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LEXIKON

Tertiär: Eozän

Vor 5536 Mio. Jahren: Das Eozän

5550 Mio.

In vielen Faunen Amerikas und Europas stellen die »Urhuftiere« oder Condylarthra mit zahlreichen Arten rund 25% aller Säugetiere. Aus ihnen entwickeln sich die beiden großen Gruppen der Huftiere (Ungulaten): Die Paarhufer (Artiodactyla, und die Unpaarhufer (Perissodactyla). Erstere sind zunächst durch die Schweineartigen und frühen Kamele vertreten, letztere durch Flusspferdeartige (Hippomorpha), Ancyclopoda und Ceratomorpha.
In Nordamerika leben erstmals Verwandte der Spitzmäuse. Die Spitzmausartigen (Soricomorpha) gehören zu den Insektenfressern, die zwar den Mäusen ähneln, mit diesen aber nicht verwandt sind. Heute kommen sie u.a. noch mit der winzigen Etruskerspitzmaus vor, den wohl kleinsten rezenten Säugetieren.
Mit Formen, die zu aktivem Steigflug in der Lage sind, erobern die Säugetiere den Luftraum. Als erste Fledertiere (Chiroptera) erscheinen die Fledermäuse (Microchiroptera) in Nordamerika und Europa mit Formen, die den heute lebenden Arten schon weit gehend ähneln.

5536 Mio.

Das Klima ist auf der ganzen Erde ausgeglichen. Weltweit bleibt es warm, wird aber zunehmend feuchter. Die globale Durchschnittstemperatur liegt bei 20 °C, vor allem in den hohen Breiten deutlich darüber. Die Palmennordgrenze reicht bis hinauf nach New Jersey und in die Mongolei.
Die Ausdehnung der Ozeanböden, vor allem des Atlantik, setzt sich beschleunigt fort. Außerdem beginnt die Norddrift Australiens, die die spätere Gestalt des Indischen Ozeans maßgeblich beeinflusst.
Mehrere hervorragende Fossillagerstätten entstehen in Nordamerika, darunter die Fundstätten von Fossil Butte in Wyoming und John Day Fossil Beds in Oregon. Neben Wirbellosen und einer reichen Flora versteinern hier vor allem zahlreiche Fische, Frösche, Schildkröten, Echsen, Schlangen, Krokodile, Vögel und verschiedene Säugetiere.
Am Monte Bolca bei Verona in Norditalien bildet sich eine der bedeutendsten Lagerstätten fossiler Meeresfische. Zum größten Teil handelt es sich um tropische Arten.
Die erste Entwicklungsexplosion (Radiation) der Landraubtiere (Fissipedia), einer Unterordnung der »echten« Raubtiere (Carnivora), setzt in Nordamerika, Europa und Asien ein. Die Tiere leiten sich von den Insektenfressern ab.
In Afrika und Asien erscheinen erste Rüsseltiere. Sie entstehen vermutlich aus primitiven Huftieren, die in Indien leben.
In diese Zeit fällt eine bedeutende Weiterentwicklung der Säugetierordnung Nagetiere (Rodentia). Dabei erscheinen drei neue Unterordnungen.
In der Alten und Neuen Welt kommen in Gestalt von Halbaffen zahlreiche frühe Primatenarten vor.
Als Verwandte früher Huftiere erscheint die Säugetierordnung Hyracoidea. Dabei handelt es sich um Pflanzen fressende Tiere unterschiedlicher Gestalt und Größe, als deren späte Nachfahren die Schliefer bzw. Klippschliefer Afrikas und des Mittleren Ostens zu betrachten sind.
Mit drei Unterordnungen treten in Nordamerika und Europa erste Unpaarhufer (Perissodactyla) auf.
Die Säugetiere entwickeln Formen, die sich dem Leben im Meer anpassen. Erste Wale (Cetacea) sind Vertreter der Gattung Pakicetus, die zu den Urwalen (Archaeoceti) zählen.
In den weit verbreiteten tropischen Wäldern dieser Zeit leben erstmals Termiten (Isoptera).
Begünstigt durch die weltweit vorhandenen tropischen Urwälder, setzt eine bedeutende Weiterentwicklung der Vögel sowohl hinsichtlich der Artenzahl (Radiation) als auch der Individuenzahl ein. Dabei erscheinen auch zahlreiche Spezialformen (Laufvögel, Schwimmvögel, Greifvögel usw.).
Die Unterklasse Hinterkiemer (Opischobranchia) der Meeresschnecken bringt mehrere neue Ordnungen hervor, darunter Formen mit einem zweiklappigen Gehäuse (Sacoglossa).
Erstmals sind die Einzellerunterordnungen Discoasterineae und Euglenineae fossil belegt.
Mit einer Vielzahl von Gattungen und Individuen tritt die Ordnung Volvocales auf, ölbildende Einzeller vom Stamm Chlorophyta.
Die Bedecktsamer erleben einen bedeutenden Zuwachs neuer Arten.

