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LEXIKON

Otto III.

Otto III. (römisch-deutscher Kaiser)
Otto III. (römisch-deutscher Kaiser)
Otto III. in der Gruft Karls des Großen
Otto III. in der Gruft Karls des Großen
Die große Verehrung Ottos III. für den Karolinger Karl den Großen und ersten westlichen Kaiser zeigt sich auch durch seinen Besuch in der Kaisergruft, um dem vor fast 200 Jahren Gestorbenen die Ehre zu erweisen und eine Reliquie zu gewinnen (Erzähler ist ein Graf, der den Kaiser begleitet):

Wir gingen also zu Karl hinein. Er lag nicht, wie sonst die Toten, sondern er saß, als lebte er, und hielt in seinen Händen, die in Handschuhen steckten, ein Zepter; die Fingernägel hatten sich durch die Handschuhe gebohrt und schauten aus ihnen heraus. Über ihm war eine Decke aus Kalk und Marmor. Als wir hinkamen, durchbrachen wir sie. Bei unserem Eintritt schlug uns ein überaus starker Geruch entgegen. Wir erwiesen Kaiser Karl sofort auf den Knien unsere Huldigung, und Kaiser Otto bekleidete ihn auf der Stelle mit weißen Gewändern, beschnitt ihm die Nägel und brachte, was Schaden gelitten hatte, in Ordnung. Übrigens hatte Kaiser Karl noch keins seiner Glieder durch die Verwesung verloren, einzig die Nasenspitze hatte er eingebüßt. Kaiser Otto ersetzte sie mit Gold, zog einen Zahn aus Karls Mund, vermauerte den Zugang zu dem Gemach aufs Neue und entfernte sich wieder."

Für Otto III. geht auf Karl auch die enge Bindung zwischen Rom und die Kaiser zurück:
"Als dann Karl dieses Reich [Italien] nahm, kam er auch nach Rom. Er machte aus dem Bestande des Langobardenreiches dort viele großartige Geschenke, die bis heutigen Tages noch zur Herrschaft Roms gehörten, und schloss mit den Römern und dem Papst einen Pakt."
deutscher König 9831002, Kaiser seit 996, * 980 bei Kleve,  23./24. 1. 1002 Paterno bei Viterbo; Sohn von Kaiser Otto II.; 983 in Aachen zum König gekrönt, bis 994 unter Vormundschaft (seiner Mutter Theophano, nach deren Tod 991 seiner Großmutter Adelheid), erst nach längerem Widerstand 985 allgemein anerkannt. Otto zog 996 nach Rom, erhob seinen Vetter Brun von Kärnten zum Papst (Gregor V.) und wurde von diesem zum Kaiser gekrönt. Nach Vertreibung Gregors durch den römischen Stadtadel (Crescentier) eroberte Otto 998 Rom und erhob 999 nach Gregors Tod seinen Freund Gerbert von Aurillac als Silvester II. zum Papst.
Ottos hohe Auffassung vom christlichen Herrschertum äußerte sich in seinem Streben nach Erneuerung des Römischen Reichs
Kritik an Otto III.
Kritik an Otto III.
Ein deutscher Chronist fällt ein vernichtendes Urteil über Kaiser Otto III. und seine Politik:

Denn da ihm Rom allein gefiel und er das römische Volk vor allen anderen durch Geldgeschenke und Ehren auszeichnete, wollte er für immer in Rom verweilen und in kindlichem Spiele die Stadt zu ihrem alten Glanz und Ruhm erheben. Du brauchst nicht lange nach einem hierfür passenden Worte der Bibel zu suchen, schon beim Psalmisten findest du: Eitel ist der Menschen Sinnen. Dies war die Sünde des Königs: Das Land seiner Geburt, das liebe Deutschland, wollte er nicht einmal mehr sehen, so groß war seine Sehnsucht, in Italien zu bleiben, wo in tausend Mühen, tausend Todesgefahren schreckliches Unheil gewappnet heranstürmt ... Der gute Kaiser befand sich nicht auf dem rechten Wege, als er die gewaltigen Mauern des übergroßen Roma zu stürzen dachte; denn wenn auch deren Bürger seine Wohltaten nur mit Bösem vergolten hatten, so war doch Rom der von Gott den Aposteln gegebene Sitz.

Und selbst da brach die Liebe zu seinem Geburtslande, dem Sehnsucht weckenden Deutschland, nicht in ihm durch; das Land des Romulus, vom Blute seiner lieben Getreuen durchtränkt, gefiel in seiner buhlerischen Schönheit dem Kaiser immer noch mehr. ... Wie ein alter Heidenkönig, der sich in seinem Eigenwillen verkrampft, mühte er sich zwecklos ab, den erstorbenen Glanz des altersmorschen Rom aufs Neue zu beleben"
(renovatio imperii Romanorum) und in seiner Förderung der christlichen Mission.
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