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LEXIKON

Mensch

Homo sapiens
Themenwissen Tiere
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Entwicklung von Affen und Mensch
Mensch: Körpersysteme
Mensch: Körpersysteme
Der Körper des Menschen besteht aus einer Vielzahl ineinandergreifender Systeme: Atmungs- und Verdauungssystem, Gefäß- und Nervensystem, Harn-, Drüsen- und Genitalsystem, Skelett- und Muskelsystem und System der Sinnesorgane. Das Hautsystem umhüllt den ganzen Körper.
Art der zur Familie der Hominiden gestellten Gattung Homo in der Ordnung der Primaten, der alle heute lebenden Menschen angehören. Die besondere Stellung des Menschen im Tierreich beruht neben dem aufrechten Gang und hoch entwickelter manueller Geschicklichkeit vor allem auf der starken Entwicklung des Gehirns (Cerebralisation). Hierin gründen die Fähigkeiten, artikuliert zu sprechen, abstrakt zu denken sowie sich durch die Erschaffung künstlicher Hilfsmittel veränderten Umwelten anzupassen und diese dadurch zugleich zu gestalten. Viele anatomische und Verhaltensmerkmale sind aber schon bei unseren nächsten Verwandten im Tierreich, den Großen Menschenaffen, erkennbar und erscheinen beim Menschen nur in abgewandelter oder weiterentwickelter Form.

Abstammung des Menschen

Insbesondere durch C. Darwins Werke „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“ (1859) und „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ (1871) wurde im 19. Jahrhundert die Diskussion um die Verwandtschaft von Mensch und Affen entfacht. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts waren Fossilfunde, die eine solche Verwandtschaft belegen könnten, äußerst spärlich und schwierig zu interpretieren. Doch seit den 1960er Jahren haben intensive Feldforschungen, vor allem in Afrika, zu vielen hundert Funden von Vor- und Frühmenschen geführt, die die Entwicklung des Menschen aus menschenaffenähnlichen Vorfahren überzeugend belegen. Zudem bestätigen moderne genetische und molekularbiologische Vergleiche zwischen Mensch und Menschenaffen die sehr enge Verwandtschaft.
Analysen der Erbsubstanz DNA lassen darauf schließen, dass Mensch und Schimpanse am engsten miteinander verwandt sind und die Aufspaltung der gemeinsamen Abstammungslinie erst vor etwa 57 Mio. Jahren erfolgt sein dürfte. Jüngste Hominidenfunde reichen tatsächlich bis an diesen Zeitraum heran. So wurden 2002 im Tschad 76 Mio. Jahre alte Hominiden-Überreste entdeckt, die aus einem Mosaik äffischer und menschlicher Merkmale bestehen. Allerdings ist die Zuordnung dieses Fundes zum Hominiden-Stammbaum noch umstritten. Kurz zuvor, im Jahr 2000, waren ca. 6 Mio. Jahre alte Überreste gefunden worden, die als Orrorin tugenensis („Millennium-Mensch“) bezeichnet wurden, darunter ein Oberschenkel, der schon auf einen aufrechten Gang schließen ließ. Auch die Zuordnung dieser Fragmente wird kontrovers diskutiert. Als gesicherter Hominidenfund gilt hingegen Ardipithecus ramidus, 4,4 Mio. Jahre alt. Älter ist mit 5,25,8 Mio. Jahren ein zunächst als Unterart eingeordneter Fund, Ardipithecus ramidus kadabba, der nun möglicherweise aber eine eigene Art repräsentiert.
Die überwiegende Zahl früher Hominiden gehört jedoch zu verschiedenen Arten der Gattung Australopithecus. Trotz ihres affenähnlichen Aussehens sind sie enger mit dem Menschen verwandt als mit den Menschenaffen, denn sie besitzen einige wesentliche Gemeinsamkeiten mit dem Menschen, etwa den aufrechten Gang sowie Veränderungen im Kauapparat, die durch eine Ernährungsumstellung auf härtere Gräser, Nüsse und Wurzeln erforderlich wurde (Verkleinerung der Eckzähne, Verschwinden der „Affenlücken“ im Kiefer, Vergrößerung der Kronen der hinteren Zähne u. a.). Weitere Anpassungen des Kauapparats an sehr harte Nahrung führten zur Entstehung einiger besonders robuster Arten (Australopithecus aethiopicus, Australopithecus robustus, Australopithecus boisei) mit gewaltigen Backen- und Mahlzähnen sowie einem Knochenkamm in der Scheitelgegend und einem breiten Gesicht zur Vergrößerung der Ansatzfläche der Kaumuskeln.
Die robusten Formen erwiesen sich als Sackgassen der Evolution, während parallel zu ihnen aus Australopithecus africanus oder Australopithecus afarensis der früheste Mensch, Homo habilis, entstand. Dieser hatte erstmals ein deutlich größeres Gehirn (630 cm3 im Durchschnitt), stellte einfache Steinwerkzeuge her und ernährte sich auch von Fleisch, worauf Schnittspuren an Tierknochen, die kleineren Backenzähne und deren Abkauungsspuren hinweisen. Vor etwa 1,8 Mio. Jahren tauchte daneben Homo erectus auf, der sich schon bald danach über Afrika hinaus bis nach Ostasien und Europa ausbreitete. Sein Gehirn nahm während seiner Entwicklung deutlich an Größe zu und erreichte bei späten Funden (ca. 400 000 Jahre alt) über 1200 cm3.
Aus dem Homo erectus ist durch weitere Gehirnentwicklung der Homo sapiens entstanden, und zwar in verschiedenen regionalen archaischen Formen. Der in Europa u. Westasien vor etwa 150 00030 000 Jahren lebende Neandertaler war eine eigenständige Art (Homo neanderthalensis) und ein Seitenzweig der menschlichen Evolution. Die afrikanischen Funde des archaischen Homo sapiens zeigen anders als in Europa und Ostasien eine kontinuierliche Entwicklung zum modernen Homo sapiens, der vor etwa 150 000 Jahren nachweisbar ist. Dieser frühe moderne Mensch war vor 100 000 Jahren in den angrenzenden Nahen Osten gelangt, vor etwa 50 000 Jahren bis in den Fernen Osten und vor etwa 40 000 Jahren nach Europa, wo er eine Zeitlang mit den Neandertalern koexistierte, bis diese vor etwa 30 000 Jahren aus unbekannten Gründen ausstarben. So ist der moderne Homo sapiens heute der einzige Überlebende der Hominiden.

