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LEXIKON

Volkspoesie

Volksdichtung
Formeln und Formen literarischer und sprachlich-inhaltlicher Überlieferungen im Bereich der populären Kultur. Neben den umfangreicheren Erzählformen wie Märchen, Sage, Legende, Schwank und Anekdote sowie szenischen und musikalischen Formen wie Schauspiel (Volksschauspiel) und Lied (Volkslied) gehören dazu auch kleine Sprachformeln und Sprachspiele wie Rätsel, Witz, Spruch, Inschrift, Sprichwort, Kultformeln (Gebet, Zauberspruch, Beschwörungsformel) und Rhythmusformeln, die bestimmten Arbeitsrhythmen entsprechen.
Die Bezeichnung Volkspoesie, die zuerst bei J. G. Herder erscheint, ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts; das schon damals betonte Merkmal der angeblichen Anonymität der Volkspoesie spielt jedoch bis heute eine Rolle. Besonders am Beispiel des Märchens wurden die Fragen der Herkunft und Entstehung von Volkspoesie untersucht. Manche meinten, die Märchenmotive stammten aus einer gemeinsamen Urkultur (Erbtheorie); andere dachten an gleichzeitige und doch voneinander unabhängige Entstehung an vielen Orten (Elementartheorie); besonders viel scheint für die Wandertheorie zu sprechen, die eine weite Verbreitung ähnlicher Motive durch interkulturellen Austausch erklärt.
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