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LEXIKON
 

Weill

Kurt Julian, amerikanischer Komponist deutscher Herkunft, * 2. 3. 1900 Dessau,  3. 4. 1950 New York; verheiratet mit Lotte Lenya; emigrierte 1935 in die USA; entwickelte für Brechts episches Theater einen neuen Typus der Bühnenmusik (insbesondere Songs) in einer Verbindung aus Elementen der Unterhaltungs- und der Kunstmusik; war in den USA vor allem für die Theater des Broadway tätig; erzielte mit der Dreigroschenoper 1928 (nach Johann Christoph Pepuschs „Beggars Opera“ von 1728 in der Bearbeitung von Bertolt Brecht) einen Welterfolg. Weitere Bühnenwerke u. a.: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ 1930; „Die Bürgschaft“ 1932; „Lady in the Dark“ 1941; „Die sieben Todsünden“ 1933 (nach Brecht); schrieb daneben Orchester-, Kammer-, Filmmusik, Vokalwerke und Lieder.
Weill, Kurt
Kurt Weill
 
 
 
  • Erscheinungsjahr: 1928
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser: Brecht, Bertolt; Weill, Kurt
  • Deutscher Titel: Die Dreigroschenoper
  • Genre: Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern nach dem Englischen des John Gay
Im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin wird am 31. August unter der Regie von Erich Engel »Die Dreigroschenoper« uraufgeführt. Den Text schrieb Bertolt Brecht (* 1898,  1956), die Musik komponierte Kurt Weill (* 1900,  1950). Das Werk wird teilweise mit Begeisterung, teilweise mit Empörung aufgenommen. Zum ersten Mal wird hier in der zeitgenössischen Oper Kritik an den herrschenden gesellschaftlichen Zuständen geübt. Die bei der Uraufführung mitwirkenden Schauspieler Lotte Lenya, Roma Bahn, Harald Paulsen, Erich Ponto und Hermann Thimig tragen wesentlich zum Erfolg der »Dreigroschenoper«, die auf die »Beggar's Opera« des englischen Lyrikers und Dramatikers John Gay aus dem Jahre 1728 zurückgeht, bei. Brecht bringt hier die Kehrseite einer Großstadt auf die Bühne: Huren, Bettler, Hinterhofexistenzen u. a., an deren Beispiel er bürgerlich-kapitalistische Vorstellungen entlarven will. Die »Dreigroschenoper« behandle, so Brecht, diese bürgerlichen Vorstellungen »nicht nur als Inhalt, indem sie diese darstellt, sondern auch durch die Art, wie sie sie darstellt. Sie ist eine Art Referat über das, was der Zuschauer im Theater vom Leben zu sehen wünscht.« In die Handlung sind meist kommentierende Songs eingebaut. Die Musik geht auf die Tradition der Bänkelsänger zurück, nimmt aber auch Elemente des Jazz und der Unterhaltungsmusik auf und verarbeitet Parodien auf Opern und Operetten. Die Lieder sind für im Gesang nicht speziell ausgebildete Schauspieler geschrieben. Es kommt Weill nicht auf schönen Gesang an, sondern auf eine dem Milieu des Stücks entsprechende Interpretation. Grosse Popularität erreicht innerhalb kurzer Zeit der Mackie-Masser-Song »Und der Haifisch, der hat Zähne«.
 
  • Erscheinungsjahr: 1932
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser: Weill, Kurt
  • Deutscher Titel: Die Bürgschaft
  • Genre: Oper in drei Akten
Der am 10. März im Deutschen Opernhaus Berlin uraufgeführten Oper »Die Bürgschaft« von Kurt Weill (* 1900,  1950) liegt ein Textbuch von Caspar Neher nach der Herder-Parabel »Der afrikanische Richtspruch« zugrunde. In freundschaftlicher Nachbarschaft leben die kleinen Geschäftsleute Johann Mattes und David Orth zusammen. Einer bürgt für den anderen, wenn es finanziell notwendig erscheint, um ihn über Wasser zu halten. Eine neue Macht übernimmt die Regierung, mit ihr kommen neue Gesetze und ein »Kommissär«, der über Leben und Tod bestimmt. Die Bürger leben nicht mehr ruhig wie einst, nur wenige passen sich der neuen Lage an. Auch Mattes und Orth müssen mit dem Strom mitschwimmen und alles Böse mitmachen. Keiner bürgt mehr für den anderen. Zuletzt wird Mattes von der aufgeputschten Volksmenge erschlagen.
 
  • Erscheinungsjahr: 1933
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser: Brecht, Bertolt; Weill, Kurt
  • Deutscher Titel: Die sieben Todsünden
  • Genre: Ballett mit Gesang
Das Ballett »Die sieben Todsünden« von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill(Musik) wird am 7. Juni im Théâtre des Champs-Elysées in Paris uraufgeführt. Die Choreografie leitet George Balanchine, die Ausstattung besorgte Caspar Neher. Brecht stellt in diesem Stück die Scheinheiligkeit bürgerlicher Moral bloß: Der Bürger will fleißig sein und ein Häuschen bauen, dabei ist ihm jedes Mittel recht, wenn nur nicht so große oder so viele Verbrechen geschehen, dass es auffällt. Lotte Lenya ist die Anna II. der Uraufführung, Lilly Losch die Anna II. Das Bühnenbild Nehers zeigt um das Szenenrund sieben mit Papier bespannte Bogen. Anna II durchtanzt diese Bogen, wobei sie die Bespannung zerreißt; die sieben Bogen stehen für die sieben »Todsünden« der Kleinbürger (Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht, Neid).
 

 

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