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LEXIKON

Schiller

Schiller, Friedrich von
Friedrich von Schiller
(Johann Christoph) Friedrich von (1802 geadelt), deutscher Dichter, * 10. 11. 1759 Marbach am Neckar,  9. 5. 1805 Weimar; Sohn von Johann Kaspar Schiller und von Elisabeth Dorothea Kodweiß; verbrachte seine Jugend in Marbach und Lorch, besuchte 1767 die Lateinschule in Ludwigsburg, dann die miltärisch akademischen Karlsschule in Stuttgart. Dort studierte er Medizin und wurde 1780 nach dem Abschluss (Dissertation: „Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen“) Regimentsmedikus in Stuttgart.
Frühe Schaffenszeit:
Schon 1776 waren im „Schwäbischen Magazin“ seine ersten Gedichte erschienen. Unter dem Einfluss des Sturm und Drang entstand sein Drama „Die Räuber“ (gedruckt 1781; Uraufführung 1782 in Mannheim). Aufgrund einer Arreststrafe (unerlaubtes Verlassen des Regiments wegen des Besuchs der Uraufführung seiner „Räuber“) und eines Schreibverbots floh Schiller im selben Jahr nach Mannheim, später nach Frankfurt a. M. und Bauerbach, wo er mittellos als freier Schriftsteller lebte. Sein bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ (1784, ursprünglicher Titel „Luise Millerin“) erzielte mit seiner Kritik am despotischen Absolutismus eine große Wirkung; er wurde für ein Jahr (1783/84) Theaterdichter in Mannheim, hielt dort bei seiner Aufnahme in die Kurfürstliche Deutsche Gesellschaft eine programmatische Antrittsrede über „Die Schaubühne als moralische Anstalt“ und begründete die Zeitschrift „Rheinische Thalia“. Nach der Entlassung als Theaterdichter und erneut in finanziellen, darüber hinaus auch in gesundheitlichen Nöten, nahm Schiller 17851787 eine Einladung von C. G. Körner nach Leipzig, dann nach Dresden an. Dort entstanden der Hymnus „An die Freude“, die Umwandlung seines „Don Carlos“ vom historischen Familiengemälde in Prosa zum politischen Ideendrama in Jamben, die Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ und der Fragment gebliebene Roman „Der Geisterseher“. Nach seiner Übersiedlung nach Weimar 1787 hatte er Umgang mit C. M. Wieland, J. G. von Herder, K. L. Knebel, C. von Kalb, C. Schröter; zur ersten Begegnung mit Goethe kam es 1788 in Rudolstadt.
Mittlere Schaffenszeit:
Zwischen 1787 und 1794 trat die eigentliche Dichtung zugunsten historischer, philosophischer und ästhetischer Studien zurück. Intensive Geschichtsstudien („Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ 1788; „Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ 1791/92) trugen ihm durch Vermittlung von Goethe eine Professur an der Universität Jena ein. Er schloss Freundschaft mit W. Freiherr von Humboldt und konnte 1790 die jüngere Tochter Charlotte der ihm seit längerem befreundeten Familie von Lengefeld heiraten. Seit 1791 an einer Lungenkrankheit leidend und nur durch eine Ehrenpension finanziell abgesichert, setzte er sich mit der Ethik und Ästhetik I. Kants auseinander. Schillers hieraus hervorgehende Schriften („Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen“ 1792; „Über Anmut und Würde“ 1793; „Über das Erhabene“ 1801; „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ 1795; „Über naive und sentimentalische Dichtung“ 1796) sind geprägt von einem sittlich-ästhetischen Idealismus, der im Gegensatz zu Kant Pflicht und Neigung vereint.
Späte Schaffenszeit:
In der Zeit nach 1794 fand Schiller wieder zur lyrischen und dramatischen Produktion zurück, diese Phase stand zudem unter dem Zeichen seiner Freundschaft mit Goethe. Dieser Bund begann im Sommer 1794, führte zu einem reichen Briefwechsel (1828 durch Goethe veröffentlicht) und 1799 zu Schillers Übersiedlung von Jena nach Weimar. Die freundschaftliche Zusammenarbeit befruchtete beide Dichter so, dass man jene Zeit als das klassische Jahrzehnt der deutschen Literatur bezeichnet hat. Als Schiller bei dem Stuttgarter Verleger J. F. Cotta die Zeitschrift „Die Horen“ (17951797) und 17961800 einen „Musenalmanach“ herausgab, wurde Goethe sein erster Mitarbeiter; für den Almanach von 1796 arbeiteten sie gemeinsam ihre „Xenien“ aus (kritische Distichen zur zeitgenössischen Literatur), der Almanach von 1797 enthielt im gegenseitigen geistigen Austausch entstandene Balladen, so Schillers „Die Kraniche des Ibykus“; „Der Ring des Polykrates“ und „Der Handschuh“. Auch fand Schiller in dieser Phase zur Gedankenlyrik zurück („Das Ideal und das Leben“; „Der Spaziergang“; „Die Teilung der Erde“; „Das Lied von der Glocke“) und es entstanden in kurzer Folge seine klassischen Dramen: die „Wallenstein“-Trilogie 1798/99; „Maria Stuart“ 1801; „Die Jungfrau von Orléans“ 1802; „Die Braut von Messina“ 1803; „Wilhelm Tell“ 1804 sowie der Fragment gebliebene „Demetrius“. Schiller starb 1805 an einer akuten Lungenentzündung.
Als Dramatiker des deutschen Idealismus wurde Schiller zum meistgespielten Klassiker der deutschen Bühne. In seinen dramatischen Bearbeitungen historischer Stoffe thematisierte er vor allem die Gegensätze zwischen Schicksal und menschlicher Freiheit, zwischen Schuld und Läuterung. Nationalausgabe, begründet von J. Petersen, bisher 49 Bände, 1943 ff.; Werke und Briefe in 12 Bänden, herausgegeben von O. Daun, K. H. Hilzinger, W. Hirdt u. a., 1988 ff.
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