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LEXIKON

Kreuzfahrerstaaten

als Ergebnis des 1. Kreuzzugs in Palästina und Syrien errichtete Staaten: das Königreich Jerusalem, das Fürstentum Antiochia und die Grafschaften Edessa und Tripolis. Sie waren militärisch den Muslimen unterlegen, konnten sich aber halten, weil die ständigen Kriege zwischen den islamischen Mächten es ihnen ermöglichten, das Küstenland zu besetzen und für den Nachschub offen zu halten.
Die Grafschaft Edessa wurde 1098 als erster Kreuzfahrerstaat gegründet. Unter Joscelin II. von Courtenay ( 1159) fiel sie schon 1144 gegen den islamischen Herrn von Mosul und Aleppo.
Das 1098 errichtete Fürstentum Antiochia wurde unter seinen ersten normannischen Herrschern Bohemund von Tarent ( 1111) und dessen Neffen Tankred ( 1112) durch Eroberungen gegen die Muslime und Byzanz erweitert. Sie hinterließen einen gefestigten Staat, für den aber Raimund von Poitiers 1137 dem byzantinischen Kaiser huldigen musste. 1268 erlag Antiochia, inzwischen wirtschaftlich verarmt, einem Mamlukenheer des Sultans von Ägypten.
Nicht viel später (1289) fiel Tripolis, seit Bohemund IV. von den Fürsten Antiochias mitregiert; es war 1109 als letzter der Kreuzfahrerstaaten errichtet und Bertrand von St. Gilles als vasallitische Grafschaft des Königreichs Jerusalem verliehen worden.
Unter Balduin I., dem ersten König von Jerusalem (1100), und seinen nächsten Nachfolgern Balduin II. (11181131), Fulko von Anjou (11311143) und Balduin III. (11431162) konnte das Gebiet des Erbreichs erweitert und gegen die Sarazenen behauptet werden. 1187 besiegte Saladin die Kreuzfahrer vernichtend bei Hattin und eroberte anschließend Jerusalem. Die Christen gewannen 1191 Akko unter Führung von Richard Löwenherz zurück, der 1192 mit Saladin vertraglich die christliche Herrschaft im Küstenstrich von Tyrus bis Jaffa vereinbarte. Der (5.) Kreuzzug Friedrichs II., der sich 1229 zum König von Jerusalem krönte, brachte durch Jerusalem und weitere Gebiete wieder an die Kreuzfahrer. Die Hauptstadt ging 1244 endgültig verloren; Akko, Mittelpunkt des restlichen Königreichs, war durch innere Kämpfe geschwächt und fiel 1291. Der Rest Palästinas wurde geräumt. Kreuzzüge.
Fall von Akkon
Fall von Akkon
Abu I-Fida berichtet als Augenzeuge von der Einnahme der Kreuzfahrerfestung Akkon durch Sultan al-Malik 1291:

Die muslimischen Truppen erreichten Akkon in den Tagen des Gumada I dieses Jahres (Anfang Mai 1291), und es entbrannte eine heftige Schlacht... Im Laufe der Belagerung machten die Franken eines Nachts einen überraschenden Ausfall und griffen unsere Leute an; sie schlugen die Vorposten in die Flucht und drangen bis zu den Zelten vor, wo sie sich in Seilen verfingen; ein Ritter fiel in die Latrinengrube einiger Emire und wurde dort getötet... Am nächsten Morgen ließ al-Malik al Muzzaffar, Herr von Hama, einige Frankenköpfe an der Kruppe ihrer Pferde befestigen, die unsere Soldaten erbeutet hatten, und sie Sultan al-Malik al Asraf vorführen.

Der Belagerungsring zog sich immer enger zusammen, bis Gott ... den Angreifern erlaubte, die Stadt im Sturm zu erobern. Als die Muslime eindrangen, floh ein Teil der Bevölkerung auf den Schiffen, während viele andere sich in einigen befestigten Türmen der Stadt verschanzten. Die Muslime richteten in Akkon ein ungeheures Blutbad an... Der Sultan zwang alle, die sich in den Türmen verschanzt hatten, zur Übergabe; sie kamen heraus und wurden bis auf den letzten Mann vor der Stadt enthauptet. Darauf ließ er die Stadt selbst zerstören und dem Erdboden gleichmachen...
Mit diesen Eroberungen waren alle Plätze an der Küste wieder in den Besitz des Islam zurückgekehrt, ein Ergebnis, das niemand auch nur zu hoffen und zu wünschen gewagt hatte: ganz Syrien und die Küstengebiete waren gereinigt von den Franken, nachdem sie beinahe schon Ägypten erobert und sich Damaskus und anderer Städte in Syrien bemächtigt hatten. Lob sei Gott!"
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