wissen.de
Total votes: 122
LEXIKON

Griechenland

Die Entwicklung seit Ende des 2. Weltkriegs

1947 starb König Georg II. (19221924, 19351947). Nachfolger wurde sein Bruder Paul I. 1952 trat Griechenland der NATO bei. Bis Anfang der 1960er Jahre hatten im Parlament konservative Parteien die Mehrheit. Ein Assoziierungsabkommen mit der EG sollte 1961 den wirtschaftl. Aufbau des Landes beschleunigen. Nach dem Tod Paul I. wurde sein Sohn Konstantin II. 1964 König. Als der linksbürgerliche Ministerpräsident Georgios Papandreou die Armee einer stärkeren Kontrolle unterziehen wollte, wurde er vom König 1965 entlassen. Nach einem Militärputsch regierte ab 1967 Oberst Georgios Papadopoulos diktatorisch und schaffte 1973 die Monarchie ab, ehe er im gleichen Jahr gestürzt wurde. In der Folge einer Krise um Zypern gab die Militärregierung 1974 die Macht in zivile Hände zurück.
Papadopoulos, George
George Papadopoulos
George Papadopoulos während einer Parade der Armee
Griechenland wurde demokratische Republik, die bis 1980 von Konstantin Karamanlis (ND) regiert wurde. 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. 19811989 und 19932004 regierte die sozialdemokratische PASOK unter den Ministerpräsidenten Andreas Papandreou und Konstantin (Kostas) Simitis. 2001 erfolgte der Beitritt Griechenlands zur Eurozone. 2002 gelang den Sicherheitsbehörden die Ausschaltung der linken Terrororganisation 17. November. In der Außenpolitik standen die Frage der EU-Mitgliedschaft Zyperns, das Verhältnis zur Türkei sowie die Stabilität im Balkanraum im Vordergrund. Nach elf Jahren in der Opposition konnte die konservative Neue Demokratie 2004 wieder die Wahlen gewinnen. Konstantin Karamanlis, ein Neffe des früheren Ministerpräsidenten, wurde neuer Regierungschef. Seine Regierung beschloss weitgehende Sozial- und Wirtschaftsreformen. Unkorrekte Angaben der Vorgängerregierung zu den Euro-Stabilitätskriterien führten zu Konflikten mit der EU. Das Parlament wählte 2005 Karolos Papoulias (PASOK) zum neuen Staatspräsidenten. Nach verheerenden Waldbränden im Sommer 2007 gerieten die staatlichen Behörden aufgrund ihres mangelhaften Krisenmanagments in die öffentliche Kritik. Trotzdem konnte die regierende ND unter Führung von Karamanlis vorgezogene Parlamentswahlen im September 2007 mit knapper Mehrheit für sich entscheiden. Nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers, der von einer Kugel aus einer Polizeiwaffe getroffen wurde, kam es im Dezember 2008 in vielen griechischen Städten zu Unruhen und Ausschreitungen. Damit einher gingen Proteste gegen die Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung. Vor dem Hintergrund der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise und angesichts schlechter Umfragewerte für die Regierung wurden am 4. 10. 2009 vorgezogene Parlamentswahlen abgehalten, die von der PASOK unter Führung von Georgios Papandreou klar gewonnen wurden. Papandreou löste Karamanlis im Amt des Regierungschefs ab. 2010 wurde Papoulias erneut zum Präs. gewählt. Nach jahrelangen Falschangaben zum Staatshaushalt erwies sich, dass Griechenland von der weltweiten Krise stärker betroffen war als andere Staaten. Die hohe Verschuldung (für 2009 mit 15, 4 % des BIP beziffert) steigerte die Gefahr eines unkontrollierten Staatsbankrotts. Am 23. 4. 2010 beantragte das Land EU-Finanzhilfe. Die EU und der IWF beschlossen umfangreiche Hilfsprogramme in Höhe von 110 Milliarden Euro. Im Gegenzug verpflichtete sich die Regierung zu strikten Sparmaßnahmen. So wurden u. a. regelmäßige Sonderzahlungen an Staatsbedienstete und Angestellte von Staatsunternehmen und Rentner drastisch gekürzt, ebenso die Arbeitslosenunterstützung. Das Renteneintrittsalter wurde erhöht. Die Mehrwertsteuer sowie Steuern auf Benzin, Alkohol und Tabak wurden angehoben. Im Zusammenhang mit der Sparpolitik der Regierung kam es zu massiven Protesten und Streiks. Drei Menschen starben, als am 5. 