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LEXIKON

Tavini

Brüder Taviani
italienische Filmregisseure und -autoren (Paolo, * 8. 11. 1931 San Miniato; Vittorio, * 20. 9. 1928 San Miniato); schufen gemeinsam politische und gesellschaftskritische Kurz- und Spielfilme: „Die Subversiven“ 1967; „Mein Vater, mein Herr“ 1977; „Die Wiese“ 1979; „Die Nacht von San Lorenzo“ 1982; „Kaos“ 1984; „Nachtsonne“ 1990; „Tu ridi“ 1998; „Das Haus der Lerchen“ 2007; „Cäsar muss sterben“ 2012.
  • Deutscher Titel: Die Subversiven
  • Original-Titel: I SOVVERSIVI
  • Land: Italien
  • Jahr: 1967
  • Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Drehbuch: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Kamera: Gianni Nazisi, Giuseppe Ruzzolini
  • Schauspieler: Ferruccio De Ceresa, Lucio Dalla, Giorgio Arlorio, Giulio Brogi
Im Jahr 1964 stirbt der Führer der italienischen Kommunisten, Togliatti. Das Ereignis gab Anstoß für einen Film, der die Reaktionen von vier fiktiven Personen auf den Tod beobachtet von Trauer und Hoffnungslosigkeit bis zur Reflexion über das eigene Leben. Die Parteifunktionärsehefrau Giulia bekennt sich zu ihrer lesbischen Identität, der venezolanische Emigrant Ettole kehrt als Revolutionär in seine Heimat zurück, der Fotograf Ermanno hadert mit dem Leben, und der Filmregisseur Ludovico versucht, den Künstler Leonardo da Vinci zu verstehen.
In ihrem Film zeigen die Brüder Taviani ohne falsches Pathos das kunstvoll ausgebreitete Spektrum der zweifelnden italienischen Linken zwischen Resignation und Neuanfang.
  • Deutscher Titel: Mein Vater, mein Herr
  • Original-Titel: PADRE PADRONE
  • Land: Italien
  • Jahr: 1977
  • Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Drehbuch: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Kamera: Mario Masini
  • Schauspieler: Omero Antonutti, Saverio Marioni, Marcella Michelangeli, Fabrizio Forte
  • Auszeichnungen: Goldene Palme 1977
Der autobiografische Roman des Linguistik-Professors Gavino Ledda dient den Brüdern Taviani als Vorlage für »Mein Vater, mein Herr«. Ihr hochgelobter und detailgenauer Film erzählt in dokumentarischem Stil von der Situation der sardischen Bergbauern, von ihrer Armut und der Gewalt in den Familien.
Der kleine Gavino wird von seinem Vater aus der Schule genommen, weil er als Ältester die Schafe hüten soll, Gavino wagt es kaum, sich dagegen aufzulehnen. Zaghafte Ausbruchsversuche werden gnadenlos bestraft. Mit 20 Jahren, nach 14 Jahren Einsamkeit in den Bergen, kommt Gavino zum Militär, wo für ihn ein neues Leben beginnt. Er lernt Lesen und Schreiben, holt alle Schulabschlüsse nach, besucht die Universität und wird Professor.
  • Deutscher Titel: Die Nacht von San Lorenzo
  • Original-Titel: LA NOTTE DI SAN LORENZO
  • Land: Italien
  • Jahr: 1982
  • Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Drehbuch: Paolo Taviani, Vittorio Taviani, Giuliani D. De Negri, Tonino Guerra
  • Kamera: Franco Di Giacomo
  • Schauspieler: Omero Antonutti, Margarita Lozano, Claudio Bigagli
  • Auszeichnungen: Spezialpreis der Jury Filmfestspiele Cannes 1982 für Film
1944 fürchten die Einwohner in einer kleinen Stadt in der Toskana um ihr Leben. Auf Befehl der Deutschen sollen sie sich in der Kathedrale des Ortes versammeln. Während der Priester in blindem Vertrauen seine Gemeinde auffordert, dem Befehl Folge zu leisten, gruppiert sich um den Bauern Galvano eine Anzahl von Leuten, die den Deutschen misstrauen. Sie machen sich auf den Weg, um den US-amerikanischen Truppen entgegenzugehen. Die Zurückgebliebenen fallen einem Anschlag der Deutschen zum Opfer.
Vor Beginn der Dreharbeiten reisten die Brüder Taviani durch die Toskana, um mit Augenzeugen der letzten Kriegsphase zu sprechen und deren Aussagen zur Basis ihrer Verfilmung zu machen. Mit zum Teil märchenhaften Gestaltungselementen entwickeln die Regisseure ein differenziertes Panorama menschlicher Empfindungen.
  • Deutscher Titel: Kaos
  • Original-Titel: KAOS
  • Land: Italien
  • Jahr: 1984
  • Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
  • Drehbuch: Paolo Taviani, Vittorio Taviani, Tonino Guerra, nach einer Kurzgeschichtensammlung von Luigi Pirandello
  • Kamera: Giuseppe Lanci
  • Schauspieler: Margarita Lozano, Claudio Bigagli, Massimo Bonetti
Die Brüder Taviani verfilmen vier Erzählungen von Luigi Pirandello, die in der ländlichen Welt Siziliens angesiedelt sind. Verknüpft werden die Episoden durch den fliegenden Vogel. Er trägt nicht nur die Handlung, sondern hat auch eine symbolische Bedeutung. Die Gebrüder Taviani thematisieren das menschliche Zusammenleben, die gegenseitige Entfremdung und die Vergänglichkeit des Bestehenden. Darüber hinaus geht es aber auch um Zuneigung und Wärme, die bei allen Verlusten dennoch möglich sind. Die Geschichten werden zwar vor einem volkstümlichen Hintergrund erzählt, die philosophische Dimension bleibt aber immer gegenwärtig.
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