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LEXIKON
 

Kriegsdichtung

epische, lyrische und dramatische Dichtung, die durch das Kriegserlebnis veranlasst wird; seit der Antike bezeugt. Die epische Kriegsdichtung gestaltet wie die dramatische meist aus größerem zeitlichem und innerem Abstand heraus. Antike Kriegsdichtung: die Epen Homers und Vergils, Lieder des Tyrtaios und Xenophon; in der germanischen Dichtung der Barditus, die Heldenepen und -lieder (Heldendichtung) des Mittelalter, z. T. die Kreuzzugsdichtung, im 15./16. Jahrhundert Volks- und Landsknechtslieder. Während die Barockdichter (Opitz, Rist, Logau und Grimmelshausen) die Schrecken des Krieges schilderten, nahm die Kriegsdichtung im 18. und 19. Jahrhundert zunehmend nationale und patriotische Färbung an (Gleim, Ramler, E. C. von Kleist, Bardendichtung, Lyrik der Befreiungskriege). Realistisch-naturalistische Gestaltung, z. T. in historisch Rückblick, bei Stendhal, Zola, L. Tolstoj, Grabbe, Raabe, Liliencron und Wildenbruch. Die Materialschlachten der beiden Weltkriege brachten neben der Kriegsverherrlichung von heroischer Schicksalsergebung und Kampfbegeisterung (E. Jünger) auch bittere Klage und leidenschaftliche Ablehnung des sinnlosen Mordens als Thema der Kriegsdichtung (E. Köppen, G. Ledig, E. M. Remarque, L. Renn, T. Plievier, N. Mailer, J. Jones); letztere fällt eher unter die ausdrücklich so bezeichnete „Antikriegsdichtung“.
 

 

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