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LEXIKON

Renoir

Jean, französischer Filmregisseur, * 15. 9. 1894 Paris,  12. 2. 1979 Beverly Hills; Sohn von Auguste Renoir; berühmt durch seine realistischen Filme: „Nana“ 1926; „Die Hündin“ 1931; „Toni“ 1934; „Die große Illusion“ 1937; „Bestie Mensch“ 1938; „Die Spielregel“ 1939; „Der Strom“ 1951; „French Can Can“ 1956; „Frühstück im Grünen“ 1959; schrieb die Biografie „Mein Vater Auguste Renoir“ 1962.
Renoir, Jean
Jean Renoir
Der Regisseur Jean Renoir mit der Schauspielerin Anna Magnani.
  • Deutscher Titel: Die Hündin
  • Original-Titel: LA CHIENNE
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1931
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Jean Renoir, André Girard, nach einem Theaterstück von Georges de la Fouchardière
  • Kamera: Theodor Sparkuhl, Roger Hubert
  • Schauspieler: Michel Simon, Janie Marèze, Georges Flament
Der Kassierer eines Kaufhauses (Michel Simon), der von seiner zänkischen Frau tyrannisiert wird, verliebt sich in eine Prostituierte (Janie Marèze), von der er sich mehr Verständnis erhofft. Als er jedoch bemerkt, dass die Geliebte es nur auf sein Geld abgesehen hat, ersticht er sie, geht aber straflos aus, weil der Zuhälter (Georges Flament) des Mädchens als vermeintlicher Täter verurteilt und hingerichtet wird.
Der erste Tonfilm von Jean Renoir zeichnet ein treffendes Bild der Kleinbürgerwelt und ihrer Moralvorstellungen. 1945 dreht Fritz Lang ein Remake (»Straße der Versuchung«).
  • Deutscher Titel: Toni
  • Original-Titel: TONI
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1934
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Jean Renoir, Jacques Levert
  • Kamera: Claude Renoir
  • Schauspieler: Charles Blavette, Célia Montalvan, Jenny Hélia, Max Dalban
Der aus Italien als »Gastarbeiter« in die Provence gekommene Toni (Charles Blavette) beginnt ein Verhältnis mit Marie (Jenny Hélia), verliebt sich dann aber in die Spanierin Josepha (Célia Montalvan), die sich aber mit dem brutalen Vorarbeiter Albert (Max Dalban) einlässt und ihn heiratet. Toni heiratet Marie, doch die Ehe ist unglücklich. Eines Tages wird er Zeuge, wie Josepha ihren Mann ermordet und mit ihrem Vetter zu fliehen versucht. Weil Toni sie immer noch liebt, nimmt er die Schuld auf sich und wird von aufgebrachten Bauern getötet.
Ein authentischer Fall diente Jean Renoir als Stoff für seine unpathetische Parabel auf die Ausbeutung der Arbeiter und den Fremdenhass der 30er Jahre. Mit Laiendarstellern gedreht, gelingt dem Regisseur eine atmosphärisch dichte Milieustudie.
  • Deutscher Titel: Die große Illusion
  • Original-Titel: LA GRANDE ILLUSION
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1937
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Charles Spaak, Jean Renoir
  • Kamera: Christian Matras, Claude Renoir
  • Schauspieler: Jean Gabin, Pierre Fresnay, Erich von Stroheim
In »Die große Illusion« entlarvt der französische Regisseur Jean Renoir den Widersinn des Kriegs: Er löst keine Probleme, zwingt aber die Menschen, für falsche Ideale ihr Leben zu geben und menschliche, z.T. grenzübergreifende Bindungen zu verraten.
