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LEXIKON

Nhru

Jawaharlal, indischer Politiker (Kongresspartei), * 14. 11. 1889 Allahabad,  27. 5. 1964 Neu-Delhi; aus einer vornehmen Brahmanenfamilie Kaschmirs, Sohn von Motilal Nehru, Vater von Indira Gandhi; Anwalt; trat mit M. Gandhi an die Spitze der indischen Freiheitsbewegung, im Gegensatz zu Gandhi jedoch mit pragmatischer und sozialistischer Zielsetzung; 1929, 1936, 1937, 1946 und 19511954 Präsident der Kongresspartei; befand sich achtmal in britischer Haft, zuletzt 19421945; 1946 Stellvertretender Ministerpräsident und Leiter der außenpolitischen Abteilung in der Übergangsregierung, 19471964 Ministerpräsident und Außenminister, zeitweise auch Verteidigungsminister, Vorsitzender der konstituierenden Verfassungsversammlung; gewann durch Verhandlungen die französischen Enklaven in Indien zurück und ließ 1961 die portugiesischen Kolonien Goa, Daman und Diu besetzen. Er verfolgte eine Politik des blockfreien Neutralismus und war einer der führenden Repräsentanten der Dritten Welt.
Bandung-Konferenz: Zhou Enlai und Nehru
Zhou Enlai und Jawaharlal Nehru
Chinas Premierminister Zhou Enlai (links) und der indische Premierminister Jawaharlal Nehru während der Bandung-Konferenz
Jedes Volk muss seinen Weg finden
Jedes Volk muss seinen Weg finden
Im Haus des Volkes im indischen Parlament sprach Pandit Nehru am 17. 9. 1955 über die Grundlagen des Panchsheel (Koexistenz):

...Jedes Land und jedes Volk muss, wenn es sich selber treu sein will, den eigenen Weg finden, der über Irrtümer und neue Versuche, über Leiden und Erfahrungen führt. Nur dann wird das Land oder das Volk wachsen...

Unsere Entwicklung in den letzten dreißig Jahren hat Mahatma Gandhi geleitet. Abgesehen davon, was er für uns geleistet oder nicht geleistet haben mag, war die Entwicklung des Landes eine organische, angepasst dem Geist und der Denkweise Indiens, auch wenn er durch vieles beeinflusst ist, was wir von anderen gelernt haben. Ebenso bedeutet Panchsheel die bedeutsame Wahrheit, dass zu guter Letzt jedes Volk doch allein mit seinen Problemen fertig werden muss, dass es seine Kämpfe allein durchzufechten hat. Ich denke nicht an kriegerische Kämpfe, sondern meine unsere geistigen, moralischen, gedanklichen Bemühungen, unser Streben, Tür und Tor den Ideen anderer Völker zu opfern und aus ihrer Erfahrung zu lernen. Jedes Land sollte solchen Bestrebungen von Seiten des Nachbarn mit Teilnahme und freundschaftlichem Verständnis begegnen, ohne sich einzumischen oder ihm etwas aufzuzwingen.
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