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LEXIKON

Hardenberg

Hardenberg, Karl August von
Karl August von Hardenberg
Karl August Reichsfreiherr, seit 1814 Fürst von, preußischer Politiker, * 31. 5. 1750 Essenrode bei Gifhorn,  26. 11. 1822 Genua (Italien); trat 1790 in den preußischen Staatsdienst ein. 18041806 Außenminister und AprilJuni 1807 leitender Minister; auf Weisung Napoleons entlassen. Von 1810 bis zu seinem Tode war er als Staatskanzler der maßgebende Leiter der preußischen Politik.
Revolution im guten Sinn
Revolution im guten Sinn
Aus der in Riga an 12. Sept. 1807 verfassten Denkschrift des Freiherrn v. Hardenberg. Über die Organisation des Preuß. Staats:

Die Französische Revolution... gab den Franzosen unter Blutvergießen und Stürmen einen ganz neuen Schwung. Alle schlafenden Kräfte wurden geweckt, das Elende und Schwache, veraltete Vorurteile und Gebrechen wurden - freilich zugleich mit manchem Guten - zerstört ...

Der Wahn, dass man der Revolution am sichersten durch Festhalten am Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze entgegenstreben könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu befördern und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben. Die Gewalt dieser Grundsätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, dass der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange oder der erzwungenen Annahme derselben entgegensehen muss...
Also eine Revolution im guten Sinn, gerade hinführend zu dem großen Zwecke der Veredelung der Menschheit, durch Weisheit der Regierung und nicht durch gewaltsame Impulsion von innen oder außen, - das ist unser Ziel, unser leitendes Prinzip. Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung: dieses scheint mir die angemessenste Form für den gegenwärtigen Zeitgeist...
Mit eben der Kraft und Konsequenz, womit Napoleon das französische revolutionäre System verfolgt, müssen wir das unsrige für alles Gute, Schöne, Moralische verfolgen, für dieses alles, was gut und edel ist, zu verbinden trachten. Ein solcher Bund..., und Preußen an der Spitze könnte die größte Wirkung hervorbringen und wäre für dieses die mächtigste Allianz.
Hardenberg strebte Reformen nach dem französischen Vorbild, nicht aber einen liberalen Verfassungsstaat an. Die Finanzedikte von 1810 zielten auf Vereinheitlichung des Finanz- und Steuerwesens und Beseitigung feudaler Privilegien, das Regulierungsedikt von 1811 auf die Bauernbefreiung. 1810 führte Hardenberg die Gewerbefreiheit ein, 1812 folgte die Judenemanzipation. Er vertrat sein Land geschickt auf dem Wiener Kongress. Im Bund und in der Heiligen Allianz konnte er weitgehend die Gleichberechtigung Preußens durchsetzen. Seit den Karlsbader Beschlüssen nahm sein Einfluss deutlich ab.
Hardenberg gilt neben Freiherr von Stein als der führende Repräsentant der preußischen Reformzeit. Der Widerstand feudaler Kräfte gegen die Finanzreform und die Bauernbefreiung verhinderte die volle Realisierung seiner Pläne.
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