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LEXIKON

Realpolitiker Richelieu

Realpolitiker Richelieu
Der Leitende Minister Frankreichs, Kardinal Richelieu, analysiert 1631 die verschiedenen Optionen seines Landes im Dreißigjährigen Krieg und liefert ein Muster der "Realpolitik":

Bei der gegenwärtigen Lage in Deutschland kann man nur nach einer der folgenden vier Möglichkeiten handeln:

Entweder muss man sich mit dem Könige von Schweden verbinden, um offen Krieg mit dem Hause Habsburg zu führen; oder
zweitens mit dem Kaiser und mit Spanien einen Vergleich schließen, um vereint den Krieg mit dem Könige von Schweden und den protestantischen Fürsten zu führen; oder
drittens versuchen, die drei katholischen Kurfürsten die Neutralität zu Bedingungen annehmen zu lassen, wie sie der König von Schweden vorgeschlagen hatte, wenn er nicht auf bessere eingehen wollte, und ihn den Krieg in Deutschland fortsetzen zu lassen, ohne sich weiter einzumischen, sondern nur einige Truppen an der Grenze bereit zu halten, um sich gegebenenfalls ihrer zu bedienen; oder
viertens: Man könnte sich, mit besagter Neutralität, außerdem zum Herrn des Elsass, von Breisach und der Rheinübergänge machen, die die katholischen Kurfürsten beherrschten, und dort eine Armee halten, die man bei gewissen Gelegenheiten gebrauchen könnte. Das könnte geschehen entweder, wenn man einen Vertrag schlösse mit dem Könige von Schweden, der den König verpflichtete, diese Eroberung zu machen, in der Weise, dass einer nicht ohne den andern die Waffen niederlegen dürfte, oder ohne dass man sich durch einen Vertrag zu irgendwelchen Bedingungen verpflichtete, damit man immer die Möglichkeit hätte, Vorteile zu ergreifen, die Zeit und Gelegenheit bieten könnten.
Jede dieser Möglichkeiten hat ihre Vorteile und ihre Nachteile ... Wenn man alles wohl erwägt, so darf sich der König weder zum ersten, noch zum zweiten Weg entschließen. Was nun die andern Möglichkeiten angeht, so muss man etwas von der einen und etwas von der andern tun."
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