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LEXIKON

Friedrich II.

Friedrich der Große

Preußen wird Großmacht

Schon kurz nach seiner Regierungsübernahme 1740 fiel Friedrich, die Schwierigkeiten Österreichs nach dem Tod Karls VI. ausnutzend, unter dem Vorwand alter Erbansprüche im Bund mit Sachsen und Frankreich in Schlesien ein (Schlesische Kriege, Österreichischer Erbfolgekrieg), das er eroberte und dessen Besitz er sich von Maria Theresia im Frieden von Dresden 1745 bestätigen ließ. 1744 war ihm durch Erbschaft Ostfriesland zugefallen.
Die Annäherung an England (Westminster-Konvention 1756) führte zum „Umsturz der Bündnisse“, nämlich zu der von Friedrich nicht vorausgesehenen Einigung Österreichs mit Frankreich, Russland und Sachsen, die Preußen auf dem Festland isolierte und der Kriegsgefahr aussetzte.
Um einem Angriff der weit stärkeren Verbündeten zuvorzukommen, fiel Friedrich in Sachsen ein und löste damit den Siebenjährigen Krieg aus. Trotz bedeutender Erfolge (1757 Siege bei Roßbach und bei Leuthen) geriet er in die Defensive und bald in äußerste Bedrängnis (1759 Niederlage bei Kunersdorf). Seine schwierige Lage wurde von den Gegnern nicht ausgenutzt und fand ihr Ende durch den Tod der Zarin Elisabeth 1762 und das völlige Umschwenken ihres Nachfolgers Peter III. („das Wunder des Hauses Brandenburg“). So konnte Friedrich sich und den eroberten Besitzstand behaupten (Friede von Hubertusburg
Verachtung gegenüber Polen
Verachtung gegenüber Polen
Österreich, Russland und Preußen teilen 1772 etwa ein Drittel des polnischen Staates unter sich auf. Das Ansehen Polens in Europa ist durch seine seit Jahrhunderten politisch instabile Lage und außenpolitische Schwäche verfallen. Noch vor der später erfolgten 1. Teilung zeichnet Friedrich II. von Preußen ein vernichtendes Bild über die Zustände in der Wahlmonarchie und stellt Überlegungen für eine Gebietserweiterung Preußens nach Osten auf Kosten Polens an.

Wie es scheint, wollen die Türken sich jetzt in die polnischen Wirren einmischen ... Polen ist kaum zu den europäischen Mächten zu zählen. Das Land ist dünn bevölkert, weil die Grundherren ihre Untertanen wie Sklaven behandeln. Das ist eine Schwäche dieser Republik. Noch viele andere Missstände tragen zu ihrer traurigen Lage bei, so die schlechte Finanzwirtschaft und die Hand voll Truppen, 13 000 Mann, die ihre Armee darstellen sollen; kurz, alle Sünden des alten Feudalsystems haben sich hier bis auf unsere Tage erhalten: die Königswahlen mit ihrem Gefolge von Bürgerkriegen, die stürmischen Reichstage, die alle der Auflösung verfallen, das Fehlen von Gesetzen und Rechtsprechung. Es ist schlechthin das Reich der Anarchie. Ohne die Eifersucht seiner Nachbarn, die mit bewaffneter Hand die Eroberungsgelüste ehrgeiziger Fürsten in den Schranken der Mäßigung halten, wäre Polen längst unterworfen. Es ist durch Parteiungen zerrissen und daher stets schwach. Solange seine jetzige Verfassung besteht, ist es für seine Feinde wenig bedrohlich und für seine Verbündeten nur eine Last. Der Adel ist im Glück hochfahrend und anmaßlich, im Unglück feig, gierig nach Bestechungsgeldern, ebenso unfähig zu herzhaften Entschlüssen wie zur Durchführung. Kurz, nach meiner Ansicht steht es unter den Völkern Europas am tiefsten ...

Sollte Russland einmal unserer Hilfe dringend bedürfen, so brächte man es vielleicht dazu, in die Abtretung von Thorn und Elbing mit Umgebung zu willigen. Dadurch würde die Verbindung mit Pommern und der Weichsel hergestellt. Das nächste Mal könnte man ein anderes Stück nehmen; Danzig müsste bis zuletzt aufgespart bleiben ..."
1763); er konnte sogar noch Westpreußen (ohne Danzig und Thorn), das Ermland und den Netzedistrikt hinzugewinnen (1. Poln. Teilung 1772), österreichische Ausdehnungspläne hingegen vereiteln (Bayerische Erbfolgekrieg 1778/79; Deutscher Fürstenbund 1785).
Mit alledem gab Friedrich Preußen den Rang einer europäischen Großmacht, hauptsächlich auf Kosten Österreichs. Seit 1772 nannte sich Friedrich nicht mehr „König in Preußen“, sondern „König von Preußen“.
  1. Einleitung
  2. Konflikt mit dem Vater
  3. Preußen wird Großmacht
  4. Innenpolitik
  5. Schriftsteller und Musiker
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