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LEXIKON

NATO

Die Entwicklung bis Ende der 1980er Jahre

Die wechselseitige Verpflichtung einer dem politischen, militärischen und wirtschaftlichen Potenzial nach weit überlegenen Weltmacht (USA) mit europäischen Ländern geringeren Potenzials führte bereits in den 1950er Jahren zu Differenzen über Strategie, Kostenverteilung, Mitbestimmung und Nutzen der NATO, die die Handlungsprinzipien der umfassenden Konsultation, Zusammenarbeit und Solidarität in Frage stellten. Frankreich unter Präsident C. de Gaulle zog sich als Konsequenz aus der so empfundenen amerikanischen Dominanz schließlich 1966 vollständig aus der militärischen Organisation und der integrierten Militärstruktur der Allianz zurück. In der Folge mussten alle NATO-Soldaten und -Einrichtungen das Land verlassen, das NATO-Hauptquartier wurde von Paris nach Brüssel verlegt.
Auf organisatorischer Ebene erfolgte nach dem Rückzug Frankreichs aus der NATO-Militärstruktur, die nicht die Beistandsverpflichtung nach Art. 5 berührte, eine Stärkung der Mitwirkungs- und Koordinierungsmöglichkeiten der europäischen NATO-Mitglieder durch die Schaffung der Nuklearen Planungsgruppe einerseits und die Gründung der Euro-Gruppe (Eurogroup) andererseits; letztere sollte eine verbesserte Kooperation der Europäer bei Planung, Logistik, Waffenentwicklung, Ausbildung und der Standardisierung der Rüstungssysteme anregen.
Hinsichtlich der Militärstrategie erfolgte 1967, als Konsequenz aus dem atomaren Patt zwischen den USA und der Sowjetunion, die Ablösung der Strategie der „massiven Vergeltung“ (massive retaliation), gemäß der jeder Angriff mit einem massiven atomaren Gegenschlag beantwortet worden wäre, durch die Strategie der „flexiblen Reaktion“ (flexible response). Diese von den USA bereits im Zusammenhang mit der Kubakrise angenommene Strategie sollte eine größere Handlungsflexibilität bei begrenzten Bedrohungen schaffen, aber weiterhin eine glaubwürdige Abschreckung aufrechterhalten.
Ein wichtiger Schritt in der NATO-Politik wurde 1972 vollzogen. Der Nordatlantikrat beschloss, mit den Staaten des Warschauer Pakts sowie mit jenen Staaten Europas, die keinem der beiden Verteidigungsbündnisse angehörten, Gespräche zur Vorbereitung einer Europäischen Sicherheitskonferenz zu führen; außerdem lud die NATO zu vorbereitenden Gesprächen über einen gegenseitigen und ausgewogenen Truppenabzug in Mitteleuropa (MBFR) ein. Durch die Rüstungsanstrengungen der UdSSR auf dem Gebiet der nuklearen Mittelstreckenwaffen sahen die NATO-Staaten ihre Strategie der Vorneverteidigung und der flexiblen Reaktion gefährdet.
Politische Probleme innerhalb des Bündnisses verursachte der Zypernkonflikt, der Griechenland 1974 veranlasste, aus der militärischen Organisation auszuscheiden, was aber 1981 wieder rückgängig gemacht wurde.
Insbesondere auf Drängen der europäischen NATO-Staaten fassten die Bündnispartner 1979 den sog. NATO-Doppelbeschluss, um das wachsende Ungleichgewicht im atomaren Mittelstreckenbereich in Europa auf dem Verhandlungs- oder Nachrüstungsweg (Pershing II/Cruise Missiles) zu schließen.
Aufgrund der verbesserten politischen Rahmenbedingungen seit dem Amtsantritt M. Gorbatschows in der UdSSR 1985 verringerte sich das Konfrontationspotenzial zwischen NATO und Warschauer Pakt. Belege dafür waren u. a. die Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa sowie das INF-Abkommen zwischen den USA und der Sowjetunion 1987, durch das alle landgestützten atomaren Mittelstreckenraketen wieder beseitigt wurden. 1986 verließ Spanien aufgrund eines Volksentscheids die Militärstruktur der NATO (bis 1997).
  1. Einleitung
  2. Entstehung
  3. Die Entwicklung bis Ende der 1980er Jahre
  4. Die NATO in einer sich wandelnden Welt (seit 1990)
  5. Organisation
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