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LEXIKON

Goethe

Karriere in Weimar, 1. Italienische Reise und Hinwendung zur Klassik

1775 berief Karl August, der Herzog von Sachsen-Weimar, Goethe nach Weimar. Hier wurde Goethe 1776 Geheimer Legationsrat, 1779 Geheimer Rat (d. h. Mitglied der Regierung), 1782 Präsident der Finanzkammer und vom Kaiser geadelt, weitere administrative Tätigkeiten waren u .a.: Direktor des Wegebaus und des Bergbaus, Kriegskommissär und Fürstenerzieher. Die Freundschaft und Liebe zur sieben Jahre älteren Charlotte von Stein, der Gattin des herzoglichen Oberstallmeisters, beeinflussten ihn nachhaltig und bewirkten literarisch eine Abkehr vom Sturm und Drang. Zwischen beiden entstand ein umfangreicher Briefwechsel, der Goethe zu zahlreichen Gedichten inspirierte („Grenzen der Menschheit“, „An den Mond“, „Wanderers Nachtlied“). Er begann mit der Arbeit an den Schauspielen „Iphigenie“ (Prosafassung 1779) und „Torquato Tasso“ sowie mit dem Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, der in dieser ersten Fassung Fragment blieb. Die großen beruflichen Belastungen verhinderten jedoch den Abschluss all dieser literarischen Entwürfe. Daneben begann Goethe mit ersten naturwissenschaftlichen Studien, 1784 entdeckte er den menschlichen Zwischenkieferknochen, der als letztes fehlendes Glied in der Abstammungslehre die Verbindung zwischen Mensch und Tier beweist. Goethes Aufbruch im Herbst 1786 zur Italienreise war Flucht aus der Überbeanspruchung durch amtliche und persönliche Bindungen. Der Aufenthalt (vorwiegend in Rom, auch Reisen bis nach Sizilien) bis zum Sommer 1788 brachte durch Beschäftigung mit antiker und italienischer Kunst die entscheidende Wendung zur Klassik (Humanitätsidee, Harmoniestreben, formale Strenge). Unter dem Eindruck antiker Ästhetik beendete Goethe während des Italienaufenthaltes den „Egmont“ (1788), arbeitete die Prosafassung der „Iphigenie“ sowie den „Tasso“ in Blankverse um und entwarf die „Römischen Elegien“.
  1. Einleitung
  2. Ausbildung und literarische Anfänge
  3. Dichter des Sturm und Drang
  4. Karriere in Weimar, 1. Italienische Reise und Hinwendung zur Klassik
  5. 2. Italienische Reise
  6. Goethe und Schiller
  7. Goethes Spätwerk
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