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LEXIKON

rauchen

das Inhalieren von Tabakrauch, der bei der Verbrennung von Tabakblättern in Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder Pfeifen entsteht. Die gewünschte Wirkung wird durch das im Tabakrauch enthaltene Nicotin hervorgerufen. Es bewirkt u. a. eine Zunahme der Herzfrequenz, erhöht den Blutdruck, steigert kurzfristig die psychomotorische Leistungsfähigkeit sowie Konzentration und Gedächtnisleistungen und ruft angenehme Empfindungen hervor. Diese Wirkungen setzen beim Rauchen unmittelbar ein, lassen aber auch schnell wieder nach. Schon nach etwa 20 Minuten ist die Wirkung weitgehend abgeklungen, sodass erneut das Verlangen nach Nicotin entsteht. Bleibt die Nicotinzufuhr aus, kommt es zu Entzugserscheinungen wie Aggressivität, depressive Stimmung, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Schlafstörungen und Appetitsteigerung. Rauchen führt zu körperlicher, noch mehr aber zu psychischer Abhängigkeit (Nicotin).

Gesundheitsschädliche Wirkungen

Tabak: Auswirkungen
Tabak: Auswirkungen
Die Wirkung des Tabakrauchs ist in höchstem Maße gesundheitsschädlich. Seine Hauptbestandteile Nicotin, Reizstoffe, Kohlenmonoxid und krebserregende (karzinogene) Stoffe greifen direkt die Atemwege (Mund, Rachen und Lungen) an, außerdem indirekt Herz, Kreislauf und Magen sowie den Fetus im Mutterleib.
Die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens sind durch zahlreiche Studien zweifelsfrei belegt und betreffen auch das Passivrauchen. Nicotin verengt die Blutgefäße, was langfristig zu Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen („Raucherbein“, Potenzstörungen), Thrombose, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Der eingeatmete Tabakrauch schlägt sich in den Atemwegen und den Lungen als Teer nieder, was eine chronische Entzündung zur Folge hat. Daraus entwickelt sich vielfach eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit (sog. „Raucherhusten“), chronische Bronchitis und u. U. ein Lungenemphysem. Tabakrauch enthält darüber hinaus über 4000 verschiedene chemischen Substanzen, von denen über 40 hochgiftig und z. T. stark krebserregend sind (darunter Benzol, Benzpyren, Formaldehyd und Dioxin) und die den gesamten Organismus angreifen. Die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken, ist beträchtlich erhöht. Rauchen begünstigt aber auch die Entstehung von Kehlkopf-, Luftröhren-, Speiseröhren- und Magenkrebs und ist ein Risikofaktor für bösartige Tumoren von Bauchspeicheldrüse, Harnblase, Nieren sowie Leukämie und bei Frauen von Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Jährlich sterben in Deutschland schätzungsweise bis zu 140 000 Menschen an den Folgen des Rauchens, weltweit fast fünf Millionen. Bei werdenden Müttern führt Rauchen zu vermehrten Fehl- und Frühgeburten.

Geschichte

Vor der Entdeckung Amerikas (1492) inhalierte man in Europa den Rauch von Gräsern, Baumfrüchten u. a. zur Bekämpfung von Krankheiten. Das Rauchen von Tabakblättern war ursprünglich in verschiedenen altamerikanischen Kulturen als Kulthandlung (Friedenspfeife) verbreitet und wurde erst nach der Entdeckung Amerikas im 16. Jahrhundert durch die Spanier nach Europa gebracht. Rauchverbote wegen der gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens gab es in Deutschland schon zur Zeit des Nationalsozialismus. In den 1960er und 1970er Jahren kam es in Europa aufgrund von Antiraucherkampagnen zu partiellen Werbeverboten für Tabakwaren. Anfang der 1980er Jahre erschienen in Deutschland Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Mitte der 1980er Jahre führten Antiraucherkampagnen im In- und Ausland zu Raucheinschränkungen, besonders in öffentlichen Gebäuden. Rauchfreie Zonen bis hin zum Verbot (z. B. in Flugzeugen) werden auch zunehmend in Gaststätten und Verkehrsmitteln eingerichtet. Als erstes Land der EU führte die Republik Irland 2004 ein totales Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen, einschließlich der Pubs, ein. Auch Italien setzte 2005 ein komplettes Rauchverbot in Restaurants durch. Seit 2007 gilt auch in Deutschland bundesweit ein Rauchverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln und Einrichtungen des Bundes. In den Bundesländern wurden Regelungen zum Nichtraucherschutz z. T. schon früher umgesetzt (2004/2005). Ebenso wurde 2007 und 2008 sukzessive ein Rauchverbot für Gaststätten und Kneipen umgesetzt. (Ausnahmeregelungen Rauchverbot).
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