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LEXIKON

Syrien

Mandatszeit und Unabhängigkeit

Im 1. Weltkrieg besetzten britische Truppen das Land, das infolge des Sykes-Picot-Abkommens 1920 französisches Völkerbundsmandat wurde. 1946 erlangte das Land die volle Souveränität. 1958 schloss es sich mit Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen (bis 1961). 1963 kam die Baath-Partei an die Macht. Im Sechstagekrieg 1967 gegen Israel verlor Syrien die Golanhöhen. 1970 übernahm General Hafez Al Assad die Macht. 1976 griffen syrische Truppen in den libanesischen Bürgerkrieg ein. Syrien wurde dort zur Besatzungs- und Ordnungsmacht. 2000 starb Staatspräsident Assad. Die Bevölkerung bestimmte in einem Referendum seinen Sohn Bashar Al Assad zum neuen Staatsoberhaupt. Hoffnungen auf eine Demokratisierung erfüllten sich nicht. Auf internationalen Druck hin zog Syrien 2005 seine Truppen aus Libanon ab. 2006 erfolgte die Wiederaufnahme der seit 1982 unterbrochenen diplomatischen Beziehungen mit Irak. 2007 wurde Assad per Referendum im Präsidentamt bestätigt. Er war der einzig zugelassene Kandidat. 2008 vereinbarten Libanon und Syrien die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Von der Türkei vermittelte Verhandlungen mit Israel wurden im Januar 2009 aufgrund des Krieges im Gazastreifen abgebrochen. Im selben Jahr verbesserten sich die Beziehungen zu Saudi-Arabien (Staatsbesuch von König Abdallah). Die syrische Führung lavierte in der Folgezeit zwischen einer Annäherung an den Westen und ihrer Loyalität zu den schiitischen Verbündeten: der Hisbollah und Iran. Die USA verlängerten 2010 die 2004 gegen Syrien verhängten Wirtschaftssanktionen.
Nach dem Vorbild anderer arabischer Länder entstand 2011 auch in Syrien eine Protestbewegung. Bei Zusammenstößen zwischen regierungskritischen Demonstranten und Sicherheitskräften gab es im März/April 2011 in mehreren Städten zahlreiche Tote und Verwundete. Um die Proteste einzudämmen, kündigte die Regierung im April 2011 an, die seit 1963 geltenden Notstandsgesetze aufzuheben. Gleichwohl setzten sich die Unruhen fort, und das Regime ging mit militärischer Gewalt und systematischen Säuberungsaktionen gegen Demonstranten vor. Besonders aus dem Nordwesten des Landes flohen Tausende über die Grenze in die Türkei. Teile der Opposition bildeten im August 2011 in der Türkei einen »Syrischen Nationalrat«. Der militärische Widerstand organisierte sich in der »Freien Syrischen Armee«. Im November 2011 suspendierte die Arabische Liga die Mitgliedschaft Syriens. Während die EU und die USA mehrfach Sanktionen gegen das Land verhängten, verhinderten China und Russland im UN-Sicherheitsrat ein Sanktionsregime der Vereinten Nationen gegen die Assad-Regierung, die am 26. 2. 2012 ein umstrittenes Verfassungsreferendum durchführen ließ. Ein Friedensplan des UN-Sondergesandten K. Annan fand nach abschwächenden Modifikationen im März 2012 im Sicherheitsrat auch die Unterstützung Chinas und Russlands. Die nach diesem Plan ab 12. 4. 2012 geltende Waffenruhe blieb brüchig, immer wieder kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen. Gleichwohl ließ das Regime am 7. 5. 2012 Parlamentswahlen auf Basis der neuen Verfassung abhalten. In der Folgezeit eskalierte die Gewalt zum blutigen Bürgerkrieg. Den Rebellen gelang es, verschiedene Städte und Regionen unter Kontrolle zu bringen, obwohl die Regierungsstreitkräfte zunehmend schwere Artillerie und die Luftwaffe einsetzten. Der Bürgerkrieg brachte das wirtschaftliche und zivile Leben im Lande zum Erliegen. Nach UN-Angaben fielen den Auseinandersetzungen bis Anfang März 2013 rd. 70 000 Menschen zum Opfer, rd. eine Million Syrer waren ins Ausland geflohen.
  1. Einleitung
  2. Natur und Klima
  3. Bevölkerung
  4. Staat und Politik
  5. Wirtschaft und Verkehr
  6. Geschichte
    1. Frühgeschichte und osmanische Herrschaft
    2. Mandatszeit und Unabhängigkeit
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