5. 2010 am Rand einer Demonstration in Athen Molotowcocktails in eine Bankfiliale geworfen wurden. Am 16. 12. 2010 verabschiedete das Parlament den Haushalt für das Jahr 2011, der abermals drastische Einsparungen vorsah. Gleichwohl nahm das Risiko des Staatsbankrotts in der Folgezeit zu. Für weitere Auszahlungen aus dem 2010 verabschiedeten Hilfspaket und neue Stützungsmaßnahmen verlangten EU und IWF daher noch intensivere Sparbemühungen. Vor diesem Hintergrund bildete Papandreou am 17. 6. 2011 das Kabinett um. Mit knapper Mehrheit, 155 Parlamentarier stimmten für ihn, gewann er am 22. 6. 2011 eine Vertrauensabstimmung. Vor der Abstimmung über ein neues Sparprogramm versuchten die Gewerkschaften am 28./29. 6 2011 mit einem Generalstreik, Druck auf die Regierung auszuüben. In Athen kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Zahlreiche Demonstranten und Polizisten wurden verletzt. Trotz dieser Widerstände stimmte das Parlament am 29. 6. 2011 mit Mehrheit (155 Abgeordnete) für neue Einsparmaßnahmen. Am 21. 7. 2011 beschloss ein EU-Sondergipfel ein weiteres Hilfspaket von rd. 109 Milliarden Euro (inklusive freiwilliger Beiträge des Privatsektors und des IWF). Der Beschluss beinhaltete daneben niedrigere Zinssätze und längere Laufzeiten für griechische Kredite, um die Schuldentragfähigkeit des Landes zu verbessern, sowie die Forderung nach einer Wachstums- und Investitionsstrategie für Griechenland. Um die Voraussetzungen für die Auszahlung weiterer Hilfsgelder zu schaffen, beschloss das Parlament in einer Sitzung am 20. 10. 2011, die von einem neuerlichen Generalstreik sowie von Großdemonstrationen und gewalttätigen Ausschreitungen begleitet wurde, weitere scharfe Sparmaßnahmen. Am 26. 10. 2011 einigte sich ein weiterer EU-Sondergipfel für Griechenland auf einen Schuldenschnitt von 50 % und ein weiteres Hilfsprogramm von 100 Milliarden Euro. Nachdem Papandreou ein Referendum über dieses Hilfspaket angekündigt hatte, geriet er unter starken Druck der EU. Daraufhin verzichtete er auf die Referendumspläne und einigte sich mit der oppositionellen ND auf die Bildung eines Übergangskabinetts. Gleichzeitig verzichtete er auf das Amt des Regierungschefs. Neuer Ministerpräsident wurde am 11. 11. 2011 der frühere EZB-Vizepräsident L. Papademos. Neben PASOK und ND beteiligte sich auch die rechte Partei LAOS-an der Regierung. Aus Protest gegen neuerliche Sparbeschlüsse zog sich LAOS im Februar 2012 aus dem Kabinett zurück. Im März 2012 konnte Griechenland mit dem größten Teil seiner privaten Gläubiger eine Einigung über einen Schuldenschnitt erzielen, der das Land um rd. 100 Milliarden Euro entlastete. Bei den Parlamentswahlen am 6. 5. 2012 mussten die Traditionsparteien ND und PASOK schwere Verluste hinnehmen. Links- und rechtsextreme Gruppierungen konnten erhebliche Stimmengewinne verbuchen. Eine Regierungsbildung scheiterte, so dass für den 17. 6. 2012 Neuwahlen angesetzt wurden, bei denen die ND die meisten Mandate gewinnen konnte. Der ND-Vorsitzende A. Samaras bildete eine Koalition aus ND, PASOK und DIMAR. Das linkssozialistische Bündnis SYRZIA unter Führung von A. Tsipras blieb als zweitstärkste parlamentarische Kraft in der Opposition.
  1. Einleitung
  2. Natur und Klima
    1. Gebirgiges Festland
    2. Inselwelten
    3. Erdbeben und Vulkane
    4. Mittelmeerklima
  3. Bevölkerung
  4. Bildung
  5. Staat und Politik
  6. Wirtschaft und Verkehr
    1. Bedeutsame Landwirtschaft
    2. Bergbau und Industrie
    3. Erfolgsfaktor Tourismus
    4. Schwierige Verkehrserschließung
  7. Geschichte
    1. Altertum
    2. Osmanische Herrschaft und Unabhängigkeit
    3. Die Entwicklung seit Ende des 2. Weltkriegs
Total votes: 122