Philosophie

In der Philosophie ist die Frage nach dem Wesen des Menschen so alt wie die nach dem Wesen Gottes und der Welt. In der naturalistischen Auffassung des Materialismus, des Evolutionismus und des Monismus wird der Unterschied zwischen Tier und Mensch als nur gradueller gefasst: Alle Wesensmerkmale des Menschen finden sich, wenigstens im Ansatz, schon im Tierreich. Demgegenüber wurde bereits in der Antike geltend gemacht, dass der Nus (Geist) übersinnlichen Ursprungs, Träger „höherer“ menschlicher Funktionen, besonders der Erkenntnis, und von Leib und Seele somit trennbar sei. Daraus ergab sich eine Zwei- bzw. Dreiteilung des Menschen in Leib, Seele, Geist. Man kann das Wesen des Menschen auch vom „objektiven Geist“ aus zu bestimmen suchen: von der Sprache als Grundlage der menschlichen Kultur und von den für den Menschen spezifischen Vergesellschaftungsformen.
Zu trennen, wenn auch meist miteinander verbunden, sind Wesenserkenntnis und Selbstbewertung des Menschen. Zumeist hält sich der Mensch für die „Krone der Schöpfung“, für das vollkommenste irdische Wesen, mithin für das Endziel der Entwicklung bzw. seiner Idee nach für den Endzweck der Geschichte (Homo noumenon bei I. Kant, Idee der Humanität bei J. G. Herder).
Die moderne Philosophie bietet einen perspektivischen Pluralismus von Theorien. Der Mensch wird dabei jeweils in den einzelnen Wirklichkeitsbereichen „verortet“: Der moderne Materialismus deutet ihn mit kybernetischen Modellen, versucht aber zugleich sein Schöpfertum und seine Produktionskraft herauszustellen. Der Biologismus sieht im Menschen das höher entwickelte Tier, bei dem sich bereits die meisten menschlichen Phänomene wie Sprache, Moralverhalten u. a. zumindest in Ansätzen finden. Die philosophische Anthropologie sucht durch Herausstellung neuer Phänomene sein Eigenwesen zu begründen; sie sieht ihn etwa als das „nichtfestgestellte Tier“. Hinzu kommen dann noch soziale Aspekte. Je „höher“ der Mensch aber gegründet wird, um so schwerwiegender wird der Widerspruch von Freiheit und Selbstbestimmung auf der einen, Unfreiheit, Entfremdung und Verfallenheit auf der anderen Seite.
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