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LEXIKON

Sie küssten und sie schlugen ihn

  • Deutscher Titel: Sie küssten und sie schlugen ihn
  • Original-Titel: LES QUATRE CENTS COUPS
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1959
  • Regie: François Truffaut
  • Drehbuch: François Truffaut, Marcel Moussy
  • Kamera: Henri Decae
  • Schauspieler: Jean-Pierre Léaud, Albert Rémy, Claire Maurier, Guy Decomble
  • Auszeichnungen: Filmfestspiele Cannes 1959 für Regie
François Truffauts erster abendfüllender Spielfilm »Sie küssten und sie schlugen ihn« bedeutet mit dem Gewinn des Regiepreises in Cannes 1959 den sofortigen Durchbruch. Auch beim Publikum findet er große Resonanz.
Der 14-jährige Antoine (Jean-Pierre Léaud) wird von seiner Umwelt als »schwieriges« Kind beurteilt. In der beklemmenden Enge der elterlichen Wohnung sieht sich Antoine einem schwächlichen Vater und einer verständnislosen Mutter gegenüber, die sich für ihr Kind kaum interessieren. Durch Zufall überrascht Antoine eines Tages seine Mutter mit ihrem Geliebten. Sein Schock darüber weicht bald Pragmatismus: Mit seinem Wissen kann er bei der Mutter kleine Ziele durchsetzen.
In der Schule fühlt Antoine sich ebenso wenig aufgehoben. Derart haltlos, schwänzt der Junge mehrmals die Schule und begeht kleinere Delikte, die ihn in neue Konflikte mit den Erwachsenen stürzen. Nach dem Diebstahl einer Schreibmaschine wird er von seinen Eltern in ein Heim abgeschoben. Dort ist es nicht besser als zu Hause: Antoine flieht an Meer.
Als Filmkritiker der französischen Zeitschrift »Cahiers du Cinéma« forderte Truffaut einst, dass der Regisseur nur das verfilmen sollte, was seinen eigenen lebensgeschichtlichen Erfahrungen entspricht. Nur darüber könne er etwas aussagen. Entsprechend bezieht sich Truffaut in seinem Film deutlich auf seine eigene Jugend.
Um geeignete Darsteller zu finden, machte er Probe-Aufnahmen von Jugendlichen: Jean-Pierre Léaud schien ihm aufgeweckt und motiviert. Wie sich an Léauds späterer Filmkarriere zeigt, lag Truffaut mit dieser Einschätzung richtig. Den jungen Antoine Doinel spielt Léaud mit einer Natürlichkeit, die größtmögliche Authentizität perfekt übermittelt. Sein Debüt eröffnet einen fünfteiligen Zyklus, der Antoines Lebensweg verfolgt.
Kritiker meinen, dass Truffauts Film als Vertreter der »Nouvelle Vague« deren Anspruch von Lebendigkeit und persönlichem Gehalt in Form und Inhalt am besten einlöst. Der gleichzeitige Erfolg von Godards »Außer Atem« (1960) und Alain Resnais„ »Hiroshima mon amour« (1959) sichert den Regisseuren der »Nouvelle Vague« zahlreiche Projekte. Truffaut, Godard, Rivette, Resnais, Chabrol, Varda, Malle, Rohmer und Melville die meisten arbeiteten bei »Cahiers du Cinéma« mit sind die wichtigsten Vertreter der neuen Welle im französischen Film. Ihnen gemeinsam ist ihr Streben nach persönlichem Inhalt und Stil. Formal zeichnen sich viele der »Nouvelle-Vague«-Filme durch einen improvisiert dokumentarischen Charakter aus.
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