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LEXIKON

Lndon

Hauptstadt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, an der Themse, rund 75 km vor ihrer Mündung in die Nordsee. London ist Residenz des britischen Königshauses und Sitz von Parlament und Regierung; ferner beherbergt die Stadt die obersten Verwaltungsbehörden und Gerichte des Landes.
Die Stadt bildet die Grafschaft Greater London mit 1579 km2 und 7,2 Mio. Einwohnern, die administrativ in 32 Boroughs und die City of London aufgeteilt ist. Der innerste Teil, die nur 2,7 km2 große City, ist die Geschäftsstadt mit der Bank von England, der Börse, dem Rathaus (Guildhall, 15. Jahrhundert), dem königlichen Opernhaus Covent Garden und der St.-Pauls-Kathedrale (17./18. Jahrhundert). Im Südosten der City am Hafenende liegt der Tower (11. Jahrhundert, erst Residenz der englischen Könige, dann Gefängnis, heute Museum; Weltkulturerbe seit 1988) mit Tower Bridge, im Südwesten und Westen das Regierungsviertel mit Buckingham Palace, Downing und Regent Street, Trafalgar Square mit Nelsonsäule, dem verkehrsreichen Piccadilly Circus, Westminster Abbey (Krönungs- und Begräbnisstätte der Könige von England; Weltkulturerbe seit 1987) und den Parlamentsgebäuden Palace of Westminster mit der Westminster Hall und Glockenturm (Glocke Big Ben) sowie dem St. James Palace (16. Jahrhundert) und der Royal Albert Hall (Konzertgebäude). Im Osten der City liegen die alten Hafenanlagen mit Docks und Werften, die mittlerweile zu Büro- und Appartementhäusern umgestaltet worden sind oder modernster Architektur weichen mussten (Canary Wharf, Millennium Dome), sowie die Sternwarte von Greenwich. Bekannte Erholungsplätze im Stadtinnern sind der Hyde und Regents Park sowie Kensington Gardens mit dem Kensington Palace.
Bank of England: Staatliche Waage
Bank of England
Eine staatliche Waage in der Bank von England, Illustration von 1845.
London ist das führende Kultur- und Bildungszentrum des Landes. Die University of London (gegründet 1836) zählt zu den größten europäischen Hochschulen. Daneben gibt es weitere, z. T. auch private Universitäten und andere Hochschulen mit Universitäts-Status, wie z. B. die zahlreichen Kunsthochschulen und Hochschulen für Musik und Theater. London ist Sitz zahlreicher Agenturen (z. B. Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln) und wissenschaftlicher Gesellschaften (Royal Geographical Society u. a.) und Bibliotheken, darunter die Nationalbibliothek (British Library). Zu den Museen mit Weltruf zählen Britisches Museum, Victoria and Albert Museum, National Gallery (mit einer der wertvollsten Gemäldesammlungen weltweit), Tate Gallery, Gemäldegalerie Tate Modern (2000 eröffnet), Science Museum u. a. Großer Beliebtheit erfreut sich das Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud's, ferner die botanischen Gärten Kew (Weltkulturerbe seit 2003) und der zoologische Garten. Die Stadt verfügt über zahlreiche Theater (u. a. Nationaltheater, Globe Theatre), Königliches Opernhaus, English National Opera.
London ist anglikanischer Erzbischofs- und Bischofssitz sowie katholischer Erzbischofssitz. Neben mehreren Moscheen, einigen Synagogen und einem großen Hindutempel gibt es ein jüdisches, islamisches und buddhistisches Kulturzentrum. Nach 1908 und 1948 ist London 2012 zum dritten Mal Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.
Wirtschaftlich ist London eines der bedeutendsten Handelszentren der Welt, ein internationales Finanzzentrum mit über 500 ausländischen Banken und der Börse, außerdem Kongressstadt, Medienstandort (mit Filmgesellschaften, Fernsehanstalten, Nachrichten- und Werbeagenturen) und führend im Versicherungswesen. Die wichtigsten Industriebranchen sind Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro- und Druckindustrie, feinmechanische, elektrotechnische, chemische und pharmazeutische Industrie, Diamantenschleifereien, Brauereien, grafische Betriebe und Verlage. Das produzierende Gewerbe wurde nach dem 2. Weltkrieg zunehmend in Stadtrandlagen mit guter Verkehrsanbindung und günstigeren Grundstückspreisen verlagert, während der gehobene Dienstleistungsbereich die Büroflächen der Innenstadt und die neuen Hochhauskomplexe im alten Hafen nutzt. Mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Einrichtungen ist London ein bedeutendes Ziel im internationalen Reiseverkehr.
Als wichtigster Verkehrsknotenpunkt Großbritanniens hat die Stadt vier internationale Flughäfen (Heathrow, Gatwick, London City Airport, Stansted) und acht Bahnhöfe für den Fernverkehr. Der Hafen, dessen Verladeeinrichtungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert themseabwärts verlagert wurden, hat durch die Erdölförderung in der Nordsee an Bedeutung gewonnen. Ein großer Teil des innerstädtischen Verkehrs wird durch U-Bahnen bewältigt; Londons U-Bahnnetz zählt zu den ältesten und längsten der Welt. Ein Autobahnring von 190 km Länge entlastet die Innenstadt vom Transitverkehr. Im Jahr 2000 wurde eine neue Fußgängerbrücke (Millenium Bridge) über die Themse errichtet.

Geschichte

Nach der römischen Landung in Britannien 43 n. Chr. entstand an der Themse die Siedlung Londinium. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts war L. Hauptstadt des Königreiches Essex, seit 604 auch Bischofssitz. Im 9. Jahrhundert besetzten dänische Eroberer die Stadt, die aber von König Alfred dem Großen zurückerobert werden konnte u. zunächst noch neben Winchester zur Hauptstadt seines Reiches wurde. Wilhelm der Eroberer ließ sich 1066 in Westminster Abbey zum König krönen. Die Einrichtung von Selbstverwaltungskörperschafen geht auf das 12. Jahrhundert zurück. 1215 bestätigte die Magna Charta die städtischen Privilegien. Sitz des englischen Herrschers wurde nicht London, sondern das benachbarte Westminster, mit dem London erst später zusammenwuchs. London selbst geriet häufig in Opposition zur Krone, widersetzte sich den absolutistischen Bestrebungen der Könige und bildete die Hauptstütze des Parlaments während der Bürgerkriege (16421646; 1648).
Der Blüte der Stadt im 16. Jahrhundert setzten 1665 die Pest und 1666 ein Großbrand ein vorübergehendes Ende, doch entwickelte sich London im Laufe des 18. und 19. Jahrhundert schnell wieder zum Handels-, Finanz- und Verkehrszentrum des Landes. Die einheitliche Verwaltung von London wurde 1888/89 mit der Schaffung der County of London erreicht. Im 2. Weltkrieg erlitt die Stadt schwere Schäden durch deutsche Luftangriffe. 2005 verübten islamistische Terroristen Anschläge auf öffentliche Verkehrsmittel in London, wobei 56 Menschen ihr Leben verloren.
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