Um 50 Mio.

In einem ersten Kollisionsstoß trifft der nach Norden driftende vorderindische Subkontinent mit Asien zusammen. Etwa zeitgleich rückt auch die Afrikanisch-Arabische Tafel gegen Eurasien vor.

5040 Mio.

In Messel bei Darmstadt verlandet ein tropischer Urwaldsee. In seinen sauerstofffreien Bodensedimenten fossilisiert neben vielen Pflanzen vor allem eine Fülle von Tieren in hervorragender Konservierung. Von besonderer Bedeutung sind die hier erhaltenen Urpferdchen, Fledermäuse, zahlreiche Insektenfresser sowie Urraubtiere und »echte« Raubtiere (Carnivoren).
Eine Unterordnung der Zahnarmen (Xenarthra), die Ameisenfresser (Vermilingua), lebt in Mitteleuropa (Deutschland). Sie ist hier mit der Familie der Ameisenbären (Myrmecophagidae) vertreten, die sonst nur in Südamerika heimisch ist.

5036 Mio.

Erste Vertreter der Paarhufer (Artiodactyla) entwickeln sich aus den Urhuftieren.

4845 Mio.

Im Geiseltal bei Halle an der Saale entsteht in einer tropischen Sumpfwaldregion eine der bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt. Hervorzuheben sind die hervorragend z.T. farbig versteinerten Prachtkäfer, daneben viele andere Wirbellose, Tausende fossiler Fische und Hunderte von Landwirbeltieren. Besonders häufig finden sich fossile Amphibien und Reptilien sowie Vögel tropischer Feuchtbiotope.

4540 Mio.

Mächtige Kalksedimente (»Calcaire grossier«) lagern sich in einem flachen Warmwassermeer im Pariser Becken ab und schließen z.T. gut erhaltene Wirbeltierfossilien zahlreicher Arten ein.

Um 40 Mio.

Tausende von Landwirbeltieren, meist Säugetiere, geraten bei Egerkingen in der Schweiz in eine Fossilfalle. Sie kommen in einer Karstspalte ums Leben und fossilisieren in großer Zahl. Vertreten sind u.a. Pferde- und Tapirvorfahren sowie Paarhufer, Fleischfresser und Primatenarten.

4030 Mio.

Südwestlich von Kairo entsteht in der Fayum-Senke eine Fossillagerstätte von besonderem entwicklungsgeschichtlichen Interesse. Zu den Fayum-Fossilien gehören erste Rüsseltiere, frühe Huftiere, erste Wale, Fleischfresser und Reptilien. Auch erste Primatenüberreste versteinern hier.
Im westschweizerischen Kanton Glarn lagert sich der so genannte Glarner Fischschiefer ab, in dem zahlreiche Fische verschiedener Gattungen vor allem der Knochenfische fossilisieren.

Um 36 Mio.

In dieser Zeit sind in der Tiefsee so genannte Sedimentationslücken, d.h. Ausfälle von Ablagerungsschichten, weit verbreitet.
Eine große Welle des Artensterbens betrifft besonders stark die Säugetierfauna Westeuropas. Zugleich erscheinen zahlreiche neue Säugetierfamilien. Dieser so genannte Faunenschnitt ist als »Grande Coupure« (französisch: »Großer Schitt«) bekannt.
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