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LEXIKON

Heimatliteratur

Heimatroman
Sammelbezeichnung für literarische Texte, in denen eine Schilderung des heimatlichen, meist ländlichen Lebens unter Betonung der regionalen Eigenart stattfindet; Heimatliteratur kam als Gattung an der Wende zum 19. Jahrhundert auf; sie stand im Zusammenhang mit der Heimatkunstbewegung, die sich besonders gegen den im Naturalismus vertretenen Kulturanspruch der Großstadt wendete; der Terminus selbst ist jedoch erst seit den 1970er Jahren gebräuchlich.
Die Entwicklung der Heimatliteratur verlief von der realistischen Dorfgeschichte und dem Bauernroman des 19. Jahrhunderts (Jeremias Gotthelf) über Idyllisierungen der bäuerlichen, oftmals alpinen Lebenswelt (Peter Rosegger, Ludwig Ganghofer) bis hin zu zivilisationskritischen, teilweise präfaschistischen Romanen (Hermann Löns), die in die Blut-und Boden-Literatur mündeten. Nach 1945 wurde einerseits nüchtern die „verlorene Heimat“ thematisiert, andererseits unterstützt durch die populären Heimatfilme wiederum eine sentimental-harmonisierende Spielart gepflegt. In den 1960er und 1970er Jahren entstand eine sog. Anti-Heimatliteratur, die ironisch-sozialkritisch auf die Topoi der konventionellen Heimatliteratur zurückgriff (Thomas Bernhard, Franz Xaver Kroetz); diese Form erlebte zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Renaissance (Andreas Maier, Andrea Maria Schenkel).
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