Drei französische Offiziere sind in deutsche Gefangenschaft geraten: Der Aristokrat de Boeldieu (Pierre Fresnay), sein Flugzeug-Mechaniker, Leutnant Maréchal (Jean Gabin), und der Bankier Rosenthal (Marcel Dalio). Zwischen de Boeldieu und dem Kommandanten des Gefangenenlagers, dem schwer verwundeten von Rauffenstein (Erich von Stroheim), entwickelt sich ein beinahe kameradschaftliches Verhältnis, das aus ihrem gemeinsamen Standesdünkel resultiert. Dennoch opfert de Boeldieu sein Leben, um die Flucht seiner beiden Kameraden zu ermöglichen. Maréchal und Rosenthal werden zunächst von einer Kriegerwitwe aufgenommen, in die sich Maréchal verliebt, und entkommen anschließend in die Schweiz.
Kritisiert man in Frankreich den Film z.T. als antisemitisch, werden in Deutschland einige Szenen Rosenthals als zu »positiv« zensiert.
  • Deutscher Titel: Bestie Mensch
  • Original-Titel: LA BETE HUMAINE
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1938
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Jean Renoir, nach einem Roman von Émile Zola
  • Kamera: Curt Courant, Claude Renoir
  • Schauspieler: Jean Gabin, Simone Simon, Fernand Ledoux, Julien Carette
Der Lokomotivführer Lantier (Jean Gabin) verspürt aufgrund einer erblichen Vorbelastung von Zeit zu Zeit den Drang zu töten. Als er ein Verhältnis mit Séverine (Simone Simon), der Frau des Bahnhofsvorstehers Roubaud (Fernand Ledoux) beginnt und sich von ihr bedrängt fühlt, ihren Ehemann umzubringen, tötet er die Geliebte im Affekt. Als er am nächsten Tag wieder zur Besinnung kommt, springt er aus der fahrenden Lokomotive in den Tod. Die Verfilmung des Romans von Émile Zola ist eine der gelungensten Arbeiten Renoirs. Mit hervorragenden Schauspielern, der exakten Beschreibung der düsteren Bahnhofs-Atmosphäre und Sinn für packende Einzelsequenzen zeichnet Renoir glaubhaft die unheilvolle Verstrickung menschlicher Existenzen nach.
  • Deutscher Titel: Die Spielregel
  • Original-Titel: LA REGLE DU JEU
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1939
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Jean Renoir, Carl Koch
  • Kamera: Jean Bachelet, Jacques Lemare
  • Schauspieler: Marcel Dalio, Nora Grégor, Roland Toutain, Jean Renoir
Robert de la Chesnaye (Marcel Dalio) lädt den berühmten Ozeanflieger André
Juri
eux (Roland Toutain) zu einer Jagdgesellschaft auf sein Schloß ein. Er ahnt nicht, dass
Juri
eux ein Verhältnis mit seiner Frau Christine (Nora Grégor) hat und den spektakulären Atlantikflug nur deshalb unternommen hat, um ihr zu imponieren. Robert hingegen umgarnt was seine Frau längst weiß Geneviève de Marrast (Mila Parély). Als Robert bemerkt, dass
Juri
eux um seine Frau wirbt, kommt es zu einer Schlägerei; erst Geneviève bringt die beiden auseinander. Parallel dazu entwickelt sich eine Liebesromanze zwischen dem Diener Marceau (Julien Carette), der sich heimlich als Wilderer betätigt, und dem Zimmermädchen Lisette (Paulette Dubost), der Frau des Jagdhüters Schumacher (Gaston Modot). Als Schumacher den Rivalen erschießen will, trifft er versehentlich den Piloten, der sich zu einem nächtlichen Rendezvous mit Christine getroffen hatte. Das Ganze wird als tödlicher Unfall vertuscht und die Ruhe ist wiederhergestellt.
