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LEXIKON

Zypern

Ungelöster Konflikt

Nach dem Tod Makarios' 1977 wurde Spyros Kyprianou Präsident (bis 1988), der von der Türkei und den zyprischen Türken nicht anerkannt wurde. Der N der Insel erklärte sich unter Führung von Rauf Denktaş 1983 einseitig zur unabhängigen „Türkischen Republik Nord-Zypern“, was international keine Legitimation fand. In den folgenden Jahren scheiterten zahlreiche internationale Vermittlungsversuche an der kompromisslosen Haltung auf beiden Seiten. 1998 begannen EU-Beitrittsverhandlungen. 2003 öffnete die türkisch-zyprische Regierung überraschend die Grenze zwischen den beiden Inselteilen. 2004 stimmten beide Bevölkerungsgruppen in getrennten Referenden über einen UNO-Plan zur Wiedervereinigung ab (Annan-Plan). Dieser fand nur auf türkischer Seite eine Mehrheit. Am 1. 5. 2004 wurde deshalb de jure zwar der Gesamtstaat, de facto aber nur der griechische Teil unter Führung des seit 2003 regierenden Präsidenten Tassos Papadopoulos (DIKO) in die EU aufgenommen. 2005 löste Mehmet Ali Talat (CTP) Rauf Denktaş im Amt des Präsidenten von Nordzypern ab. Bei den Parlamentswahlen 2006 bestätigte die griechisch-zyprische Bevölkerung die den Annan-Plan ablehnende Regierungskoalition unter T. Papadopoulos. Dieser verlor in der Folgezeit durch seine unflexibele Haltung gegenüber der türkisch-zyprischen Führung an politischer Zustimmung. Die Präsidentschaftswahlen 2008 gewann daher Dimitris Christofias (AKEL), der neue Verhandlungen mit der türkisch-zyprischen Seite in Aussicht gestellt hatte. Die oppositionelle UBP gewann 2009 die Parlamentswahlen im türkischen Teil Zyperns. Ihr Führer Derviş Eroğlu gewann auch die Präsidentschaftswahl 2010.
Die Kreditwürdigkeit Zyperns wurde wegen der Belastung der Banken durch griechische Anleihen 2010 herabgestuft. Am 22. 5. 2011 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen die DISY mit dem Gewinn von 20 Mandaten zur stärksten Partei vor der AKEL (19 Mandate) wurde. Im Dezember 2011 versuchte Präsident Christofias durch ein Sparprogramm eine drohende Haushaltskrise abzuwenden. Um den Euro-Rettungsschirm nicht in Anspruch nehmen zu müssen, unterzeichnete Christofias am 23. 12. 2011 einen Vertrag mit Russland, der Zypern einen Kredit über 2,5 Mrd. einbrachte. Trotzdem blieb die Wirtschaftslage durch die fragile Situation des Bankensektors und die hohe Arbeitslosigkeit kritisch. Deshalb suchte das Land im Juni 2012 doch um EU-Finanzhilfe nach. Im Februar 2013 wurde N. Anastasiades (DISY) zum neuen Präsidenten der Republik Zypern gewählt. Am 16. 3. 2013 einigten sich die Euro-Gruppe und der IWF mit Zypern auf ein Rettungspaket in Höhe von 10 Mrd. . Im Gegenzug verpflichtete sich das Land u. a. zu einer Erhöhung der Unternehmenssteuer sowie der Quellensteuer auf Kapitaleinkommen, außerdem zur Erhebung einer Stabilitätsabgabe auf Einlagen in- und ausländischer Bankkunden. Diese Pläne riefen erhebliche Proteste der Bevölkerung hervor. Obwohl daraufhin Kleinsparer mit Guthaben bis 20 000  von der Stabilitätsabgabe ausgenommen wurden, lehnte das Parlament am 19. 3. 2013 die entsprechend Gesetzesvorlage ab.
  1. Einleitung
  2. Natur und Klima
    1. Sonnenreiches Mittelmeerklima
  3. Bevölkerung
  4. Bildung
  5. Staat und Politik
  6. Wirtschaft und Verkehr
    1. Sonne, Strände und archäologische Stätten
    2. Landwirtschaft und Kleinindustrie
    3. Geteiltes Verkehrsnetz
  7. Geschichte
    1. Wechselnde Herrschaften
    2. Unabhängigkeit und Teilung
    3. Ungelöster Konflikt
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