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LEXIKON

Liturgie

Theologie
die Gesamtheit der offiziellen gottesdienstlichen Handlungen innerhalb der christlichen Kirchen. Kern der Liturgie ist die Feier des Mysteriums von Tod und Auferstehung Jesu in seinem Auftrag und durch seine Gemeinde, vollzogen in der Verkündigung seines Wortes und im Begehen der Eucharistie. Der Begriff Liturgie umfasst heute außer der katholischen Messfeier oder dem evangelischen Abendmahlsgottesdienst auch Wort- und Predigtgottesdienste und Sakramentenspendung. Eine besondere Bedeutung gewann dabei im Laufe der Jahrhunderte die Kirchenmusik zur aktiven Integration der Gemeinde in das gottesdienstliche Geschehen. Im Abendland ist die Liturgie hauptsächlich aus den beiden Wurzeln des römischen und gallikanischen Ritus erwachsen. Bis heute haben sich neben der überall verbreiteten römischen Liturgie u. a. die ambrosianische Liturgie und die mozarabische Liturgie erhalten. Bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in der römisch-katholischen Kirche keine einheitlich verpflichtende Form der Liturgie. Diese wurde erst durch die Anordnung Pius V. und Klemens VIII. geschaffen. Lange war die Ritenkongregation die oberste Behörde für alle liturgischen Fragen, seit 1988 ist es die „Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung“; für die mit Rom unierten orientalischen Kirchen die „Kongregation für die orientalischen Kirchen“. Das 2. Vatikanische Konzil brachte eine Erneuerung der Liturgie (Bedeutung der Hl. Schrift neu betont, Verwendung der Volkssprache statt des Lateinischen, aktive Mitwirkung der Gemeinde).
In der evangelischen Kirche wurde schon immer die Mitfeier der Gemeinde stark herausgestellt. Zu den liturgischen Elementen gehören hier u. a. Schriftlesung und Schriftauslegung in der Predigt und Gemeindelieder, Danksagung und Fürbitte. Die Liturgie in der evangelischen Kirche ist z. T. aus der katholischen Messliturgie hervorgegangen. Neben einer liturgischen Grundordnung bestehen im Ritus zahlreiche, auch geographische Unterschiede, die dem Ablauf des Kirchenjahres sowie individuellen Anlässen wie Taufe, Hochzeit oder Beerdigung Rechnung tragen. Seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es darüber hinaus in vielen Gemeinden Initiativen, die die zum Teil als starr empfundenen liturgischen Riten mit neuen Formen und Inhalten zu füllen versuchen.
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