Jean Renoirs Film erscheint nur oberflächlich betrachtet als harmlose Komödie. In Wirklichkeit entblößt »Die Spielregel« eine »im Verfall begriffene Gesellschaft« (Renoir) und übt eine ins Mark treffende Gesellschaftskritik. Bei der Premiere entwickelt das Publikum eine ablehnende Haltung gegen den Film, da er die tiefe Bewusstseinskrise der französischen Gesellschaft im Sommer 1939 offenbart. Erst nach 1945 wieder entdeckt, wird der Streifen »Die Spielregel« dann stilbildend für die Regisseure der »Nouvelle Vague«.
  • Deutscher Titel: Der Strom
  • Original-Titel: THE RIVER
  • Land: USA
  • Jahr: 1951
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Rumer Godden, Jean Renoir
  • Kamera: Claude Renoir
  • Schauspieler: Nora Swinburne, Esmond Knight, Arthur Shields
  • Auszeichnungen: Sonderpreis Filmfestival Venedig 1951 für Film
In einer kleinen britischen Gemeinde, die in Indien am Ufer des Ganges liegt, verbringt die 14-jährige Harriet die Zeit mit ihren zwei etwas älteren Freundinnen Valerie und Melanie. Harriet, Tochter eines Fabrik-Vorarbeiters, hat schriftstellerische Ambitionen und zeichnet daher ihre täglichen Erlebnisse in einem Tagebuch auf. Eines Tages kommt der junge US-amerikanische Leutnant John in der Gemeinde an. Er hat im Krieg ein Bein verloren und ist nun in Indien auf der Suche nach einem neuen Sinn für sein Leben. Danach erst will er in die USA zurückkehren. Die drei Mädchen verlieben sich in den melancholischen Offizier, wobei jede von ihnen diese erste Liebe unterschiedlich erlebt. Leutnant John reist schließlich in seine Heimat ab, ohne sich für eines der drei Mädchen zu entscheiden. Alle vier Beteiligten haben aber in ihrem Wesen eine Wandlung vollzogen.
Die einfache Handlung des Films wird von Jean Renoir in beeindruckender Bildersprache untermalt, die sein Neffe Claude Renoir an der Kamera erstmals in Farbe ausarbeitet. Der Strom und die Menschen, die an seinem Ufer leben, werden immer wieder ins Bild gerückt als anschauliches Symbol für den unablässigen Fluss des Lebens.
Der Aufenthalt in Indien ist für Jean Renoir eine Zwischenstation nach seinem Exil in den Vereinigten Staaten und der Rückkehr nach Europa.
Bei den Dreharbeiten wirkt auch der Inder Satyajit Ray mit, dessen umfangreiche spätere Tätigkeit als Regisseur durch die Arbeit mit Jean Renoir nachhaltig geprägt wird (erstmals zu sehen in der Trilogie »Apus Weg ins Leben«, 1955/1959).
  • Deutscher Titel: French Can Can
  • Original-Titel: FRENCH CAN CAN
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1956
  • Regie: Jean Renoir
  • Drehbuch: Jean Renoir, nach einer Idee von André-Paul Antoine
  • Kamera: Michel Kelber
  • Schauspieler: Jean Gabin, Françoise Arnoul, Maria Félix
Jean Renoirs prachtvoll ausgestatteter Film über die Entstehung des Can Can im lebendigen Paris um die Jahrhundertwende wird verschiedentlich als Hommage an die impressionistischen Bilder seines Vaters Auguste Renoir bezeichnet. So stellt der Regisseur vor allem die Form und die Ausstattung in den Mittelpunkt, während die Geschichte weniger bedeutsam erscheint. Das neue »Moulin Rouge«, ein skandalträchtiger Nachtclub, soll mit finanzieller Unterstützung des Prinzen Alexander die Attraktion der Seine-Metropole werden. Der Prinz liebt Nini (Françoise Arnoul), eine erfolgreiche Tänzerin des Clubs, die die größten Tanznummern übernehmen soll. Das aber ruft ihre eifersüchtige Kollegin Lola (Maria Félix) auf den Plan: Sie erfindet den anrüchigen Can Can und versetzt so ganz Paris in Aufregung.
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