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LEXIKON

Wilhelm II. sorgt für Verstimmung

Wilhelm II. sorgt für Verstimmung
Das "Daily-Telegraph"-Interview von Kaiser Wilhelm II., erschienen am 28. Oktober 1908, das in England Verärgerung auslöst (Ausschnitte):

ihr Engländer ... seid verrückt, verrückt, verrückt wie die Märzhasen. Was ist über euch gekommen, dass ihr euch so völlig einem Argwohn überlassen habt, der einer großen Nation ganz unwürdig ist? Was kann ich mehr tun, als ich schon getan habe? Ich habe mit allem Nachdruck, der mir zu Gebote steht, in meiner Rede in der Guildhall [1907 in London] erklärt, dass das Ziel meines Herzens der Friede ist und einer der mir teuersten Wünsche, in den besten Beziehungen zu England zu leben ...

Meine Aufgabe ist keine von den leichtesten. Die vorherrschende Empfindung in großen Teilen der mittleren und unteren Klassen meines Volkes ist England nicht freundlich. Ich bin also sozusagen in einer Minderheit in meinem eigenen Land, aber sie ist eine Minderheit der besten Elemente, geradeso wie in England gegenüber Deutschland ...
Im Allgemeinen glaubt man in England, während der Dauer des südafrikanischen Krieges sei Deutschland feindlich gesinnt gewesen. Zweifellos war die öffentliche Meinung in Deutschland den Engländern feindlich - bitter feindlich. Die Presse war feindlich; die private Meinung war es. Aber wie ist es mit dem offiziellen Deutschland? ... Gerade während ihrer schwarzen Woche, im Dezember 1899, ... empfing ich einen Brief von der Königin Victoria, meiner verehrten Großmutter, der in Sorge und Kummer geschrieben war und deutliche Spuren der Angst trug ... Ich ließ mir durch einen meiner Offiziere einen möglichst genauen Bericht über die Zahl der Kämpfer auf beiden Seiten in Südafrika und über die momentane Stellung der einander gegenüberstehenden Streitkräfte beschaffen. Mit den Zeichnungen von mir, arbeitete ich einen Plan aus ... Dann sandte ich ihn eiligst nach England ...
Als merkwürdiges Zusammentreffen lassen sie mich hinzufügen, dass der von mir aufgestellte Plan dem sehr nahe kam, der wirklich von Lord Roberts angenommen und von ihm erfolgreich ausgeführt wurde ...
Aber, werden sie fragen, was ist mit der deutschen Flotte? Meine Antwort ist klar. Deutschland ist ein junges, wachsendes Reich ...
Deutschland muss eine mächtige Flotte haben ... Es kann wohl einmal geschehen, dass England selbst froh sein wird, dass Deutschland eine Flotte hat, wenn beide Länder gemeinsam auf derselben Seite ihre Stimme erheben werden in den großen Debatten der Zukunft."
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