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LEXIKON

Wissenssoziologie

ein in den 1920er Jahren entstandener Zweig der Soziologie, der sich in umfassender Sicht mit der Beziehung zwischen Denkformen, Bewusstseinsinhalten und sozialen Faktoren befasst, im Einzelnen mit dem Studium der Wechselwirkungen zwischen den sozialen Strukturen und Prozessen einerseits und den festgesetzten Formen und Inhalten des Wissens sowie den ideologischen Systemen andererseits. Dabei beschränkt sich die Wissenssoziologie nicht auf den kognitiven Bereich des Wissens, sondern interessiert sich für den gesamten Bereich intellektueller Erzeugnisse wie Philosophien, Ideologien, politische Doktrinen und theologische Denkprozesse. Unter dem Einfluss mehr pragmatisch ausgerichteter Soziologen, vor allem der US-Amerikaner (z. B. R. K. Merton, T. Parsons, P. A. Sorokin, F. Znaniecki), wandte sich die Wissenssoziologie von der Tendenz ab, weit reichende hypothetische Schemata vorzulegen, und begann, sich in Bezug auf ihr Arbeitsgebiet zu spezialisieren: z. B. auf das Studium der Bedingungen für die Ausübung der wissenschaftlichen Aktivität (Wissenschaftssoziologie); auf das Studium der sozialen Gruppen, die Wissen produzieren und empfangen (Soziologie der Intellektuellen, der Sekten, der Meinung); oder der sozialen Formen des Wissens (Soziologie der Massenkommunikation). Zu den bedeutendsten Vertretern der Wissenssoziologie gehören weiterhin: K. Mannheim, M. Weber, G. Scheler, M. Halbwachs.
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