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LEXIKON

Hindenburg

Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, deutscher Offizier (1914 Generalfeldmarschall) und Politiker, * 2. 10. 1847 Posen,  2. 8. 1934 Neudeck; Reichspräsident 19251934.
Der aus einem märkischen Adelsgeschlecht stammende Hindenburg nahm als Offizier an den Kriegen 1866 und 1870/71 teil und stieg 1903 zum Kommandierenden General auf. Nach seiner Verabschiedung 1911 wurde er im Herbst 1914, nach Ausbruch des 1. Weltkriegs, in kritischer Lage reaktiviert und (mit E. Ludendorff als Generalstabschef) mit der Verteidigung Ostpreußens beauftragt. Als Sieger in den Schlachten von Tannenberg und an den Masurischen Seen erlangte er außerordentliche Popularität. Er wurde im November 1914 Oberbefehlshaber der deutschen Truppen im Osten und war seit 1916 Chef des Generalstabs des Feldheeres. Mit Ludendorff, der ihm als erster Generalquartiermeister beigegeben wurde und bestimmenden Einfluss auf ihn ausübte, bildete er die so genannte 3. Oberste Heeresleitung, die zunehmend diktatorisch in die Reichspolitik eingriff und zum Sturz des Reichskanzlers T. von Bethmann Hollwegs 1917 beitrug. Höchste Anspannung der Kriegs- und Rüstungsindustrie und Einführung eines Hilfsdienstgesetzes forderte das Hindenburgprogramm vom Herbst 1916. Im gleichen Jahr gelang Hindenburg die Niederwerfung Rumäniens, 1917 folgten Siege gegen Italien und an der russischen Front. Die Durchbruchsversuche im Westen 1918 misslangen Hindenburg jedoch. Auf Grund der mit materieller Überlegenheit geführten Gegenoffensive der Westmächte befürwortete er ein Waffenstillstandsgesuch. Er sprach sich auch für den Thronverzicht Kaiser Wilhelms II. aus. Nach dem Waffenstillstand führte Hindenburg, unterstützt von Ludendorffs Nachfolger W. Groener, das Feldheer geordnet in die Heimat zurück. Er organisierte noch den Grenzschutz im Osten, ehe er 1919 den Oberbefehl niederlegte.
Weltkrieg I: Tannenberg
Die Truppen der russischen Narew-Armee wurden 1914 bei Tannenberg von der deutschen Armee unter Hindenburg eingeschlossen und vernichtet.
Die Legende vom unbesiegten Heer
Die Legende vom unbesiegten Heer
Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg gab am 18. 11. 1919 vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Deutschen Reichstages eine Erklärung ab, in der er die These aufstellt, für das Scheitern des Krieges sei nicht das "im Felde unbesiegte" Heer, sondern die Kapitulationsbereitschaft der Träger der November-Revolution verantwortlich.

Wir wussten, was wir vom Heere, der oberen und niederen Führung, nicht zuletzt von dem Mann im feldgrauen Rock zu fordern hatten, und was sie alle geleistet haben. Aber trotz der ungeheuren Ansprüche an Truppen und Führung, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit des Feindes konnten wir den ungleichen Kampf zu einem günstigen Ende führen, wenn die geschlossene und einheitliche Zusammenwirkung von Heer und Heimat eingetreten wäre. Darin hatten wir das Mittel zum Siege der deutschen Sache gesehen, den zu erreichen wir den festen Willen hatten. Doch was geschah nun? Während sich beim Feinde trotz seiner Überlegenheit an lebendem und totem Material alle Parteien, alle Schichten der Bevölkerung in dem Willen zum Siege immer fester zusammenschlossen, ... machten sich bei uns, wo dieser Zusammenschluss bei unserer Unterlegenheit viel notwendiger war, Parteiinteressen breit, und diese Umstände führten sehr bald zu einer Spaltung und Lockerung des Siegeswillens. ... Die Sorge, ob die Heimat fest genug bliebe, bis der Krieg gewonnen sei, hat uns von diesem Augenblick an nie mehr verlassen. Wir erhoben noch oft unsere warnende Stimme bei der Reichsregierung. In dieser Zeit setzte die heimliche planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer als Fortsetzung ähnlicher Erscheinungen im Frieden ein. ... Die braven Truppen, die sich von der revolutionären Zermürbung freihielten, hatten unter dem pflichtwidrigen Verhalten der revolutionären Kameraden schwer zu leiden; sie mussten die ganze Last des Kampfes tragen. ... Ein englischer General sagte mit Recht: Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden. Den guten Kern des Heeres trifft keine Schuld. Seine Leistung ist ebenso bewunderungswürdig wie die des Offizierskorps. Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen. ... Das ist die große Linie der tragischen Entwicklung des Krieges für Deutschland nach einer Reihe so glänzender, nie da gewesener Erfolge an zahlreichen Fronten, nach einer Leistung von Heer und Volk, für die kein Lob groß genug ist."

1925 wurde Hindenburg als Kandidat der Rechten zum Reichspräsidenten gewählt. Er regierte streng verfassungsmäßig und erschien deshalb, trotz seiner monarchistischen und antiparlamentarischen Gesinnung, auch den Parteien der Mitte und der gemäßigten Linken als Ausweg vor dem Radikalismus auf beiden Seiten; so wurde er 1932 wiedergewählt. Zu Entscheidungen aufgerufen, denen seine im Grund unpolitische Natur und sein hohes Alter nicht mehr gewachsen waren, entließ Hindenburg 1932 den Reichskanzler H. Brüning, bildete das „Präsidialkabinett“ F. von Papen und ließ sich, nachdem auch dessen Nachfolger K. von Schleicher keine Reichstagsmehrheit für sein Kabinett gewinnen konnte, trotz schwerer Bedenken dazu bewegen, 1933 mit Hitler die Nationalsozialisten zur Macht zu berufen. Der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur setzte er keinen Widerstand entgegen. So unterzeichnete Hindenburg das Ermächtigungsgesetz und ließ sich von Hitler bei der Inszenierung des Tages von Potsdam am 21. 3. 1933 als Symbolfigur des Preußentums für propagandistische Zwecke missbrauchen.
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