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LEXIKON

Luther

Kritik am Papsttum

Die Auswüchse des Ablasswesens, besonders durch den Dominikaner J. Tetzel, riefen bei Luther Widerspruch hervor. Er formulierte seine Bedenken in 95 Thesen, die er am 31. 10. 1517 zum Zweck einer Disputation mit Gelehrten in Wittenberg anschlagen ließ und dem Mainzer Erzbischof und dem Bischof von Brandenburg zusandte mit der Aufforderung zu einer schriftlichen Gegenäußerung. Luthers Thesen fanden eine ungeahnt weite Verbreitung. Schon 1518 erhoben der Erzbischof von Mainz und die Dominikaner Klage in Rom. Im Verhör durch den Kardinallegaten T. Cajetan de Vio im Oktober 1518 zu Augsburg lehnte Luther einen Widerruf ab. Auf der Leipziger Disputation im Juli 1519 zwischen J. Eck und A. Karlstadt lehnte Luther die Irrtumslosigkeit der allgemeinen Konzilien ab. Aus seiner Rechtfertigungsverkündigung ergab sich die Kritik am Papsttum, das sich nach Luthers Auffassung über den klaren Wortlaut der Schrift hinwegsetzte. Die Bulle „Exsurge Domine“ vom 15. 6. 1520 forderte seine Unterwerfung. Luther antwortete mit der Veröffentlichung seiner 3 großen Programmschriften „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ (August 1520), „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ (Oktober 1520) und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (November 1520), durch die er den größten Teil des Volkes für sich gewann. Die päpstliche Bulle seiner Verurteilung übergab er am 10. 12. 1520 feierlich der Verbrennung.
Luther verurteilt Ablasshandel
Luther verurteilt Ablasshandel
Martin Luther wendet sich 1517 an den Erzbischof von Mainz und beklagt sich über den kirchlichen Ablasshandel, der die Ungebildeten täusche:

Es wird umhergeführt der päpstliche Ablass unter Ew. Kurfürstlichen Gnaden Namen zum Bau von Sankt Peter.

Ich will dabei gar nicht über der Ablassprediger großes Geschrei Klage führen, das ich nicht gehört habe. Aber ich beklage die falsche Auffassung, die das arme, einfältige, grobe Volk daraus entnimmt und die jene Prediger allenthalben marktschreierisch rühmen. Denn die unglücklichen Seelen glauben infolgedessen, wenn sie nur Ablassbriefe lösen, seien sie ihrer Seligkeit sicher; weiter glauben sie, dass die Seelen ohne Verzug aus dem Fegefeuer fahren, sobald man für sie in den Kasten einlege; diese Ablassgnade sei ferner so kräftig, dass keine Sünde so groß sein könne, dass sie nicht erlassen und vergeben werden könnte
, und hätte einer selbst (das sind ihre Worte) die Mutter Gottes geschändet; endlich soll der Mensch durch diesen Ablass frei und loswerden von aller Pein und Schuld.

Ach lieber Gott, so werden die eurer Sorge anvertrauten Seelen, teurer Vater, zum Tode unterwiesen, und so wächst immer die schwere Verantwortung, die ihr über alle werdet ablegen müssen. Darum habe ich nicht länger davon schweigen können. Denn der Mensch wird durch keines Bischofes Geschenk seiner Seligkeit gewiss, da er ihrer ja nicht einmal durch das Geschenk der göttlichen Gnade versichert wird...Warum machen sie also Fabeln vom Ablass,...wo doch der Ablass den Seelen nichts nützt?"
  1. Einleitung
  2. Kritik am Papsttum
  3. Wartburgaufenthalt und Bauernkriege
  4. Weitere Ausbreitung der reformatorischen Ideen
  5. Luthers Theologie und kulturhistorische Wirkung
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