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LEXIKON

Ludwig XIV.

Ludwig XIV. (König von Frankreich)
Ludwig XIV. (König von Frankreich)
König von Frankreich 16431715, * 5. 9. 1638 St.-Germain-en-Laye,  1. 9. 1715 Versailles; Sohn von Ludwig XIII. Ludwig führte das französische Königtum auf den Gipfel seiner Macht und wurde durch die prunkvolle Hofhaltung in Versailles zur Symbolfigur des europäischen Absolutismus
Im Glanze des Sonnenkönigs
Im Glanze des Sonnenkönigs
Herzog Louis de Rouvroy Saint-Simon (* 1675,  1755), Großvater des Sozialtheoretikers Claude Henry de Saint-Simon, lebte als Mitglied des Regentschaftsrates zeitweise am Hofe Ludwigs XIV. In seinen Memoiren schildert er die Persönlichkeit des Herrschers:

Man muss es offen sagen: der König war weniger denn mittelmäßig begabt, aber sehr bildungsfähig. Er war ruhmsüchtig und hielt auf Ordnung und Gesetz. Er besaß natürlichen Verstand, war mäßig, verschwiegen, Herr seiner Bewegungen und seiner Sprache, und - so sonderbar es klingen mag - im Kern seines Wesens gütig und gerecht...
Aus allem geht hervor, dass man Grund genug hat, jene gräuliche Erziehung beklagen, die ihr Ziel darin sah, Geist und Herz des Monarchen zu vergiften. Ebenso jene nichts würdige Götzendienerei vor dem Fürsten und die grausame Politik seiner Minister, die ihn immer unerreichbarer machte. Um ihrer Größe, ihrer Macht und ihres Glückes willen lagen sie ihm beständig in den Ohren mit Schmeicheleien über seine Macht, seine Größe, seinen Ruhm. Sie waren sein Verderb... Eifersüchtig wachten sie darüber, dass keine seiner Tugenden Früchte trug. Der Fürst und sein Land waren ihr Opfer...
In allem liebte er Glanz, Verschwendung, Fülle. Es war wohlberechnet, dass er die Sucht, ihm hierin nachzueifern, in jeder Weise begünstigte. Er impfte sie seinem ganzen Hofe ein. Wer alles draufgehen ließ für Küche, Kleidung, Wagen, Haushalt und Spiel, der gewann sein Wohlwollen.
Um solcher Dinge willen redete er die Leute an.
Indem er so den Luxus gewissermaßen zur Ehrensache und für manche zur Notwendigkeit machte, richtete er nacheinander alle zugrunde, bis sie schließlich einzig und allein von seiner Gnade abhingen. So befriedigte er seinen Hochmut und seinen Ehrgeiz.
Sein Hof war blendend, und die Rangunterschiede verschwanden in einem allgemeinen Wirrwarr. Er hatte dem Land damit eine Wunde geschlagen, die wie ein Krebsschaden an allem frisst. Vom Hofe aus hat die Verschwendungssucht Paris, die Provinzen, das Heer ergriffen. Man schätzt einen jeden, der eine gewisse Stellung einnimmt, nur noch nach seinem Aufwand in Küche und Haus ein. Wer Gelegenheit zu Stehlen hat, stiehlt infolgedessen, um die Ausgaben seines Haushalts bestreiten zu können. Die Not zwingt ihn dazu. Es existiert im Grunde kein Rangunterschied mehr. Alle Stände sind in heillosem Durcheinander. Der Hochmut wächst ins Ungemessene. Die Folgen sind nicht abzusehen. Untergang und Umwälzung sind im Anzuge.
Prunk am Hofe Ludwigs XIV.
Prunk am Hofe Ludwigs XIV.
Frankreichs König Ludwig XIV. (16431715) gilt als die Inkarnation des Absolutismus. Sein höfisches Gepränge, das Zeremoniell, der Aufwand und der zur Schau gestellte Reichtum werden zum Vorbild der europäischen Herrscher. 1682 beschreibt Pfalzgräfin Charlotte in einem Brief die Empfänge:

Alle Montag, Mittwoch und Freitag ist Jour d'Apartement. Da versammeln sich alle Mannsleute vom Hof in des Königs Antichambre und alle Weiber um sechs Uhr in der Königin Kammer. Hernach gehn alle ... in den Salon ... und von da in ein großes Kabinett, wo die Violins für diejenigen sind, die tanzen wollen. Von da geht man in eine Kammer, wo des Königs Thron ist. Da findet man allerhand Musik, Konzerte und Stimmen ... Von da geht man in eine Kammer, wo mehr als 20 Tische stehen mit grünen Samtteppichen, um allerhand Spiele zu spielen, ... von da in eine andere Kammer, wo vier lange Tische, wo die Kollation ist, allerhand Sachen, Obstkuchen, Konfitüren. Das sieht eben aus ... wie am Christkinderabend. Von da geht man in eine Kammer, wo auch vier andere Tafeln stehen, worauf viele Karaffen mit Gläsern stehen und allerhand Weine und Liköre .... Dieses währt von sechs bis zehn Uhr, bis man zum Nachtessen geht ... Wenn ich euer Lieben aber jetzt erzählen sollte, mit was für Pracht alle diese Kammern möbliert sind und welche Mengen von Silbergeschirr darinnen, würde ich nimmer aufhören."

(„Sonnenkönig“, französisch Roi Soleil).

Der absolute Monarch

Nach dem Tod seines Vaters 1643 stand Ludwig zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich, deren leitender Minister, Kardinal J. Mazarin, die Staatsgeschäfte bis zur Regierungsübernahme durch den jungen König 1661 führte. Im Innern gelang Ludwig eine Zentralisierung der staatlichen Macht und Verwaltung. Dabei unterstützten ihn fähige Minister und Generale, die die Regierungsgeschäfte vorantrieben. Besonders die durchgreifenden Reformen J. B. Colberts in der Finanzpolitk und Rechtspflege sowie die Maßnahmen zur Förderung von Industrie und Handel (Merkantilismus) erweiterten die wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten des Regenten erheblich. Den Adel band Ludwig durch Teilhabe an ein glanzvolles Hofleben, das er 1682 von Paris nach Versailles verlegte. Die prunkvolle Inszenierung der politischen Macht mit dem König als Mittelpunkt verwies auf die Konzentration der Macht auf eine Person gemäß der angeblich von Ludwig geäußerten Devise „LÉtat, cest moi“ (Der Staat bin ich).

Außenpolitische Expansionspolitik

Außenpolitisch strebte Ludwig die französische Hegemonie in Europa an. Gestützt auf angebliche Ansprüche durch seine Ehe mit der spanischen Prinzessin Maria Theresia begann er den Devolutionskrieg (1667/1668) gegen die Spanischen Niederlande: Frankreich erhielt Lille und 11 weitere Festungen an der französisch-niederländischen Grenze. Im Holländischen Krieg 16721678 konnte die Freigrafschaft Burgund gewonnen werden. Ludwig rechtfertigte seine Eroberungen in der Folgezeit als Reunionen, als Wiedervereinigungen mit angeblich altfranzösischen Gebieten. So annektierte Frankreich Teile von Elsaß und Lothringen. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 16881697 verwüsteten französische Truppen die Pfalz. Nun traten alle bedeutenden westeuropäischen Staaten zu einem Bündnis gegen Frankreich zusammen, das aber die besetzten Gebiete im Elsass und Straßburg behalten konnte. Ludwigs letzter und aufwändigster Krieg war der Spanische Erbfolgekrieg 17011714, in dem er zwar seinem Enkel Philipp von Anjou die spanische Krone sichern konnte, der aber England die Vorherrschaft zur See und den Aufstieg zur Großmacht bescherte.
Die zahlreichen Kriege und die prunkvolle Hofhaltung Ludwigs, der nach dem Tod seiner spanischen Ehefrau die Marquise de Maintenon geheiratet hatte, die starken Einfuss auf die Kirchenpolitik nahm, strapazierten den Staatshaushalt immer mehr. Während Paris und Versailles aufblühten und hier Wissenschaft und Kultur Triumphe feierten, begann die Verelendung der Provinzen. Auch die Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 und die damit verbundene Beschneidung der Religionsfreiheit der Hugenotten beschleunigten den wirtschaftlichen Niedergang, da viele Hugenotten ihr Heimatland verließen, wodurch Handel und Industrie schweren Schaden nahmen. So hinterließ der König bei seinem Tod 1715 seinem Urenkel Ludwig XV. durch die militärische und finanzielle Überdehnung Frankreichs ein letztlich gefährdetes Erbe, in dem der Untergang des Ancién Regime in der Französischen Revolution bereits angelegt war.
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