hin? Ein Grund sei die anhaltende Debatte um "Fake News" und Hasskommentare, so die Forscher. Eine große Mehrheit von zwei Dritteln bis drei Vierteln sieht ihre Verbreitung als "echte Gefahr für die Gesellschaft" und ist der Meinung, dass der Staat Gesetze gegen sie erlassen sollte.

Tatsächlich wurde in Deutschland im Juni 2017 ein Gesetz verabschiedet, welches soziale Netzwerke in die Pflicht nimmt. Hetze und "Fake News" müssen gelöscht werden, ansonsten droht den Firmen eine Geldstrafe. Kritiker des Gesetzes, wie Reporter ohne Grenzen, sprechen jedoch von einem "Schnellschuss" und warnten vor "katastrophalen Folgen für die Meinungsfreiheit". Auch in Frankreich hat Präsident Manuel Macron ein Gesetz gefordert, das die Verbreitung von "Fake News" durch stärkere Transparenz eindämmen soll.

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YBR, 28.02.2018
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