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LEXIKON

Miniatrmalerei

Miniaturmalerei: Schlacht bei Mühldorf
Schlacht bei Mühldorf
Mittelalterliche Miniaturmalerei, Kampfszene aus der Schlacht bei Mühldorf, Handschrift des Wilhelm von Oranien.
Malerei in kleinem Format, besonders als textillustrierende Buchmalerei und als Bildnisminiatur.

Buchmalerei

Textillustrationen schmücken bereits ägyptische Totenbücher des 2. Jahrtausends v. Chr., doch stehen dabei Bild und Schrift in zwanglos unverbundener Anordnung, die sich erst mit dem Übergang von der Buchrolle zu dem aus Einzelblättern bestehenden Codex im 4. Jahrhundert n. Chr. ändert: Text und Bild erscheinen fortan stärker voneinander abgegrenzt, das Bild wird meist mit Rahmung versehen und gleicht sich dem Rechteckformat der Blattseite an. An der Ausbildung der religiösen Kunst des Mittelalters hatte die byzantinische Buchmalerei entscheidenden Anteil. Der älteste Initialschmuck stammt aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. (Vergil-Codex, Rom). Während die Buchmalerei der karolingischen Zeit weitgehend antiken Vorbildern folgt, besonders in der klaren Trennung von Schmuckleisten und Text, zeigen Illustrationen ottonischer Handschriften größere Selbständigkeit und Vielfalt. Zugleich verstärkt sich die Neigung zur Expression (Utrecht-Psalter).
Codex: Vergilius Romanus
Blatt des Vergilius Romanus
Codex: Blatt des Vergilius Romanus; spätes 5 Jahrhundert; Rom, Biblioteca Vaticana
Einer etwa zwischen 870 und 970 liegenden Pause in der Entwicklung der mittelalterlichen Buchmalerei folgt im letzten Drittel des 10. Jahrhunderts ein Neubeginn, eingeleitet vom Gero-Codex (vor 969) und dem Reichenauer Lektionar (um 1000). Neben der Reichenau traten als bedeutende Pflegestätten der Buchmalerei in Deutschland vor allem Regensburg (Sakramentar Heinrichs II., Perikopenbuch der Äbtissin Uta, Evangelistar Heinrichs II.), Salzburg, Tegernsee, Trier, Echternach und Köln in Erscheinung; in Frankreich wurde die Buchmalerei hauptsächlich im Norden des Landes (St. Armand, Marchiennes, St. Omer) und in Limoges gepflegt; die burgundische Malerei hatte ihre wichtigsten Zentren in Cluny und Citeaux.
Gotische Einflüsse machen sich in der deutschen Buchmalerei erstmals um 1180 geltend (Bibel von Heisterbach, Berlin; Evangelistar aus St. Martin in Köln; Brüssel), in der englischen bereits etwas früher.
Heinrich von Meißen
Heinrich von Meißen
Heinrich von Meißen; Miniatur aus der »Großen Heidelberger Liederhandschrift«, (12./13. Jahrhundert), Heidelberg
Ritter (14. Jahrhundert)
Ritter (14. Jahrhundert)
Heinrich II. von Frauenberg im ritterlichen Zweikampf, Manessische Liederhandschrift Heidelberg, Universitätsbibliothek.
In der Miniaturkunst des 13. Jahrhunderts verlor sich mehr und mehr der jeweils durch besondere Merkmale geprägte Stil der Lokalschulen. Im 14. und 15. Jahrhundert entfaltete sich in Böhmen (Prag) unter Kaiser Karl IV. und König Wenzel ein reicher Prunkstil.
Neben Klöster als Pflegestätten der Miniaturmalerei traten im 15. Jahrhundert zunehmend bürgerliche Handwerksbetriebe; gleichzeitig verdrängte das Papier als Bild- und Schriftträger das Pergament. In der Thematik verstärkte sich der schon im 14. Jahrhundert begonnene Wandel von der fast ausschließlich religiösen zur weltlichen Darstellung.

Bildnisminiaturen

In Schmuckgegenstände eingelassen und häufig am Hals getragen wurden kleinformatige gemalte Porträts. Als Malgrund diente vor allem Elfenbein. Die ersten Bildnisminiaturen entstanden im 16. Jahrhundert (H. Holbein der Jüngere, B. Grien, F. Clouet), ihre Blütezeit war im Rokoko, das eine besondere Vorliebe für das Bildnis und für zierliche Dinge entwickelte. Auch im Klassizismus und Biedermeier erfreuten sie sich anhaltender Beliebtheit. Die führenden Maler auf diesem Gebiet waren in Frankreich L. Silvestre und E. Liotard, in England Th. Lawrence, in Deutschland u. a. H. F. Füger und M. M. Daffinger. Mit dem Aufkommen der Bildnisfotografie büßten die Bildnisminiaturen rasch ihre Bedeutung ein.
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