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LEXIKON

Wasserkunst

alle künstlich geschaffenen Wasseranlagen, die der Verschönerung von Gärten und Parks dienen, indem sie sich mit technisch-automatischen Einrichtungen die Beweglichkeit des Wassers zu Nutze machen, z. B. Fontänen, Kaskaden, Wasserspiele.
Der durch ein weit verzweigtes Leitungssystem gesicherte Wasserreichtum des antiken Rom ermöglichte die Ausstattung des Peristyls im Privathaus mit Wasserbecken, Kanälen und Schalenbrunnen. Die römischen Villen besaßen vielfach größere Wasseranlagen. In der orientalisch-islamischen Gartengestaltung spielen Wasseranlagen eine dominierende Rolle (Granada, Alhambra), während das Mittelalter nur Mehrschalen- und Stockbrunnen (Maulbronn) sowie Wasserbecken in Kloster- und Bürgergärten kannte. Renaissance und vor allem Barock brachten die Blütezeit des Figurenbrunnens, dessen meist der antiken Meeresmythologie entnommene Gestalten selbst zu Spendern der Wasserstrahlen wurden. Die hervorragendsten Werke schufen A. de Vries (Herkulesbrunnen in Augsburg), H. Gerhard (Augustusbrunnen in Augsburg), R. Donner (Mehlmarktbrunnen in Wien); in Italien G. da Bologna (Neptunsbrunnen in Bologna) und G. L. Bernini (Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona) und N. Salvi (Fontana di Trevi in Rom).
Alhambra: Löwenhof
Löwenhof der Alhambra
Blick in den Löwenhof der Alhambra, der seinen Namen von den zwölf stilisierten Löwen erhielt, die den Brunnen in der Mitte des Hofes tragen.
Mit der italienischen Renaissance entstanden auch die weit verzweigten Wasserkunstanlagen, die nun über ausgeklügelte mechanische Systeme verfügen (Garten der Villa dEste in Tivoli mit Kaskaden, Terrassen, Fontänen und Wasserspielen). Im Gegensatz zu den italienischen Terrassengärten enthalten die planen Barockparks Frankreichs Kanäle, Becken und Fontänen, z. B. der Park von Versailles (seit 1661), mit riesigen Bassins, Springbrunnen, Thetisgrotte, Wassertheater aus Fontänen und Miniaturkaskaden. Die deutsche Wasserkunst des Barocks schloss sich weitgehend französischen Vorbildern an (Nymphenburg, Sanssouci, Schleißheim u. a.), verband aber auch französische mit italienischen Elementen (Kaskade, Becken und Brunnen in Kassel-Wilhelmshöhe).
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