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LEXIKON

myknische Kultur

die von den mykenischen Griechen getragene spätbronzezeitliche Kultur des griechischen Festlands, 16001200 v. Chr., Endstufe der helladischen Kultur, Teil der kretisch-mykenischen Kultur.
Sie ist in ihren geschichtlichen Voraussetzungen noch nicht abschließend geklärt. Zwischen 2200 und 1900 v. Chr. waren indoeuropäische Volksstämme (die später als Achäer, Ionier bezeichneten Frühgriechen) auf das griechische Festland eingewandert und hatten sich mit der bodenständigen nichtindoeuropäischen Bevölkerung vermischt. Auf der Grundlage dieser Mischkultur entstand um 1600 v. Chr. durch Kontakte mit der minoischen Kultur ohne kriegerische Auseinandersetzungen die plötzlich reich aufblühende mykenische Kultur. Sie äußerte sich im Auftreten der frühmykenischen Keramik und im erhöhten Beigabenreichtum der Gräber. Auch bestattete man die Fürsten in monumentalen Kuppelgräbern. Die mykenischen Feudalherren lebten als Gaufürsten auf hoch gelegenen Burgen (Mykene, Tiryns, Pylos u. a.) und behaupteten sich gegenseitig militärisch. Die Bewaffnung war kretisch; der Streitwagen kam aus Ägypten. Von Kreta wurden auch die Schrift (Linear B) und die hoch entwickelte und komplizierte Wirtschafts- und Verwaltungsstruktur übernommen. Die Palastarchitektur war dagegen spezifisch mykenisch. Sie bestand aus einem Megaronhaus mit fürstlicher Wohnung, Magazinen, Verwaltungsräumen, einem Hof mit Altar und Anlagen für militärische Zwecke, umgeben von einem kyklopischen Mauerring. Die Räume waren nach minoischem Vorbild mit Wandgemälden geschmückt. Die Gewerbebetriebe lagen außerhalb der Paläste. Im Kunsthandwerk waren typisch die Tektonisierung der minoischen Vorbilder in der Wand- und Vasendekoration, die Erzeugung von Holzmöbeln mit Elfenbeineinlagen und Prunkwaffen und Metallgefäße mit Gold-, Silber- und Nielloeinlagen sowie Ansätze zur Großplastik (Löwentor von Mykene).
mykenische Kultur: Dolchklinge
mykenische Kultur: Dolchklinge
Bronzene Dolchklinge aus dem 16. Jh. v. Chr. Athen, Archäologisches Nationalmuseum.
mykenische Kultur: Dolchklinge
Dolchklinge
Die bronzene Dolchklinge aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. ist mit einer Jagdszene verziert; Archäologisches Nationalmuseum, Athen.
Knossos: Palast
Palast von Knossos
Ansicht der königlichen Wohnung im Ostflügel des Minos-Palastes im teilweise wieder hergestellte Palast von Knossos auf Kreta.
Das Verhältnis zu Kreta scheint ursprünglich friedlich gewesen zu sein. Seit 1450 v. Chr. besetzten jedoch mykenische Heerfürsten das seit den Zerstörungen durch den Vulkanausbruch auf Santorin (um 1500 oder 1470 v. Chr.) darniederliegende Kreta und breiteten ihren Einfluss seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. über das ganze östliche Mittelmeer bis Vorderasien, Syrien, Ägypten und Unteritalien aus. Eine Führungsstellung scheint dabei Mykene gehabt zu haben.
Die mykenische Kultur ging in den Stürmen der Ägäischen Wanderung des 13. und 12. Jahrhunderts v. Chr. unter. Die nachfolgenden Dorier und Nordwestgriechen übernahmen wenig von der von ihnen zerschlagenen Kultur, doch lebt die Erinnerung an diese Zeit in den Epen Homers weiter.
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