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LEXIKON

Herodt

griechisch Herodotos
griechischer Geschichtsschreiber, * um 485 v. Chr. Halikarnassos, Karien,  um 425 v. Chr. Thurioi, Unteritalien; unternahm ausgedehnte Reisen nach Persien, Ägypten,
Bau der Cheops-Pyramide
Bau der Cheops-Pyramide
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet um 450 v. Chr. über die gigantischen Arbeiten an der größten ägyptischen Pyramide. Pharao Cheops ließ sie um 2540 v. Chr. in 20jähriger Bauzeit unter großen Opfern seines Volkes als Grablege errichten:

"Aber Cheops stürzte das Land ins größte Unglück. Er schloss nämlich alle Tempel und hinderte die Leute zunächst am Opfern. Dann zwang er alle Ägypter dazu, für ihn zu arbeiten. Die einen mussten Steinblöcke aus den Steinbrüchen im arabischen Gebirge bis an den Nil schleppen. Nachdem die Blöcke auf Schiffen über den Fluss geschafft waren, trug er den anderen auf, sie zu übernehmen und bis zu den libyschen Bergen weiterzuschleifen. Zu je 100 000 Menschen arbeiteten sie gruppenweise daran, jede Gruppe drei Monate. Zehn Jahre gingen für das fronende Volk dahin, allein durch den Bau der Straße, auf der sie die Steine beförderten ...
An der Pyramide selbst ist in ägyptischer Schrift angegeben, wie viel Geld man auf Rettich, Zwiebeln und Knoblauch für die Arbeiter ausgegeben hat. Wenn ich mich recht an die Summe erinnere, die der Dolmetscher mitteilte, so waren es 1600 Silbertalente. Wenn das stimmt, welche Unsummen müssen da erst für Eisen aufgewendet worden sein, mit dem sie arbeiteten? Wie viele Mengen an Lebensmitteln und Kleidung für die Schaffenden? ...
Cheops ging in seiner Schlechtigkeit so weit, dass er aus Geldmangel die eigene Tochter in ein Freudenhaus brachte und sie dort eine möglichst hohe Summe Geld verdienen ließ."
Babylonien und an das Schwarze Meer. Das reiche historische und ethnographische Material verwendete er mit großer Erzählkunst in seinen neun Büchern der Geschichte, darunter eine Beschreibung der Perserkriege
Griechen siegen bei Marathon
Griechen siegen bei Marathon
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet in seinen Historien über den großen Erfolg der Griechen in der Schlacht bei Marathon 490 v. Chr. über die persischen Invasoren:

Miltiades ordnete das Heer zur Schlacht und stellte es folgendermaßen auf. Den rechten Flügel befehligte der Polemarchos Kallimachos ... dann folgten die Phylen, nach ihrer festgesetzten Reihenfolge geordnet, und endlich schlossen auf dem linken Flügel die Plataier die Schlachtreihe ab ... Die so geordnete Schlachtreihe der Athener bei Marathon war ebenso lang wie die medische [persische], doch war sie in der Mitte nur wenige Reihen tief, die Mitte war also am schwächsten; auf den beiden Flügeln standen die Truppen dichter.

Als die Aufstellung vollendet war und als das Opfer günstig ausfiel, stürmten die Athener auf das Zeichen zur Schlacht hin gegen die Barbaren vor. Die Entfernung zwischen beiden Heeren betrug nicht weniger als acht Stadien. Die Perser sahen die Athener im Laufschritt nahen und rüsteten sich, sie zu empfangen. Sie hielten es für ein ganz tolles selbstmörderisches Beginnen, als sie die kleine Schar heranstürmen sahen, die weder durch Reiterei noch durch Bogenschützen gedeckt wurde. Aber während die Barbaren solche Gedanken hegten, kamen schon die Haufen der Athener heran, der Kampf begann und sie hielten sich wacker ... Der Kampf bei Marathon währte lange. In der Mitte des Heeres siegten die Barbaren, dort stand der persische Stamm selber und der Stamm der Saken. Dort blieben also die Barbaren Sieger, durchbrachen die Reihen der Feinde und verfolgten sie landeinwärts. Auf den beiden Flügeln siegten jedoch die Athener und Plataier. Sie ließen ihre geschlagenen Gegner fliehen und wandten sich gemeinsam gegen die, welche in der Mitte durchgebrochen waren. Dann folgten sie den flüchtenden Persern und trieben sie unter Gemetzel an den Meeresstrand. Dort riefen sie nach Feuerbränden und griffen die Schiffe an. Sieben Schiffe wurden von den Athenern erobert. Mit den übrigen stachen die Barbaren in See, nahmen die auf der Insel zurückgelassenen Sklaven aus Eritrea an Bord und segelten um Sunion herum, um vor dem athenischen Heer die Stadt Athen zu erreichen ... Die Athener aber eilten, so schnell die Füße tragen wollten, zu ihrer Stadt und langten dort wirklich eher an als die Barbaren."
bis 479. Das Streben nach historischer Wahrheit, nach Ordnung und Verarbeitung der Nachrichten macht ihn zum Begründer der kritischen Geschichtsschreibung.
Das erste Lob der Monarchie
Das erste Lob der Monarchie
In seinen Historien stellt der griechische Geschichtsschreiber Herodot in Form einer fiktiven Debatte erstmals in der Literatur die Frage nach der besten Herrschaft:

[Otanes plädiert für die Herrschaft des Volkes:] ... , denn auf der Masse beruht der ganze Staat.

[Dagegen verteidigt Megabyzods die Vorzüge der Oligarchie:]: ...Es gibt nichts Unverständigeres und Hochmütigeres als die blinde Masse... Es ist doch klar, das von den Adligsten auch die edelsten Entschlüsse ausgehen.
[Dareios als Verfechter der Monarchie:] Was Megabyzos gegen die Masse gesagt hat, billige ich, nicht aber, was er über die Oligarchie sagt.
Drei Verfassungen sind möglich; nehmen wir sie alle in ihrer höchsten Vollendung an, stellen wir uns also die vollkommene Demokratie, die vollkommene Oligarchie und die vollkommene Monarchie vor, so verdient die letztere, behaupte ich, bei weitem den Vorzug. Es gibt nichts Besseres, als wenn der Beste regiert. Er wird untadelig für sein Volk sorgen, und Beschlüsse gegen Feinde des Volkes werden am besten geheim gehalten werden. In der Oligarchie, wo viele sich um das Allgemeinwohl verdient machen wollen, pflegt es zu heftigen Privatfehden zu kommen. Jeder will der Erste sein und seine Meinung durchsetzen; so verfehden sie sich aufs ärgste miteinander, Unruhen entstehen, und in den Unruhen kommt es zu Mordtaten. Das pflegt dann wieder zur Monarchie zu führen, und man sieht daraus, dass sie doch die beste Verfassung ist. Herrscht dagegen das Volk, so kann es nicht ausbleiben, dass Schlechtigkeit und Gemeinheit sich einstellen.
Drängt sich aber die Schlechtigkeit in die Sorge um die Allgemeinheit, so kommt es zwar nicht zu Fehden unter diesen Schlechten, aber umgekehrt zu festen Verbrüderungen. Sie verschwören sich gleichsam, um den Staat auszubeuten. Das dauert solange, bis ein Führer dem Treiben ein Ende macht... So zeigt sich auch hier wieder, dass die Monarchie die beste Verfassung ist... Und überhaupt sollen wir die überlieferte Verfassung nicht umstoßen. Das ist von Übel!
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