wissen.de
Total votes: 59
LEXIKON

spanische Philosophie

Sammelbezeichnung für philosophische Strömungen im spanischen Sprachraum; von einer eigentlichen spanischen Philosophie kann man erst seit der Verbreitung arabischen und jüdischen Gedankenguts durch in Spanien lebende Araber und Juden reden. Der Araber Averroës und die spanischen Juden Gabirol (Avicebron) und Maimonides haben die arabische Wissenschaft an die scholastische Philosophie vermittelt. Die wichtigsten Scholastiker in Spanien waren R. Llull (Raimundus Lullus) und vor allem der wirkungsmächtige Petrus Hispanus, der spätere Papst Johannes XXI. Renaissance und Gegenreformation sind vertreten durch J. L. Vives und Ignatius von Loyola, den Schöpfer des Jesuitenordens. Im 16. Jahrhundert erfuhr die spanische Scholastik einen Aufschwung und wurde durch den Jesuiten F. Suárez zum Wegbereiter des Neuthomismus sowie der deutschen Schulphilosophie des 17. und 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wirkten konservative Denker wie J. Balmes und J. M. Donoso Cortés im Sinne eines orthodoxen und politischen Katholizismus. Daneben machten sich deutsche Einflüsse (Kant und Hegel, vor allem aber K. C. F. Krause) bemerkbar. Im 20. Jahrhundert setzte sich eine selbständige, an die spanischen dichterischen Traditionen anknüpfende Lebensphilosophie mit M. de Unamuno und J. Ortega y Gasset durch.
Total votes: 59