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LEXIKON

Joyce

[dʒɔis]

Das Hauptwerk endgültiger Bruch mit der Tradition

1915 floh Joyce vor dem Krieg nach Zürich, 1920 ging er nach Paris, wo zwei Jahre später sein Hauptwerk „Ulysses“ erschien (deutsch 1927). Der Roman wurde von Kollegen wie T. S. Eliot, E. Hemingway und A. Bennett als Meisterwerk gewürdigt und erlangte nicht zuletzt durch Probleme mit der Zensur wegen sexueller Freizügigkeit rasche Bekanntheit. Die konsequente Anwendung der im ersten Roman bereits angedeuteten Bewusstseinsstromtechnik verzichtet auf den Erzähler und bindet den Leser völlig an den inneren Monolog des Protagonisten. Das lose an die Odyssee Homers angelehnte Werk spiegelt den Ablauf eines einzigen Tages im Bewusstsein der vier Hauptprotagonisten, die sich mit eigenwilligem Humor als komplexe Charaktere präsentieren.
  • Erscheinungsjahr: 1922
  • Veröffentlicht: Irland
  • Verfasser:
    Joyce
    , James
  • Deutscher Titel: Ulysses
  • Original-Titel: Ulysses
  • Genre: Roman
In Paris erscheint die Erstausgabe des Romans »Ulysses« von James Joyce (* 1882,  1941). Das Werk gilt als stilbildend für den modernen Roman, der die kontinuierliche Erzählweise des psychologischen Romans auflöst. »Ulysses« erzählt die Erlebnisse und Erfahrungen der auftretenden Figuren nicht in der Schilderung der Geschehnisse, sondern als Bewusstseinsstrom, als inneren Monolog, als Flut von Assoziationen, die dem normalen Zeit- und Kausalablauf nicht folgen. Joyce, der besonderen Wert auf die Darstellung psychischer und unbewusster Vorgänge legt, greift auch die tiefenpsychologische Methode Sigmund Freuds auf. Der Handlungszeitraum umfasst einen einzigen Tag. Die Schilderung der Geschicke der drei Haupt- und zahlreicher Nebenfiguren entwickelt ein Bild vom Leben in der Großstadt Dublin. Aus Zensurgründen erscheint der Roman erst 1933 in den USA, 1936 in Großbritannien. Deutsche Übersetzungen erscheinen 1927 und 1976.
Im letzten Roman, „Finnegans Wake“ (1939, deutsch 1993), ging Joyce mit seinen sprachlichen und stilistischen Experimenten bis an die Grenzen der Lesbarkeit. Joyce hatte trotz verschiedener Tätigkeiten (u. a. als Privatlehrer) und der Hilfe von Verwandten und Freunden zeitlebens materielle Schwierigkeiten. Außerdem belasteten ihn die psychische Erkrankung seiner Tochter sowie ab 1917 ein Augenleiden, das ihn zeitweise fast völlig erblinden ließ. Angesichts der drohenden deutschen Besetzung ging er 1940 nach Zürich, wo er ein Jahr später starb.
  • Erscheinungsjahr: 1939
  • Veröffentlicht: Irland
  • Verfasser:
    Joyce
    , James
  • Deutscher Titel: Finnegans Wake
  • Original-Titel: Finnegans Wake
  • Genre: Roman
Der seit 1923 entstandene Roman »Finnegans Wake« von James Joyce (* 1882,  1941) gilt als eines der schwierigsten Werke der Weltliteratur. Eine einheitliche Deutung des Romans, in dem der Autor nach eigener Auskunft versucht hat, »viele Erzählungsebenen zu einem einzigen künstlerischen Zweck aufzuschichten«, ist nicht möglich. Die Mehrdeutigkeit beginnt schon beim Titel, der je nach Aussprache oder Schreibung mit »Finn ist wieder wach« (Finn again's wake), »Finnegans Totenwache« oder »Finnegans Kielwasser« (Finnegan's Wake), »Finnegans Woche« (Finnegan's Week), »Finnegans Arbeit« (Finnegan's Work) usw. übersetzt werden kann. Als »Nachtbuch« ist »Finnegans Wake« das Pendant zum sog. »Tagbuch« »Ulysses« (1922). »Finnegans Wake« wird vielfach interpretiert als alptraumhafte, mythische Universallegende der Welt in einem träumenden Bewusstsein. Die Gestalt des Tim Finnegan stammt aus einer bekannten irisch-US-amerikanischen Ballade. Eine deutsche Teilübersetzung des umfangreichen Werks erscheint 1970 unter dem Titel »Anna Livia Plurabelle«.
  1. Einleitung
  2. Jugend und Loslösung von der Heimat
  3. Frühes Schaffen
  4. Das Hauptwerk endgültiger Bruch mit der Tradition
  5. Wirkung
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