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LEXIKON

Normnnen

Nordmannen; Wikinger
Wikinger
Wikinger
Wikinger vor einem Schiff
Entdeckungsgeschichte bis um 1500
Entdeckungsgeschichte bis um 1500
Nordmänner, in frühmittelalterlichen Schriftquellen eine Bezeichnung für Skandinavier, die zwischen 793 und 1066 als Piraten und Krieger vor allem die Britischen Inseln und das Frankenreich überfielen; Wikinger. Heute bezeichnet man damit insbesondere die skandinavischstämmigen Bewohner der nordfranzösischen Normandie, die seit dem 10. Jahrhundert schnell romanisiert wurden und das Christentum sowie die französische Kultur annahmen. Ihre Adligen wurden zu feudalen Grundherren, die entscheidend zur Entstehung des Rittertums beitrugen.
911 schloss König Karl der Einfältige mit dem Wikingerführer Rollo einen Vertrag, demzufolge dieser Land um Rouen erhielt und dafür dessen Verteidigung übernahm. Aus diesem Gebiet entwickelte sich im 10. Jahrhundert das Herzogtum der Normandie, in das insbesondere Dänen einwanderten.
Seit 1016 traten Ritter aus der Normandie als Söldner in den Dienst süditalienischer Fürsten. Mit der neuartigen Kampftaktik des konzentrierten Reiterangriffs mit eingelegter Lanze erwiesen sie sich als so erfolgreich, dass 1029 mit der Grafschaft Aversa der erste Normannenstaat in Süditalien entstand. Beherrschend wurden unter den einwandernden Normannen die Brüder der Adelsfamilie Hauteville, aus deren Kreis Wilhelm Eisenarm 1042 als Anführer sämtlicher Normannen in Süditalien anerkannt wurde. Die Hautevilles erhielten mehrere Fürstentümer von Kaiser und Papst zum Lehen. Robert Guiscard griff nach 1059 das muslimisch beherrschte Sizilien an, das bis 1091 erobert wurde. Damit war ganz Süditalien in normannischer Hand. Roger II. wurde 1130 vom Papst, der die Normannen als Gegengewicht gegen die deutschen Könige und Kaiser brauchte, als König von Sizilien, Kalabrien und Apulien anerkannt (Königreich beider Sizilien). 1186 heiratete Rogers Tochter und Erbin Konstanze den deutschen Thronfolger Heinrich, der als Kaiser Heinrich VI. 1194 das süditalienische Normannenreich für die Staufer eroberte.
Normannen aus der Normandie und Süditalien waren maßgeblich am 1. Kreuzzug (1096-1099) beteiligt. Dabei errichtete Bohemund von Tarent, ein Sohn Robert Guiscards, das normannische Fürstentum Antiochia in Syrien, das sich muslimischen Angriffen lange widersetzte und erst 1268 erobert wurde.
Während die normannischen Kriegszüge in Süditalien und Palästina auf Privatinitiativen adliger Familien beruhten, stellte die Eroberung Englands 1066 eine staatliche Unternehmung dar, die der Herzog der Normandie u. a. mit Unterstützung des Papstes betrieb. Wilhelm der Eroberer stellte Ansprüche auf den englischen Thron aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen und eines daraus gefolgerten Erbrechts. Darum setzte er mit einer Flotte nach England über und besiegte König Harald Godwinsson 1066 in der Schlacht von Hastings. Damit begann die normannische Herrschaft über England, die 1154 mit dem Tod eines erbenlosen Normannenkönigs zwar endete, aber die mittelalterliche Geschichte Englands politisch und kulturell prägte. 1204 büßte das Herzogtum der Normandie seine Selbständigkeit ein und fiel an die französische Krone.
Die nur dünne normannische Oberschicht hat sowohl in Süditalien als auch in der Normandie gut organisierte Staaten mit hoher Kultur geschaffen, deren Einrichtungen (Zentralismus, Beamtentum, Burgen- und Kirchenbau) im Mittelalter vorbildlich für andere europäische Staaten wurden.
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