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LEXIKON

nnozenz III.

Papst 11981216, eigentlich Lothar von Segni, * 1160/61 Anagni,  16. 7. 1216 Perùgia; 1190 Kardinal. Innozenz, der auch pastorale und exegetische Werke verfasste, war vor allem ein genialer Herrscher. Die seit dem Reformpapsttum des 11. Jahrhunderts erstrebte geistlich-weltliche Führerstellung des Papsttums über die ganze Christenheit führte er auf ihren Höhepunkt. Er reformierte Kurie, Kirchenrecht und Orden und förderte die Anfänge der Bettelorden. 1209 veranlasste er den Albigenserkreuzzug. Die päpstliche Lehenshoheit konnte er auf Aragón und England ausdehnen. In die deutsche Politik griff er nach der zwiespältigen Königswahl von 1198 ein: Er entschied sich für Otto IV., unterstützte dann aber den jungen Staufer Friedrich II. Abschluss und Höhepunkt seines Pontifikats war das 4. Laterankonzil (1215).
Innozenz III.
Innozenz III.
Innozenz III.: Päpstliche Allmacht
Innozenz III.: Päpstliche Allmacht
In einem Brief an König Philipp von Schwaben formuliert Papst Innozenz III. im Jahr 1199 seinen Anspruch, über den weltlichen Herrschern zu stehen. Er beansprucht für das Papsttum eine Art Weltherrschaft:

"Dem göttlichen Gesetz gemäß werden wohl die Könige und die Priester gesalbt, aber die Könige von den Priestern, nicht die Priester von den Königen. Wer salbt, ist größer als der, welcher gesalbt wird ... Den Fürsten wird die Macht auf Erden, den Priestern aber auch die Gewalt im Himmel verliehen; jenen nur über den Leib, diesen auch über die Seele. So viel die Würde der Seele die des Leibes überragt, ebenso viel überragt die Würde des Priestertums die des Königs."
Schon bei seiner Wahl zum Papst 1198 und bei der Amtsübernahme nahm Innozenz III. kaiserliche Rechte für sich in Anspruch:
"Am Tage nach seiner Weihe nahm also der Papst vom Präfekten der Stadt Rom den Treueid entgegen und setzte ihn öffentlich durch Überreichung eines Mantels in sein Amt ein. Bis dahin war der Präfekt dem Kaiser verpflichtet gewesen und hatte von diesem Amt und Würde gehabt. Außerdem ließ sich der Papst von den Baronen der ganzen Umgegend Treue schwören und entsandte in alle Teile des Kirchenstaates seine Boten, welche die Bevölkerung für den Papst verpflichteten...
Aber auch damit gab sich der Papst noch nicht zufrieden, sondern er schickte bald nach seiner Wahl zwei Kardinäle zu Markward in die Mark, um ihn aufzufordern, die Herrschaft der Kirche anzuerkennen. Markward aber sandte Boten an den Herrn Innozenz und bat ihn für eine Reise zu ihm um sicheres Geleit, da er sich mit seiner Person, seinem Vermögen und seinem Lande dem Papste zur Verfügung stellen wollte. So schwor der Bote Rampert auf die Seele seines Herrn Markward."
Der Papst erhält England als Lehen
Der Papst erhält England als Lehen
Englands König Johann Ohneland unterwirft sich 1213 nominell Papst Innozenz III.:

Wir Johann, ... entbieten allen Christgläubigen ... unseren Gruß. Es ist unser Wille, (dass ihr erfahrt), dass wir gegen Gott und unsere Mutter, die Heilige Kirche, vielfach gesündigt und Gottes Erbarmen sehr nötig haben ... Da wir den Wunsch haben, uns vor dem zu erniedrigen, der sich für uns bis zum Tode erniedrigt hat, übertragen wir ... Gott, ... der Heiligen Römischen Kirche, und unserem Herrn Papst Innozenz und seinen katholischen Nachfolgern das ganze Königreich England und das ganze Königreich Irland mit allen Rechten und mit allem Zubehör für den Erlass unserer Sünden und derer unseres ganzen Geschlechts ... Und wir empfangen und bewahren diese Länder vor Gott und der Römischen Kirche als Vasall ... und leisten den Treueid unserem vorerwähnten Herrn Papste Innozenz und seinen ... Nachfolgern."

Fürstenprotest gegen den Papst
Fürstenprotest gegen den Papst
Gegen die Anerkennung Ottos IV. als Gegenkönig zu Philipp von Schwaben (1202) protestierten deutsche Fürsten bei Papst Innozenz III. :

...Die Vernunft kann's nicht denken und die Einfalt nicht glauben, dass jegliches Recht gerade an der Stelle umgestoßen werden sollte, wo bisher die Rechtsgrundlage unerschüttert geblieben ist. Wer könnte auch so stumpf und verdreht sein, dass er annehmen sollte, der Wahnglaube entströme dem Orte, wo die Heiligkeit thronen soll?...

Es war ein kaiserliches Kronrecht, dass die Wahl der römischen Bischöfe nicht im Gegensatz zum Willen der römischen Kaiser ausgeübt werden durfte. Die kaiserliche Freigebigkeit aber, die stets die Ehre Gottes zu mehren und seine Kirche mit ganz besonderen Privilegien zu zieren trachtete, hat auf dies Vorrecht zu Ehren Gottes bescheiden verzichtet... Wenn die Laieneinfalt auf ein Recht, das zweifellos bestand, verzichtete, wie kann da die päpstliche Heiligkeit die Hand nach einem Recht ausstrecken, das sie niemals besessen hat?...
Euch aber, heiligster Vater, wollen wir hierdurch mitteilen, dass unsere Wahl einstimmig auf unseren erlauchtesten Herrn Philipp, den König der Römer und immerdar Augustus, gefallen ist... Darum bitten wir auch, dass ihr ihm zu gelegener Zeit... das beneficum der [Kaiser-]Weihe nicht versagt.
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