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LEXIKON

Herder

Herder, Johann Gottfried
Johann Gottfried Herder
Johann Gottfried von (seit 1802), deutscher Kulturphilosoph, Dichter und Theologe, * 25. 8. 1744 Mohrungen, Ostpreußen,  18. 12. 1803 Weimar; studierte Theologie, Medizin und Philosophie in Königsberg, wo er Schüler von J. G. Hamann und I. Kant war; lebte 17641769 als Lehrer und Prediger in Riga, reiste 1769 nach Nantes und Paris („Journal meiner Reise im Jahre 1769“); hielt sich 1770/71 in Straßburg auf, wo er Goethe begegnete und beeinflusste; seit 1773 verheiratet mit C. Flachsland, seit 1776 durch Vermittlung Goethes als Generalsuperintendent in Weimar, 1801 Präsident des Oberkonsistoriums.
Herder trat zuerst mit kritischen Abhandlungen zur Kunst und Literatur hervor. Später befasste er sich verstärkt mit theologischen, geschichtsphilosophischen und philosophischen Problemen. Herder war ein Anreger des Sturm und Drang, Wegbereiter der deutschen Klassik; er legte die geistigen und stofflichen Grundlagen zur Romantik. Kennzeichnend für sein Denken ist ein historisches Bewusstsein, das Natur und Geschichte als Zusammenhang und in einem Fortschritt zu immer größerer Harmonie begreift. Höchstes Ideal und Ziel aller Entwicklung sei die Humanität („Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ 17841791). Seine Sprachphilosophie und Theorie der Sprachentstehung führte Herder u. a. zur Beachtung der Volksdichtung.
Bedeutend war Herder auch als Übersetzer (schottische „Edward“-Ballade; spanischer Romanzenzyklus „Der Cid“ 1805). Sämtliche Werke: Historisch-kritische Ausgabe, hrsg. von B. Suphan, 33 Bde. 18771913, Nachdruck 1967/68; Werke, 11 Bde. 1999; Gesamtausgabe der Briefe, 15 Bde. 1977ff.
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