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LEXIKON

Hellensmus

[
griechisch hellenismos, „das Griechisch-Reden“, allgemein „Griechisch-Sein“
]
von der Geschichtswissenschaft geprägter Begriff (zuerst bei J. G. Droysen) für die Zeit, in der das Griechentum Weltgeltung errang. Die griechische Kultur des klassischen Hellas, die durch die Eigenart der Stadtstaaten (Polis) geprägt und nur auf diese bezogen war, drang in der Epoche Alexanders des Großen und seiner Nachfolger weit über die Grenzen und Einflussgebiete Griechenlands hinaus und gewann dabei neue charakteristische Züge. Als typische Merkmale des Hellenismus gelten die Wendung zu kosmopolitischem Denken und eine hoch entwickelte Zivilisation. Vermehrung von Produktion und Wohlstand, Ausweitung von Handel, Bank- und Börsengeschäft und Pflege des Kriegswesens standen neben Proletarisierungstendenzen und sozialen Spannungen, besonders in dem jetzt verarmenden Griechenland. Die Verkehrs- und Kultursprache war Griechisch. Literatur und Kunst verloren ihre klassische Ausgeglichenheit und pflegten sowohl die monumentale wie die idyllisch-kleine Form. Eine Verschmelzung von griechischem, orientalischem und jüdischem Gedankengut bestimmte Religion und Philosophie. Die Lehren der epikureischen Schule, der Stoa und der Skeptiker ließen die Theorie zurücktreten hinter das ethisch-praktische, auf das Wohl bzw. die Erhaltung des Menschen bedachte Interesse. Mit dem Eindringen jüdischen Denkens in die hellenistische Gedankenwelt bereitete sich die große Endphase der antiken Philosophie vor, die durch die Weiterbildung Platons im Neuplatonismus und durch ein religiöses Heilswissen auf gnostischer Grundlage bestimmt war. Den Wissenschaften, die ihre Pflegestätten in den großen Kulturzentren Alexandria, Athen, Pergamon, Antiochia und Rhodos fanden, verhalf ein neuer Rationalismus zu überwältigender Blüte.
Das Zeitalter des Hellenismus dauerte von den Eroberungszügen Alexanders des Großen (seit 334 v. Chr.) bis zum Untergang des ägyptischen Ptolemäerreichs (30 v. Chr.). Das Reich Alexanders des Großen und das das folgende Zeitalter bestimmende Ziel Alexanders, die heterogenen Teile zu einem einheitlichen Weltreich zu verschmelzen, wurden zur politischen Grundlage des Hellenismus. Die Nachfolger Alexanders (Diadochen) teilten das Erbe auf, und es entstanden hauptsächlich die drei großen hellenistischen Reiche der Ptolemäer, Seleukiden und Antigoniden; daneben bildeten sich verschiedene größere und kleinere Reiche und Monarchien von teilweise nur kurzem Bestand, unter denen besonders Pergamon und die Seerepublik Rhodos zu nennen sind. Der militärischen, waffentechnischen und diplomatischen Überlegenheit der Römer waren die hellenistischen Reiche nicht gewachsen und wurden nach und nach römisch: Makedonien 168 v. Chr., Griechenland 146 v. Chr., das zusammengeschmolzene Reich der Seleukiden (hauptsächlich nur noch Syrien) 64 v. Chr., Rhodos 42 v. Chr., Ägypten 30 v. Chr. Aber auch in der politischen Zerrissenheit wurde der einheitliche Kulturcharakter bewahrt, und die hellenistischen Elemente wirkten in der Kultur der Sieger nach.
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