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LEXIKON

Staudte

Wolfgang, deutscher Filmregisseur, * 9. 10. 1906 Saarbrücken,  19. 1. 1984 Zigarski (Jugoslawien); drehte bei der DEFA „Die Mörder sind unter uns“ 1946; „Rotation“ 1949; „Der Untertan“ 1951; seit 1956 in der Bundesrepublik Deutschland. Weitere Filme: „Rosen für den Staatsanwalt“ 1959; „Die Herren mit der weißen Weste“ 1970; „Zwischengleis“ 1978 u. a.
Staudte, Wolfgang
Wolfgang Staudte
  • Deutscher Titel: Die Mörder sind unter uns
  • Original-Titel: DIE MÖRDER SIND UNTER UNS
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1946
  • Regie: Wolfgang Staudte
  • Drehbuch: Wolfgang Staudte
  • Kamera: Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann
  • Schauspieler: Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Arno Paulsen, Erna Sellmer
Dr. Mertens kehrt nach dem Krieg in seine Heimatstadt Berlin zurück. Vergeblich versucht er, in ein normales Leben zuruckzufinden. Er kann die Bilder von Massenerschießungen in Polen nicht vergessen, deren Zeuge er war. Seine Schuldgefühle schlagen in Agressivität um, als er den damals verantwortlichen Offizier Brückner wiedersieht. Brückner lebt als wohlhabender Fabrikant in der Trümmerstadt. Mertens will den Kriegsgewinnler erschießen, doch seine Freundin, eine ehemalige Insassin eines Konzentrationslagers, hält ihn zurück.
Staudtes pessimistisches Nachkriegsdrama ist der erste nach Kriegsende in Deutschland hergestellte Film. Er entstand auf dem Filmgelände der DEFA und wurde von den sowjetischen Besatzungsorganen zensiert. Ursprünglich sollte Dr. Mertens Brückner tatsächlich umbringen, aber die sowjetischen Zensoren verboten die Propagierung der Selbstjustiz.
Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Produktionen der Nachkriegszeit setzt sich Regisseur Wolfgang Staudte ernsthaft mit der Schuldfrage auseinander.
  • Deutscher Titel: Rotation
  • Original-Titel: ROTATION
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1949
  • Regie: Wolfgang Staudte
  • Drehbuch: Wolfgang Staudte, Fritz Staudte, Erwin Klein
  • Kamera: Bruno Mondi
  • Schauspieler: Paul Esser, Irene Korb, Reinhold Bernt, Karl-Heinz Deickert
Der Arbeiter Hans Behnke (Paul Esser) soll gegen Kriegsende wegen politischen Engagements von SS-Schergen erschossen werden. Im Augenblick seines scheinbar bevorstehenden Todes lässt er die vergangenen 20 Jahre Revue passieren: Arbeitslos muss er mit ansehen, wie seine Frau Lotte (Irene Korb) und sein Sohn Helmut (Karl-Heinz Deickert) in der Wirtschaftskrise der beginnenden 30er Jahre Hunger leiden. Als er beim »Völkischen Beobachter« eine Stelle findet, fasst er Sympathie zum Nationalsozialismus. Er passt sich an und verschließt vor dem alltäglichen Unrecht die Augen. Helmut tritt in die Hitler-Jugend ein und wird ein überzeugter Nazi. Als ein Freund Behnkes aus politischen Gründen ermordet wird, wandelt sich dessen Einstellung. Er engagiert sich gegen die Diktatur, wird aber von seinem Sohn denunziert. Der nachdenkliche Film über das Versagen eines unpolitischen Kleinbürgers endet versöhnlich: Behnke wird von der Roten Armee gerettet und verzeiht seinem Sohn. Wolfgang Staudtes Film wäre in den westlichen Besatzungszonen nicht mehr möglich gewesen und wurde von der DEFA realisiert.
  • Deutscher Titel: Der Untertan
  • Original-Titel: DER UNTERTAN
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1951
  • Regie: Wolfgang Staudte
  • Drehbuch: Fritz Staudte, Wolfgang Staudte, nach einem Roman von Heinrich Mann
  • Kamera: Robert Baberske
  • Schauspieler: Werner Peters, Renate Fischer, Sabine Thalbach, Paul Esser
Diederich Heßling ist ein autoritätshöriger Verfechter konservativen Denkens in der Kaiserzeit. Schon in der Kindheit durch die lieblose Strenge seines Vaters für das Leben geprägt, kehrt Heßling als Erwachsener seine reaktionäre Gesinnung mit Inbrunst und Leidenschaft nach außen. Die Heirat mit einem Mädchen lehnt er ab, weil sie nicht mehr »ehrbar« in die Ehe geht dies allerdings durch ihn. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er dessen Fabrik und leitet sie mit einer Härte, die bald die Unzufriedenheit der Arbeiter provoziert. Es gelingt Heßling schließlich, sich durch Denunziantentum und Anbiedern an den richtigen Stellen zum Stadtverordneten hochzudienen. Er heiratet wohl überlegt die vermögende Guste und erlebt bei der Hochzeitsreise den berauschenden Höhepunkt seines bisherigen Lebens: Er darf demütiger Zeuge einer Kaiserparade werden. Nun setzt sich Heßling für den Bau eines Kaiserdenkmals in seiner Stadt ein. Am Tag der Enthüllung werden die versammelten Gäste durch einen Wolkenbruch vertrieben. Heßling bleibt als Einziger, völlig durchnässt, vor dem Denkmal stehen.
Wolfgang Staudte gelingt mit seiner bissigen Heinrich-Mann-Verfilmung eine brilliante Satire auf Untertanengeist und Doppelmoral des wilhelminischen Zeitalters. Die international anerkannte und ausgezeichnete DEFA-Produktion bleibt in der Bundesrepublik sechs Jahre lang verboten, ehe sie 1957 zugelassen wird in einer gekürzten Fassung und mit einem relativierenden Vorspann versehen. Trotzdem erntet sie wütende Reaktionen von der westdeutschen Filmkritik.
  • Deutscher Titel: Rosen für den Staatsanwalt
  • Original-Titel: ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1959
  • Regie: Wolfgang Staudte
  • Drehbuch: Georg Hurdalek
  • Kamera: Erich Claunigk
  • Schauspieler: Martin Held, Walter Giller, Ingrid van Bergen, Camilla Spira, Paul Hartmann
Jahre, nachdem der ehemalige Nazi-Kriegsgerichtsrat Schramm (Martin Held) wegen zwei gestohlener Tafeln Schokolade das Todesurteil über Rudi Kleinschmidt (Walter Giller) ausgesprochen hat, treffen sich die beiden Männer wieder. Kleinschmidt war damals aus Zufall nicht hingerichtet worden und arbeitet jetzt als Straßenhändler. Schramm ist wieder ein angesehener Oberstaatsanwalt, dem das Bekanntwerden seiner damaligen Amtsausübung sehr ungelegen käme. Er versucht, Kleinschmidt zu schikanieren, damit er von sich aus das Weite sucht. Doch der sinnt auf Rache. Er stiehlt zwei Tafeln Schokolade, wird dafür vor Gericht gestellt und erzwingt so eine Begegnung. Schramm dreht unter dem Druck beim Prozess durch und beantragt die Todesstrafe. Nun erzählt Kleinschmidt seine Geschichte, woraufhin dem Staatsanwalt der Prozess gemacht wird.
Abgesehen von einigen störenden Details, die diese Tragikomödie auf Druck der Produzenten verniedlichen, spiegelt der Film die bittere Wahrheit im Deutschland der Nachkriegszeit wider.
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