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LEXIKON

Hldesheimer

Wolfgang, deutscher Schriftsteller, * 9. 12. 1916 Hamburg,  21. 8. 1991 Poschiavo, Schweiz; lebte 19331945 in England und Palästina; während des 2. Weltkriegs britischer Informationsoffizier, dann Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. In grotesk verfremdeter Darstellung offenbaren Hildesheimers Romane und Erzählungen die Einsamkeit und Beziehungslosigkeit im Zusammenleben der Menschen: „Lieblose Legenden“ 1952; „Tynset“ 1965; „Der Ruf in der Wüste“ 1991. Daneben verfasste er absurde Dramen („Die Verspätung“ 1961; „Nachtstück“ 1963; „Mary Stuart“ 1970), Hörspiele, Übersetzungen und Essays. Aufsehen erregte seine Mozart-Biografie („Mozart“ 1977). In den 1980er Jahren wandte sich Hildesheimer vom Schreiben ab und brachte mehrere Bände mit Collagen heraus. Georg-Büchner-Preis 1966.
  • Erscheinungsjahr: 1965
  • Veröffentlicht: Bundesrepublik Deutschland und DDR
  • Verfasser:
    Hildesheimer
    , Wolfgang
  • Deutscher Titel: Tynset
Eine Art großer Monolog mit assoziativer Reihung von Episoden und Reflexionen ist Wolfgang Hildesheimers (* 1916) Buch »Tynset«, das beim Verlag Suhrkamp in Frankfurt am Main erscheint. Der Autor bezeichnet es ausdrücklich als »kein Roman«. Ein extremer Individualist, dem fast jeder Kontakt mit der Außenwelt fehlt, verbringt schlaflose Stunden. Er leidet zutiefst am Zustand der Gesellschaft, seine Weltflucht ist Ausdruck seiner Angst »vor der Stille der Nächte, in denen jene Gestalten am Werke sind, die keine Angst verspüren«. Während seiner Monologe entsteht die Bereitschaft, »die Wirklichkeit für eine irreführende Erfindung zu halten« und sich in einem Traumbereich anzusiedeln, der eine menschlichere Daseinsform außerhalb der Gesellschaft ermöglicht.
  • Erscheinungsjahr: 1961
  • Veröffentlicht: Bundesrepublik Deutschland und DDR
  • Verfasser:
    Hildesheimer
    , Wolfgang
  • Deutscher Titel: Die Verspätung
  • Genre: Ein Stück in zwei Teilen
Die groteske Tragikomödie »Die Verspätung« von Wolfgang Hildesheimer (* 1916), die am 14. September in den Düsseldorfer Kammerspielen uraufgeführt wird, steht ebenso wie andere seiner geistreichen absurden Stücke in der Nähe von Samuel Beckett, Eugène Ionesco und Luigi Pirandello. Ein verschrobener Professor sucht den Wundervogel »Guricht« und findet ihn. Die Entdeckung enttäuscht die hoch gespannte Erwartung des Suchenden jedoch so, dass er den Verlust seiner Illusion nicht überlebt. Die absurde fixe Idee des Professors steht modell- und parabelhaft für die »Absurdität« alles menschlichen Hoffens, Fantasierens und Wünschens.
  • Erscheinungsjahr: 1963
  • Veröffentlicht: Bundesrepublik Deutschland und DDR
  • Verfasser:
    Hildesheimer
    , Wolfgang
  • Deutscher Titel: Nachtstück
  • Genre: Parabel über die Fremdheit des Menschen in der Welt
Den Einakter »Nachtstück«, der am 28. Februar in den Düsseldorfer Kammerspielen uraufgeführt wird, nennt der aus Hamburg stammende, seit 1957 in Poschiavo im Schweizer Kanton Graubünden lebende Erzähler, Dramatiker und Hörspielautor Wolfgang Hildesheimer (* 1916) eine »Parabel über die Fremdheit des Menschen in der Welt«. »Nachtstück« zeigt einen einsamen, schlaflosen, weltfremden Mann allein in einem schlossähnlichen Gebäude, das einem zwangsneurotisch abgedichteten System wie Franz Kafkas »Bau« gleicht. Ursache der Schlaflosigkeit dieses Mannes sind quälende Erinnerungen, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen: Horrorbilder einer Abscheu erregenden Welt, die die melancholische Selbstabschließung als einzige Alternative verständlich machen. Nicht aus Narzissmus, sondern aus Ekel vor dem »Entsetzlichen« draußen, vor der absurden Welt, schließt sich der Mann ein, ohne jedoch dieses »Draußen« auf Dauer aussperren zu können: Der »Einbrecher« ist immer schon da, und in Wirklichkeit ersehnt der Mann diesen Welt-»Einbruch«. Er ist eingeschlossen, fühlt sich aber zugleich ausgeschlossen: »Mich ruft niemand mehr an... Wer weiß überhaupt noch, dass ich existiere?«
  • Erscheinungsjahr: 1970
  • Veröffentlicht: Bundesrepublik Deutschland und DDR
  • Verfasser:
    Hildesheimer
    , Wolfgang
  • Deutscher Titel: Mary Stuart
  • Genre: Eine historische Szene
Am 15. Dezember wird im Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Regie von Konrad Swinarski das Theaterstück »Mary Stuart« von Wolfgang Hildesheimer (* 1916,  1991) uraufgeführt. Dem von Friedrich von Schiller idealisierten Ende der gefangen gesetzten Königin stellt Hildesheimer die absurd-groteske »Herrichtung einer Hinrichtung« gegenüber. Mary Stuart bereitet sich auf ihren letzten Auftritt vor, auf die Hinrichtung. Nur in der eigenen überhitzten Fantasie ist Mary eine »Märtyrerin«.
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