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LEXIKON

Textkritik

Philologie
die wissenschaftliche Methode, den ursprünglichen Wortlaut eines Textes möglichst einwandfrei zu sichern, besonders erforderlich bei antiken und mittelalterlichen Schriften, die im Original verloren sind und von denen oft mehrere (z. T. voneinander abweichende) Abschriften überliefert sind. Zuerst werden alle erhaltenen Handschriften gesammelt und auf Alter, Herkunft und Zuverlässigkeit geprüft (Rezension); dann werden die offensichtlichen Schreibfehler ausgebessert; in der älteren Textkritik werden anschließend Textstellen, von denen der begründete Verdacht besteht, dass sie vom Original abweichen, sorgfältig korrigiert; Lücken in den Handschriften werden sinngemäß ergänzt (Konjektur). Die neuere Textkritik bemüht sich weniger darum, ein Original zu rekonstruieren, da sie davon ausgeht, dass es u. U. von Anfang an mehrere Fassungen gegeben hat, sondern zeichnet vor allem die Überlieferungswege der Varianten nach und interpretiert die vorgenommenen Veränderungen. Bei neueren Schriften besteht die Aufgabe der Textkritik in erster Linie darin, die handschriftlichen Entwürfe und frühere Druckfassungen mit dem endgültigen Wortlaut zu vergleichen. Die textkritisch durchgesehene Ausgabe einer Schrift wird als kritische Ausgabe bezeichnet. Sie enthält in einem kritischen Apparat eine Sammlung der voneinander abweichenden Fassungen (Lesarten, Varianten) einer Textstelle und Hinweise auf die vom Herausgeber vorgenommenen textkritischen Eingriffe.
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